Die Getriebenen.. gestern im Fernsehen

Kritik zum Thema Europa

von  eiskimo

Mit hohen Erwartungen habe ich mir gestern (15.4.)  "Die Getriebenen" angeschaut. Ein nach Motiven des gleichnamigen Sachbuchbestsellers (Robin Alexander)  verfilmter „Polit-Thriller“, unter Stephan Wagners Regie erstellt. Die Dreharbeiten dazu gingen Mitte Juli 2019 in Berlin zu Ende. In den  Hauptrollen spielen Imogen Kogge (Angela Merkel), Josef Bierbichler (Horst Seehofer), Wolfgang Prengler (Thomas de Maizière), Tristan Seith (Peter Altmaier), Timo Dierkes (Sigmar Gabriel), Radu Banzaru (Viktor Orbán) u. v. a.
Der Film rekonstruiert die spannenden 63 Tage im Sommer 2015, bevor Angela Merkel ihre Schlüsselentscheidung in der Flüchtlingspolitik fällte, die Grenzen – trotz dramatisch anwachsenden Flüchtlingsandrangs - nicht zu schließen.
Wie habe ich diese Rückblende in eine wirklich einschneidende Phase unserer jüngsten Vergangenheit erlebt?
Ich war überfordert. Überfordert nicht nur von der Hetze und Kurzatmigkeit der Akteure, sondern auch der filmischen Präsentation. Es war ein Zappen durch den Kalender und die Tagesabläufe dieser „Getriebenen“, teilweise mit schwer zu verfolgenden Untertiteln und Übersetzungen garniert,  immer sehr viel Hintergrundwissen voraussetzend.  Kaum hatte ich mir eine Sachlage vergegenwärtigt und meine eigenen Erinnerungen reaktiviert, brach schon eine neue Szenerie auf mich ein. Es gab keinen Spannungsbogen im klassischen Sinn, also eine stufenweise Entwicklung und Hinführung zu einem Höhepunkt hin, sondern stets gleichbleibende „Dringlichkeit“ von Anfang bis Ende.
Am Limit waren auch unsere Politiker, getrieben von viel zu eng getakteten Terminen, von beschwörend auf sie einredenden Beratern, von sich überschlagenden Twitter-Botschaften.
Interessant für mich, wie wohlwollend nuanciert Angela Merkel dabei dargestellt war – im Gegensatz zu ihren geradezu plump überzeichneten Widersachern Sigmar Gabriel oder Horst Seehofer. Auch das Bild der gezeigten Flüchtlinge war mir zu einseitig: Sie wurden da immer nur als bedrohliche Masse gezeigt.
Völlig daneben in meinen Augen der Versuch, Frau Merkel auch in ihrem privaten Umfeld zu zeigen. Am Frühstückstisch mit Ehemann Joachim Sauer, der am Ende mal kurz Angelas ganzen Höllenritt analysiert.
Mein Fazit: Ambitioniert gemacht, sehr gute Schauspieler mit verblüffender Ähnlichkeit zu den dargestellten Polit-Größen, aber sehr uneinheitlich in der Feingestaltung ihrer Rollen. Insgesamt war es anstrengend zuzugucken – einerseits monton von der Reizüberflutung und dem Dauerstress her, andererseits verwirrend durch das Patchwork unterschiedlichster „Baustellen“, an denen fast zeitgleich herum zu wursteln war.

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Kommentare zu diesem Text

Graeculus (76)
(16.04.20)
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 eiskimo meinte dazu am 16.04.20:
Danke für die ausführliche Stellungnahme!
Ich gebe Dir recht, dass es höchst interessant war, dass man - an welcher Form auch immer - Kritik üben kann und dass auch Einzelbilder von Flüchtlingen zu sehen waren.
Aber die vielen anderen Fotos zeigten halt auch hier immer große Gruppen, und das hatte man seinerzeit schon den Nachrichten-Machern vorgeworfen: Sie sind einseitig dem Thrill dieser so wirkungsvollen Bilder erlegen.
Meine Frau und ich haben übrigens auch die Zuordnung machen müssen, wer denn wann was war.
Und es ist noch keine fünf Jahre her.
vG
Eiskimo

Antwort geändert am 16.04.2020 um 16:56 Uhr

 Dieter_Rotmund (17.04.20)
Habe ich leider verpasst, war im Odenwald wandern. Toller Cast, wie ich las.

 AZU20 (23.04.20)
Konnte den Film leider nicht sehen. LG
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