Menschenkind, toltec-head und LudwigJanssen, die drei postapokalyptischen Reiter auf dem Begriff "Menstruationslyrik"

Travestie zum Thema KeinVerlag

von  Dieter Wal

Apokalyptische Reiter sind wieder gefragt. Speziell in Literaturforen. [exturl=http://keinverlag.de/beitrag.php?forum=90&thread=81376&beitrag=81395#top_81395
]Am 11.01.2013 um 08:59 Uhr entdeckte Autor Jack in einem KV-Kommentar unter dem Titel "Wort und Wirkung"  moderne postapokalyptische Reiter.[/exturl] Die Bibel ist konkret. Dort sind es vier. KV kennt nur drei. Sie heißen: "Menschenkind, toltec-head und LudwigJanssen". War hingerissen.

Die hochdramatische postapokalyptische Szenerie sähe mit unseren neuen endlich auch namentlich bekannten Superschurken so aus:


Und ich sah, daß das Lamm der Siegel eines auftat; und hörte der vier Tiere eines sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm!

Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd.

Und der daraufsaß, des Nicknames Menschenkind, hatte einen Bogen; und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft, und daß er siegte.

Und da es das andere Siegel auftat, hörte ich das andere Tier sagen: Komm!

Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war rot.

Und dem Schurken toltec-head, der daraufsaß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten; und ward ihm ein großes Schwert gegeben.

Und da es das dritte Siegel auftat, hörte ich das dritte Tier sagen: Komm!

Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd.

Und LudwigJanssen, der daraufsaß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme unter den vier Tieren sagen: Ein Maß Weizen um einen Groschen und drei Maß Gerste um einen Groschen; und dem Öl und Wein tu kein Leid!

(Das Zitat folgt bis auf die drei namentlichen Ergänzungen um der Travestie willen wörtlich dem sechsten Kapitel der Johannesoffenbarung. Lutherübersetzung 1912.)


Ist das nicht wundervoll auch ohne die Johannesapokalypse je gelesen oder verstanden zu haben?

Unsere begrifflichen "Menstruationslyrik"-Reiter verfügen  über farbintensive Pferde:

Menschenkind auf einem hell gestriegelten Schimmel.

toltec-heads Pferd erhielt einen Anstrich roter Farbe.
Passt das nicht zu seinem toltekischen Nickname?

LudwigJanssen zügelt meisterhaft den schwarzen Hengst.

Menschenkind Krone und Bogen.
toltec-head das Schwert.
LudwigJanssen die Waage. Auch zeigt er sich kaufmännisch  bewandert.

Das verdanken wir einer Trostschrift der Christenheit unter Caesar Nero, Jacks Genie, sowie unseren  verdienstvollen "Menstruationslyrik"-Reitern Menschenkind, toltec-head und LudwigJanssen.

"Menstruationslyrik" erhält dadurch sogar neue Farbzuordnungen:

Weiß,
Rot
und Schwarz!

Wer hätte das gedacht.


Dieter Wallentin


Anmerkung von Dieter Wal:

Hier Jacks auszugsweises Zitat im Wortlaut: " die drei postapokalyptischen Reiter auf dem Begriff "Menstruationslyrik" (Menschenkind, toltec-head und LudwigJanssen)"

 Wer sich tiefer mit dem eigentlichen Sinn des Bibelzitates beschäftigen möchte, findet weiterführende Informationen unter dem dazugehörigen Wikiediaartikel.

Ich empfehle Jürgen Roloffs Zürcher Bibelkommentar: "Die Offenbarung des Johannes", 1984 und weitere Auflagen. Das Buch ist auch für Laien verständlich und bietet hervorragende Zugänge in einen der herausforderndsten Texte der Bibel. Bei tieferem Interesse gerne auch theologenspezifische Fachliteratur. (11.01.2020)

M e i n e mit der Travestie bezogen auf die genannten Autoren nichts. Der Text stellt eine Ausarbeitung des Bildgedankens von Jack dar und entstand "just for fun". Ich hoffe, die Leser empfinden ähnlich.

Kommentare zu diesem Text


 managarm (11.01.13)
Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz?
Wie sich diese Märchen doch ähneln, oder?
LG Frank
(Kommentar korrigiert am 11.01.2013)

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Unglaublich! Dass Farbsymbolik wie Symbolik generell sozusagen eine internationale Sprache ist, wusst ich länger, aber so etwas hab ich noch nie vorher gemacht. Hörte als Studi der ev. Theol. zahlreiche Vorlesungen bei Prof. Wischmeyer in Erlangen darüber und beschäftige mich bis heute immer wieder intensiv mit diesem Buch und der Forschung darüber. Wäre nicht im Traum von selbst auf die Idee gekommen, die Offb als Vorlage einer Travestie zu verwenden, bis ich die Worte Jacks las. Hab grenzenlosen Respekt vor diesem Buch. In jeder Hinsicht. Nicht zuletzt literarischen. Aber gerade weil es respektlos erscheinen könnte, so etwas unternommen zu haben, entwickelt selbst die Travestie eine Würde und Heiterkeit, die ich nie erwartet hätte. :)
(Antwort korrigiert am 11.01.2013)
Asvika (23)
(11.01.13)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 managarm antwortete darauf am 11.01.13:
Bis gerade eben hatte ich dieses Bild irgendwie verdrängen können. Dies wird nun nicht mehr gelingen. Du bist schuld, Asvika.
Asvika (23) schrieb daraufhin am 11.01.13:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Dieter Wal äußerte darauf am 11.01.13:
Schwarzer Jaguar und Waage passen zu ihm. :))
AronManfeld (43)
(11.01.13)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
Gruszka (62) ergänzte dazu am 11.01.13:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
"Black Beauty" für Ludwig als Idee dieser total goldigen 70er Jahre-TV-Serie aus England fand ich niedlich. Ludwig als KV-Urgestein ist Ludwig. Sonst nix.
AiKa (46)
(11.01.13)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
AronManfeld (43) meinte dazu am 11.01.13:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
AiKa (46) meinte dazu am 11.01.13:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Typisch Travestie, würd ich meinen. Genannte Reiter waren mir dabei im Grund völlig wurst, mir gings um die Freude, einen solchen Text sprachlich zu gestalten. Reine Spielerei. Kann mir nicht vorstellen, dass sich einer der Genannten beschwert, da sie ausnahmslos über Humor verfügen.
(Antwort korrigiert am 11.01.2013)
AiKa (46) meinte dazu am 11.01.13:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Danke. Ich glaub auch.
chichi† (80) meinte dazu am 11.01.13:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Danke, Chichi. Dir auch schönen Abend. :)

 TrekanBelluvitsh (11.01.13)
"Weiß,
Rot
und Schwarz! "

Das sind nur zufällig die Farben der Reichskriegsflagge. In anderer Reihenfolge natürlich. Was ich wieder denke...

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Kam mir auch in den Sinn. Symbolik betritt scheinbar oft seltsame Wege. Aber immer zeigt sie sich als unterhaltsam und erkenntnisstiftend, solange man sie nicht von ihrer natürlichen Vieldeutigkeit verabsolutiert.
(Antwort korrigiert am 11.01.2013)

 TrekanBelluvitsh meinte dazu am 11.01.13:
"(...) solange man sie nicht von ihrer natürlichen Vieldeutigkeit verabsolutiert."

Zustimmung, aber nicht immer zwangsläufig.
So mag man bei 'Oświęcim' noch "Oh, Stadt in Polen. Kenne ich nicht, wäre interessant mehr darüber herauszufinden" denken. Wenn man dann den deutschen Namen für diesen Ort hört, vergeht einem das ganz schnell.

Ach ja, der deutsche Name für 'Oświęcim' lautet 'Auschwitz'.

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Der dt. Name hat eine best. hist. Bedeutung. Von Symbolik würde ich hier nicht wie am Beispiel von Farbsymbolik sprechen. Die ist vieldeutig, die Semantik des anderen Begriffes ist es eher nicht. Du verwechselst möglicherweise Semiotik mit Symbolik.

 TrekanBelluvitsh meinte dazu am 11.01.13:
" Du verwechselst möglicherweise Semiotik mit Symbolik."

Wissenschaftlich-intellektuell betrachtet hast du da nicht Unrecht.

Aber schon im Zusammenspiel wird es schwierig:

Schwarz und Auschwitz.

Schon ist die Vielseitigkeit flöten gegangen.

Ach ja, und noch eines: Ich plappere gern, weshalb ich zuweilen(wie hier) abschweife. Darum: Guter Text, und: Du kommst in die Hölle, wie alle bösen, bösen Menschen.

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
Danke für dein positives Text-Urteil. Sollte ich dafür später auf einem diabolischen Grill landen, melde ich mich bei dir als verspuktes knuspriges Hühnchen, sobald ich durchgegart bin, falls du homophagen Hunger bekommen solltest. Ok?
(Antwort korrigiert am 11.01.2013)

 Dieter Wal meinte dazu am 11.01.13:
PS: Farbverwendungen in prophetischen Texten sind symbolischer Natur. Das Rot eines Stoppschildes dagegen wird eindeutig als Warn- und Signalfarbe verwendet.

 tulpenrot (12.01.13)
Außer dass irgendwelche Äußerlichkeiten aus dem Ursprungstext den Nicknames wahllos zugeordnet wurden, kann ich inhaltlich keinen neuen Erkenntnisgewinn entnehmen. Was soll das Ganze?
Um den Ursprungs-Text für eine sinnleere Spielerei zu missbrauchen, ist er zu ernst und auch zu vielschichtig. Selbst eine Travestie (im Sinne von Parodie) kann ich in deiner Bearbeitung nicht erkennen. Oder genügt es, die Namen zu verändern?
Tut mir Leid... (( Kann nichts Gutes hier finden.
Traurige Güße
Angelika

 Dieter Wal meinte dazu am 13.01.13:
Liebe Angelika,

danke für deinen Kommentar. Jacks Metapher finde ich geistreich. In ihrem Esprit lag für mich der Reiz, einen solchen Text im Detail auszusarbeiten. Bei völlig offenem Ergebnis. Hatte dabei keine bestimmten Erwartungen. Das Ausarbeiten wirkte auf mich herausfordernd.

Für mich ergaben sich aus der travestierenden Auseinandersetzung mit dem Text mehrere angenehme Überraschungen:

1. Trotz der toternsten Ausgangssituation für die Textentstehung der Johannesapokalypse durch grausame Christenverfolgungen unter Nero konnte selbst eine Travestie eines Teilzitates der Würde und Stringenz der dargestellten prophetischen Abläufe nicht das Geringste anhaben. Mag mit an den mit mathematischer Genauigkeit durchgeführten logischen Abläufen im Text liegen, auch an den geradezu kristallin klaren Textstrukturen der Johannesapokalypse.

2. Travestierende Zweckentfremdung des Textes wirkte (zumindest auf mich) überraschenderweise nicht blasphemisch. Falls es dir als Leserin anders erging, bitte entschuldige. Das war nicht meine Absicht. Nahm die Gefahr theoretisch möglicher Blasphemie billigend in Kauf, wobei kein ungutes Gefühl in dieser Richtung vorhanden war, als ich Jacks originelle Idee auszuarbeiten begann. Bin, was solche Dinge angeht, sensibel und hätte es nicht unternommen, würde mich meine innere Stimme es zu unterlassen gewarnt haben.

3. Mir machte die Arbeit mit dem Text der Johannesapokalypse die logischen Abläufe und ihre kristallin klaren Textstrukturen erneut bewusst. Ihre Fülle der Bilder gleicht einem geöffneten Granatapfel. Die Johannesapokalypse ist nicht nur das letzte Buch der Bibel, sondern vor allem das erfolgreichste, betrachtet man die Anzahl der auf sie zurückgeführten weltweiten Illustrationen und ihre erstaunliche Textwirkung in vielen weiteren Bereichen wie z. B. der Literatur. Gleichzeitig ist sie die mit Abstand rätselhafteste neutestamentarische Schrift und wohl insgesamt die literarisch bedeutendste der Thora, würde man die Thora wie beim Begriff Bibel für Christen geschehn und die NT-Bücher zusammen betrachten.

"Menschenkind, toltec-head und LudwigJanssen, die drei postapokalyptischen Reiter auf dem Begriff "Menstruationslyrik"" besagt, dass die drei auf dem Begriff herumreiten. Im von Brigitte eröffneten Ordner sollte wohl noch einmal gemeinsam über die bei KV entstandenen Begriffe nachgedacht werden. Wollte nicht selbst auf den bescheuerten Begriffen herumreiten. Die interessieren mich weniger. Arbeit mit Sprache umso mehr.

Gruß
Dieter
(Antwort korrigiert am 14.01.2013)

 Dieter Wal meinte dazu am 14.01.13:
PS: Zur Travestie: [ital.], lit. Satire, die den Inhalt des verspotteneten Werkes belässt, ihn aber in eine nicht gemäße Form kleidet.

Das "verspottete Werk" wäre hier nicht die Johannesapokalypse, sondern die Metapher "Menstruationslyrik". Diese wurde von Jack in eine nicht gemäße Form gekleidet, nämlich mit der Apokalypse des Johannes verknüpft. Im Detail ausgeführt gilt nach wie vor die Travestie bzw. Satire nicht der Apokalpyse, sondern der Metapher. Textintention: Freude am Spiel mit Sprache. Nebenbei erfreuliche innere Erfahrungen und Refexionen durch Arbeit mit einem hochheiligen Text.
(Antwort korrigiert am 14.01.2013)

 tulpenrot meinte dazu am 15.01.13:
Jack schrieb, soweit ich mich erinnere, von "postapokalyptischen Reitern". Diesen Ausdruck fand ich im Zusammenhang der Diskussion im Forum als durchaus passend und humorvoll. Und als vergleichender Ausdruck sollte er dort bleiben, wo er angebracht war. In seinem Kontext. Umgekehrt jedoch, die Nicknamen der "Menstruationslyrikautoren" den "apokalyptischen Reitern" innerhalb i h r e s Kontextes beizuordnen, bringt keinen Sinn.

Wir befinden uns zudem nicht "in" der Apokalypse, sondern danach. "Post" heißt doch "nach" - oder????

Und obendrein bestand deine "Textarbeit" doch nur in der Einsetzung der Namen - oder habich was verpasst?

Insofern sind deine so ausführlichichen Ausführungen zwar eine literarische Selbstverteigung, aber bedauerlicherweise keine Hinführung zu mehr Verständnis für deine "Textarbeit".
Angelika

P.S. Ich lasse - um des Schmunzeleffekts willen - die Vertippsler mal stehen.

 Dieter Wal meinte dazu am 15.01.13:
Jeder Mensch versteht Ironie und Humor individuell verschieden. Das ist halt so. Mach dir nichts draus.

 Dieter Wal meinte dazu am 16.01.13:
tulpenrot: "oder habich was verpasst?"

Im Prinzip ja, sagt Radio Eriwan. Aber niemand würde einen Leser ernsthaft mit der Nase auf etwas stoßen, wenn ihn sein Vorurteil daran hindert zu lesen, was dasteht.

Steht es jedem frei zu verstehen was und wie er will.

 tulpenrot meinte dazu am 16.01.13:
Ich verstehe. Du verstehst. Was auch immer. Nix. Egal. War ein Versuch.
Zur Zeit online: