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Death by MedicineRezension zum Thema Gesundheit von RomanTikker.
DVD-Besprechung
Titel: Death by Medicine
Sprache: Englisch
Verlag: Gary Null & Associates, Inc
Spielzeit: 93 Min.
Preis: $15,00 (ca. €11,60)
Erhältlich über: www.gnhealthyliving.com
Sechs Jahre lang hat Filmemacher Gary Null zusammen mit fünf Doktoren und anhand hunderter geprüfter Studien die Praxis im amerikanischen Gesundheitswesen unter die Lupe genommen. Trotz der Beschränkung auf offizielle Dokumente und anerkannte, populäre Statistiken ist das resultierende Bild ebenso erschreckend wie empörend.
Puzzleteil um Puzzleteil examiniert Null verschiedene Aspekte des medizinischen Status quo in den USA und zeigt auf, dass das die Krake des „Corporate America“ ihre Arme auch tief in die Volksgesundheit gegraben hat. Wenn 50% der Bevölkerung an chronischen Krankheiten leiden und 700.000 Menschen jährlich an den Folgen von Medikamenten, medizinischen Maßnahmen und Behandlungsfehlern sterben, während Pharmakonzerne und hohe Tiere in Aufsichtsbehörden im Geld schwimmen, ist das Grund genug, genauer hinzuschauen.
In den USA fließen jährlich US$ 7.200 pro Kopf ins Gesundheitswesen – mehr als doppelt so viel wie in Deutschland, der Schweiz und Frankreich zusammen – während rund 50% der Krankheiten in US-Krankenhäusern iatrogenen Ursprungs sind. In Anbetracht dieser Zahlen von „Gesundheitsfürsorge“ zu sprechen ist mehr als makaber. Worin fußt ein medizinische Paradigma, das solche Missstände ermöglicht?
Es wundert kaum, dass in der Geschichte der US-Pharmaindustrie altbekannte Namen wie Rockefeller eine tragende Rolle spielen. Im frühen 20. Jahrhundert sorgte die sympathische Familie mit besten Kontakten zur IG-Farben und beiden Füßen in der Öl- und Chemieindustrie dafür, dass die Allopathie zu boomen begann und der Alleinherrschaftsanspruch von Pharmaka, Chirurgie und Bestrahlungen zum neuen medizinischen Dogma wurde. Nach jahrelanger Predigt in Universitäten und Ausbildungsstätten hat sich diese Trinität der Behandlungsmethoden zum mythologischen Monster entwickelt, das von geradezu mafiösen Strukturen gefüttert und verteidigt wird.
Illustriert mit konkreten Fallbeispielen beleuchtet Nulls DVD anhand der Aussagen zahlreicher Interviewpartner eine Reihe von Aspekten der medizinischen Praxis in Amerika. Es folgt eine kurze Skizze:
Nebenwirkungen: Jeder iatrogener Todesfall in den USA markiert das Ende eines perversen Spiels mit Menschenleben. Mit viel Aufwand und irreführender Werbung wird eine Nachfrage nach Medikamenten kreiert, die in einer übermäßigen Medikation der Bevölkerung resultiert. Kaum eine Arznei kommt dabei ohne Nebenwirkungen daher, die wiederum mit dem nächsten Medikament behandelt werden. Auf diese Weise bleibt der Patient lebenslang Kunde der Industrie. Nicht gesund und nicht tot – ein verlässlicher Kunde, am besten von Kindesbeinen an.
Handelsvertreter: Lobbyarbeit ist lange nicht mehr an Washington gebunden. Jeder Arzt in den USA bekommt regelmäßig Besuch von Pharmavertretern aus der freien Wirtschaft, die pharmazeutische Propaganda als medizinische Information verkaufen und ihre Kunden über ein Belohnungssystem gefügig machen.
Killerdrogen: Selbst Arzneimittel, die nachweislich tödlich wirken, schaffen es in der Regel, so lange auf dem Markt zu bleiben, bis ihre kalkulierten Gewinne eingefahren sind – wird das Image zu schlecht, wird eben der Preis reduziert. Und wird ein Medikament doch einmal verboten, winken immer noch die ausländischen Absatzmärkte.
Lobbyarbeit: Auf einen Kongressabgeordneten kommen vier Lobbyisten. Wundert es da noch, dass die Politik allzu oft dem Big Business in die Hände spielt?
Regierungsarbeit: Viele Politiker haben einen wirtschaftlichen Hintergrund und unterhalten nicht selten lukrative Beziehungen zu Pharmaunternehmen. Das für die schreienden Missstände verantwortliche System wird schlichtweg dadurch aufrechterhalten, dass die Bekleider seiner Posten einfach stillhalten und von den Vorzügen ihrer Jobs profitieren. Sich dagegen aufzulehnen und aktiv zu werden hieße, die Anstellung zu riskieren – und wer will das schon?
Finanzierte Forschung: Das Bildungssystem im Gesundheitswesen wird überwacht, beeinflusst und kontrolliert von Pharmafirmen. Geld mach es möglich – denn während die Regierung jährlich US$ 25 Milliarden in die Forschung steckt, bringt es die Pharmaindustrie auf satte US$ 60 Milliarden. So entstehen Studien und wissenschaftliche Dokumente, die gesundheitsgefährdenden Medikamenten den sicheren und vertrauenswürdigen Anstrich geben, der einen guten Absatz garantieren.
Zulassungsbehörden: CDC, FDA und Co dienen nicht der Sicherheit der Konsumenten, sondern Arbeiten für die Industrie. Wer eine Gefahr für das Absatzsystem darstellt – etwa mit billigen, wirksamen und natürlichen Produkten – wird attackiert und mit offiziellen Maßnahmen abgestraft. Am Beispiel der FDA ist deutlich abzulesen, dass die Behörden zum Großteil konzerngesteuert sind und die Individuen, die in ihnen agieren, finanziell von der Industrie profitieren – und das nicht zu knapp.
Medizinische Journale: Da die meisten Fachzeitschriften sich durch Werbekunden aus der Industrie finanzieren, entsteht hier ein klarer Interessenkonflikt, der zu Ungunsten des Verbrauchers in einer Abhängigkeit von der Big Pharma resultiert.
Ärzte: Um es kurz zu machen: Im Durchschnitt erhält jeder amerikanische Arzt jährlich US$ 61.000 aus den Taschen von Pharmafirmen. Gleichzeitig begibt sich ein Doktor auf dünnes Eis, wenn er von den Standardmethoden abweicht, die von Behörden und Versicherungen festgeschrieben wurden und riskiert im Extremfall, seine Lizenz zu verlieren. Die AMA – auf den ersten Blick eine Interessenvertretung für Ärzte und Medizinstudenten – entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Kontrollorgan der Branche.
Es würde den Rahmen dieser Vorstellung sprengen, alle Bereiche abzugrasen, die Gary Null beleuchtet. Die Flut an Informationen ist beeindruckend, und selbst Kenner der Thematik dürften hier und da auf neue Informationen und Zusammenhänge stoßen. Nach Ausflügen in amerikanische Krankenhäuser, die Medienlandschaft, die jüngste Gesundheitsreform und den regelrechten Krieg gegen alternative Heilverfahren präsentiert Null schließlich Vorschläge für ein neues medizinisches Paradigma – mit nur rund zehn Minuten hätte dieser Teil ruhig länger ausfallen können; schließlich nützen Informationen über Missstände wenig ohne konkrete Lösungsvorschläge.
Ich bin nach dem Anschauen dieser DVD jedenfalls froh, nicht in den Staaten zu leben und die Wahl zu haben, wie und ob ich mich gegen eine Krankheit behandele oder behandeln lasse. Die bewegenden Fallbeispiele im Film verdeutlichen zudem, wie pervers und menschenverachtend die Konsequenzen aus Geldgeilheit und Gehorsam eines Systemfunktionärs sein können – falls Sie also jemanden kennen, der für die Big Pharma arbeitet, weil der Gehaltscheck stimmt, dann wäre Nulls Dokumentation ein geeigneter Weckruf. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!
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