Es ist Angst, darum fliehe ich immer wieder vor mir oder zumindest versuche ich es. Im Endeffekt kann ich ja doch nicht vor mir weglaufen, niemand kann das. Das einzige, was ich kann, ist soviel verdammten Alkohol in mich hinein schütten, dass ich vergesse, ich will einfach vergessen, ich will nicht mehr an meine Angst erinnert werden.
Natürlich zelebriere ich meinen Versuch der Realitätsflucht. Mein Therapeut erklärt es mir so, dass ich versuche mir bewusst zu machen, dass es gut ist, obwohl ich weiß oder zumindest wissen müsste, dass es nicht gut ist. Natürlich ist es nicht gut, wie komme ich überhaupt auf den Gedanken, es irgendwie erklären wollen. Es ist einfach nur eine scheiß Vorgehensweise. Aber es ist eine Funktion, die ich mir über lange Zeit angewöhnt habe.
Um präzise zu sein, in meiner letzten Beziehung, wenn man es denn so betrachten will, dass der Glaube, ich könnte mal Glück haben, mir zu surreal erschien, dass ich fast durchgängig Angst hatte, dass alles zu Ende geht. Womit ich beim Alkohol natürlich auf das falsche Pferd gesetzt habe. Ich habe mir mehr oder minder ein langsames Gift ausgesucht, um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu konstruieren. Frei nach dem Motto, ich geh entweder drauf beim Saufen oder bin irgendwann soweit weg von jedem Schutzmechanismus, dass ich der Welt mein wahres Gesicht zeigen oder zumindest einigen Leuten die Wahrheit sagen kann, was ich von ihnen denke. Da das bisher nicht passiert ist oder ich noch nicht das richtige Verhältnis psychoaktiver Stoffe im richtigen Messverhältnis gefunden habe, versuch ich es halt weiter.
Was mich nun zum Kern meines Problems derzeit führt. Es sind verschiedene Sachen. Da wäre zum einen die Angst um meine kleine Schwester. Verdammt hab ich eine scheiß riesige Angst, dass sie an der verschissen Scheidung meiner Eltern kaputt geht, nicht nur angeknackst wird, ich meine, das ist sie auf positive Weise ja schon. Aber mehr so, dass der ganze Kram sie brutal zerschlägt. Und sollte diese Angst sich bestätigen, nun ich glaube, dann würde ich nie wieder ein Wort mit meinen Eltern wechseln. Das ist das schöne, die mentale Begabung zur Auslöschung einer Existenz in seiner eigenen Realität. Was quasi bedeuten würde, meine Eltern wären für mich gestorben. Hinzu kommt noch etwas, weil ich gerade in Fahrt komme und dieser Text sich so wie jeder andere entwickelt. Ich rede nicht viel mit meinen Eltern oder halte aus einem gewissen Grund den Mund, melde mich selten bei ihnen oder sonst wie Kontakt halte ich nicht wirklich, den halten meine Eltern. Warum ich ihn also nicht halte? Na ja, zum einen wären da das belanglose Gerede, was weder eine Aussage, noch einen Sinn darlegt. Frage ich dann mal nach Themen, die ernst sind oder von Interesse, so erhalte ich doch eh keine ehrliche Antwort oder es wird sich in Schweigen gehüllt. Danke liebe Eltern, mich in Watte packen zu wollen, aber ich glaube, ich habe in meinem kurzen Leben genug von der Realität gesehen, also lasst es einfach.
Zweite Angst wäre mein Bruder. Dazu werde ich, glaube ich, nicht soviel schreiben, sondern das in den Gesprächen klären. Nur hab ich die Angst, dass er irgendwann mit denselben speziellen Problemen konfrontiert ist, die ich habe, wofür ich mir mal wieder die Schuld gebe.
Dritte Angst, und das ist der absolute Standard, wenn einem die Freundin immer wieder sagt, dass sie es nicht glauben kann, dass man es sonst wie lang mit ihr aushält, sorgt das bei mir nicht unbedingt für Sicherheit. Nein, viel mehr bekomme ich die Angst, dass sie bald mit mir Schluss machen möchte. Ja es ist paradox, ich weiß, und es ergibt auch keinen Sinn, aber Scheiße, so ist das. Zudem das Verhalten, es ist paradox an ihr, nicht dass es mich stört. Also indirekt stört es mich schon. Wenn ich auf Veranstaltungen erscheine, für sie, um ihr eine Freude zu machen, wo ich auch nicht unbedingt jeden kenne, sie einfach verschwindet. Und ihre eigne Freundin regt mich auf. Aber das nur am Rande festgehalten.
Ja, das war es eigentlich und ich müsste dann mal bei Gelegenheit einen Termin machen.
- Wenn der Wind noch weht.
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