|
DanachGedicht zum Thema Einsamkeit von asche.und.zimt.
Du warst den ganzen Abend unter Leuten
und die Gespräche waren wunderbar.
Du fühltest dich den andern wirklich nah,
doch ist ja nun von ihnen niemand da,
und nichts scheint so ein Abend zu bedeuten.
Noch vorhin hast du etwas Glück empfunden,
doch nun fühlst du dich wie ein Astronaut,
der aus dem All auf alle andern schaut.
Die Stille ist wie immer viel zu laut
und du stehst stumm inmitten dieser Stunden.
|
URL dieses Textes: www.keinVerlag.de/320006.text
Kommentare und Diskussionen zu diesem Text
Kommentar von KoKa (44) (11.02.2012)
 Einen Abend, allein - zu Hause angekommen - Revue passieren lassen ... ja, kennt man und erkennt sich in dem Gedicht wieder. Einsamkeit bedeutet ja nicht immer, sich damit nicht wohlfühlen zu können. Einsam sein, bedeutet nicht, allein mit sich im Reinen sein zu können. Ich hoffe, ich habe mich richtig ausgedrückt, wäre mir lieb :-) Grüß dich, Koka
asche.und.zimt meinte dazu am 11.02.2012:
Danke, Koka. :)
Ich denke, dass Einsamkeit immer ein ungutes Gefühl ist und wenn man sich wohl fühlt, wenn niemand weiter da ist, dann ist man lediglich allein, aber nicht einsam. Alleinsein ist für mich ein Zustand, Einsamkeit ein Gefühl, und man kann sowohl allein und nicht einsam als auch einsam, aber nicht allein sein. So oder so, vielen Dank für Kommentar und Empfehlung. :)
lieben Gruß,
a&z
...und Deine Meinung zu diesem Kommentar?
|

Kommentar von EkkehartMittelberg (11.02.2012)
 Man kann den andern nicht wirklich nah gewesen sein, wenn man schon kurz danach Einsamkeit empfindet. Du schreibst freilich: "Du fühltest dich den andern wirklich nah." Es war also eine Illusion.
LG
Ekki
asche.und.zimt meinte dazu am 11.02.2012:
Oh, das würde ich nicht behaupten. Umso größer der Kontrast ist, umso näher man sich anderen also fühlte, desto größer kann ja auch die Einsamkeit werden, wenn die anderen von jetzt auf gleich nicht mehr da sind. Umso höher man aufsteigt, desto tiefer der Fall. Insofern würde ich dir da nicht zustimmen, aber ich danke dir natürlichtrotzdem für deinen Kommentar. :)
lieben Gruß,
a&z
EkkehartMittelberg antwortete darauf am 11.02.2012:
Wenn es sich um tatsächliche Nähe handelte, kann man sich doch nur allein fühlen und nicht einsam, wenn die anderen nicht mehr da sind?
asche.und.zimt schrieb daraufhin am 11.02.2012:
Das hieße ja aber, dass Nähe zwingend nachwirkt? Einsamkeit folgt gewiss nicht automatisch auf jene Nähe und manchmal ist tatsächlich die glückliche Erinnerung vordergründig. Aber manchmal sorgt auch gerade der rasche Umschwung von Geselligkeit zu Alleinsein dafür, dass man sein Alleinsein umso intensiver empfindet, es zum Einsamsein wird. Ich kenne das auf jeden Fall auch.
EkkehartMittelberg äußerte darauf am 11.02.2012:
Es wäre töricht, gegen deine Erfahrung zu argumentieren.
Caty (71) meinte dazu am 11.02.2012:
Liebe/r Asche und Zimt,
ich kenne dieses Gefühl, das du in deinem übrigens sehr gekonnt geschriebenen Gedicht beschreibst, sehr gut. Wie oft musste ich in Gesellschaft von Leuten sein, die mit mir absolut nichts zu tun hatten, mit denen ich keine einzige Wellenlänge hatte, mit denen ich zufällig zusammentraf und die mich nun für eine von ihnen hielten. Von Zeit zu Zeit, wenn ich wieder mal so ein Erlebnis der dritten Art haben möchte, gehe ich auf eine der beliebten Vernissagen oder - besonders beliebt - Dichterlesungen. Was ich an diesem Gedicht allerdings ein wenig vermisse, ist die bei diesem Thema doch sehr angebrachte Ironie, es ist mir ein bisschen zu bierernst behandelt. Was einen auf den Gedanken bringen könnte, der Autor bedauert seine Einsamkeit unter all den Nichtigkeiten und Schönschwätzern, er würde so gerne einer von denen sein.
Lieben Gruß, Caty
asche.und.zimt meinte dazu am 11.02.2012:
Vielen Dank, Caty! Allerdings finde ich anders als du Ironie hier nicht angebracht bzw. wichtig. Sicher, man kann solche Gedichte auch anders schreiben und ich denke dabei ein wenig an Mascha Kaléko. Ich sehe darin aber keine Notwendigkeit und denke auch nicht, dass aus dem Gedicht der Wunsch des Du (nicht des Autors) ableitbar ist, zu den "Schönschwätzern" zu gehören, zumal ich ja auch nicht über Nichtigkeiten und Schönschwätzer schrieb, sondern über Menschen, die dem Du durchaus nahe stehen. Es ist viel mehr ein trauriges Gewahrwerden dessen, wie schnell solche Abende vergehen können und wie schnell man wieder mit sich allein ist.
lieben Gruß,
a&z
...und Deine Meinung zu diesem Kommentar?
|
Kommentar von Gruszka (62) (11.02.2012)
 In der ersten Strophe sehe ich einen Widerspruch.
Ich lese, dass man unter Leuten war, die Gespräche wunderbar waren, man war diesen Leuten nah - und dann lese ich,
dass dieser Abend nichts zu bedeuten scheint???
Das scheint mir ein großer Widerspruch zu sein, denn der Abend hatte ja scheinbar eine Bedeutung: der Nähe, der wunderbaren Gespräche...So wie es im Text steht, geht es für mich nicht auf, dieses "und nichts scheint dieser Abend zu bedeuten"...Vielleicht ist die Bedeutung entschwunden, im Moment als man dann wieder alleine ist, aber dann wäre diese Zeile nicht besonders glücklich ausgedrückt.
Mit herzlichen Grüßen, Gruszka :-))))))
asche.und.zimt meinte dazu am 11.02.2012:
Hallo Gruszka und Danke fürs kritische Lesen. :) Der Abend wird ja in Relation zu einer Gesamtheit gesetzt und verliert in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Er scheint so vernachlässigenswert, wie ein glücklicher Augenblick zwischen Einsamkeiten. Das Glück, kaum dass es empfunden wurde, wird wieder infrage gestellt und scheint plötzlich so nichtig und flüchtig angesichts der Gefühle, die darauf folgen. Zudem: "scheint", darin steckt ja auch etwas. Das nimmt dem "nichts" ein wenig Härte, denn natürlich hat so ein Abend, da gebe ich dir völlig Recht, eine Bedeutung. Aber man neigt eben auch schnell dazu, sie aus den Augen zu verlieren, sie zu relativieren, sobald sie solchen Traurigkeiten gewichen ist. Nichtsdestotrotz kann ich deinen Einwand nachvollziehen, auch wenn ich ihn insofern nicht teile, dass es hier nicht um eine objektive Feststellung ging, wie jener Abend war, sondern um sehr subjektive Sichtweisen darauf, die sich während des Gedichtes ändern.
lieben Gruß,
a&z
...und Deine Meinung zu diesem Kommentar?
|
|
|
|