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lalilu.| Der Regen prasselte gegen die Scheiben, ein Auto fuhr vor dem Fenster durch eine Pfütze, ließ das Wasser gegen eine Passantin spritzen, die daraufhin empört mit ihrem Schirm wackelte. Ein Vogel stieß sich vom Fenstersims eines alten Backsteinhauses ab, vielleicht um nach einem Wurm zu suchen, der die Feuchtigkeit für einen Spaziergang an der Erdoberfläche nutzte. Ein Baum wiegte sich im Wind, einige Blätter tanzten zu Boden, wo sich ein kleiner, schwarzer Käfer schutzsuchend unter einem von ihnen verkroch. Der Himmel war wolkenverhangen, nur grau in grau in grau, und am Horizont die Berge, schemenhaft nur, aber doch zu erkennen. Schaute man sich diese Szenerie an, lag der Gedanke an etwas anderes fern, die Vorstellung, das zwischen dem Grau noch einmal ein kleiner Streifen Blau zu sehen sein sollte, wirkte lächerlich unwahrscheinlich, genauso wie die Möglichkeit, dass der Wasserstrom, der vom Himmel ausging, einmal abreißen würde. In diesen Augenblicken wirkt die Welt verlassen, selten nur lässt sich ein Mensch auf der Straße sehen, und wenn doch, dann meist nur unfreiwillig, wenn einen die alltägliche Pflicht dazu zwingt. Niemand, so scheint es, setzt bei diesem Wetter aus freien Stücken einen Fuß vor die Tür, die Traurigkeit, die einem entgegenschlagen würde, lässt sich gut genug durch das verschlossene Fenster erahnen (kaum einer kommt je auf den Gedanken, dass es gerade diese Fenster sind, die dieses natürliche Schauspiel so abschreckend erscheinen lassen). Nun hatte auch die Passantin die Straße verlassen, selbige war vollkommen leer von jeglichem Leben – der Augenblick war gekommen, so entschied Jean, dem ganzen ein Ende zu setzen. Er allein, ein Mann in den Mittzwanzigern, stand in der wenig einladenden Kälte auf einem Balkon, genoss die Regentropfen auf der Haut, fühlte bewusst jedes kleine Rinnsal, das sich seinen Weg über sein Gesicht suchte. Die Haare klebten ihm am Kopf, Wassertropfen hingen in den Wimpern, die dünne Jacke schirmte das Hemd und den darunter liegenden Körper nur dürftig gegen die Feuchtigkeit ab. Jean war barfuss, seine Zehen krümmten sich auf dem Betonboden unter ihnen. Mit geschlossenen Augen bewegte sich ihr Besitzer langsam vorwärts, Schritt für Schritt, die Arme ausgestreckt, die Finger vorsichtig tastend, bis sie auf einen Widerstand stießen. Jean riss die Augen auf, starrte zuerst in den Himmel, der immer noch grau war, von dort würde wohl keine Erlösung kommen, dann hinab auf die Straße; sieben Stockwerke bis zum Boden, auf dem Asphalt flatterte eine leere Plastiktüte im Wind. Der Mann trat noch einen Schritt näher an das Geländer heran, stieg auf den Stuhl, den er bereit gestellt hatte; langsam, vorsichtig richtete er sich auf, fasste in die Innentasche seiner Jacke und zog einen kleinen, mehrfach gefalteten Zettel hervor. Seine Finger waren kalt, nur mühsam gelang es ihnen, das Blatt zu öffnen. Mit seinen eisigen, blauen Augen starrte Jean noch ein letztes Mal das Geschriebene an, ohne es wirklich zu lesen, längst konnte er es auswendig – hatte er nicht lange genug auf diesen Augenblick gewartet? Mit einem verzweifelten Ausdruck im Gesicht knüllte der Gescheiterte das Stück Papier in seinen Händen zusammen, formte eine Faust um den Zettel, schloss erneut die Augen und bereitete sich auf diesen letzten Schritt vor, wenn er sich diesmal überwand, hatte er es geschafft, dann würde es vorbei sein, ein für alle mal. Ein letztes Zögern, ein letzter tiefer Atemzug, dann streckte Jean den Arm aus, öffnete die Faust, und beobachtete selbstvergessen, wie sich das durchweichte Stück Papier aus seinen Fingern löste, vom Wind erfasst wurde, einige Meter durch die Luft wirbelte und dann fiel, langsam, träge schaukelnd, bis es auf dem Asphalt liegen blieb. Jean stieg von seinem Stuhl hinab, und ohne einen weiteren Blick zurück zu werfen, ging er hinein, endlich ins Trockene, mit der Gewissheit, endlich das Richtige getan zu haben. Der Regen hatte aufgehört, langsam stahlen sich blaue Streifen in die graue Masse am Himmel, ein schüchterner Sonnenstrahl streifte die Dächer der Häuser. Unbemerkt von einer jungen Frau, die auf der Straße vor Jeans Haus entlangging, lag das Blatt Papier auf dem Boden – hätte sie es gesehen, hätte sie es aufgehoben, dann hätte sie dort Worte finden können, die eine zitternde Hand mit Bleistift darauf geschrieben hatte, kaum noch lesbar, als kämen sie aus einer fernen Vergangenheit. „Adieu, Welt, wo ist der Sinn?“, stand dort, und darunter, noch kleiner geschrieben, kaum noch zu entziffern: „Sag es mir, und dieses Blatt landet nicht auf meinem Schreibtisch, wenn ich an einem weiteren Regentag zum Balkon gehe, sondern statt meiner selbst unten auf dem Asphalt. Sieben Tage für die Suche, ab jetzt ...“ Aber die Frau ging vorbei, direkt auf die Tür des Hauses mit der Nummer fünf zu, das Haus, in dem sich Jeans Appartement befand, und mit einem Lächeln drückte sie den Knopf seiner Türklingel. |
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