Trennung von der Mutter oder eine indische Frau erfüllt sich ihren Lebenstraum!

Erzählung zum Thema Lebensweg

von  Bluebird

Illustration zum Text
(von Bluebird)
Während sein Vater für ihn so etwas wie ein schweigender Gott in Menschengestalt gewesen war, verband Rabi mit seiner Mutter eine herzliche und innige Liebe. Er beschreibt sie fast schwärmerisch:
Meine Mutter war eine schöne Frau mit feinen Gesichtszügen, hochintelligent und von einer ungewöhnlichen innerer Stärke
Ob nun real oder doch etwas verklärt beschrieben, sei dahingestellt. Aber sie hatte sicherlich kein einfaches Los:
Sie war damals erst fünfzehn Jahre alt, die beste Schülerin der Klasse und begierig, ihr Studium fortzusetzen, als sie vom Entschluss ihres Vaters, sie zu verheiraten, völlig überrumpelt wurde. Aus der Traum vom Universitätsstudium in England.
    Sie wurde krank, fügte sich dann aber klaglos in den Willen des Vaters. Und so kam die Heirat mit Rabis Vaters, einem Hindupriester, zustande.
Sicher wird sie von einer glücklichen Ehe in einem klassischen Sinne geträumt haben. Aber es sollte anders kommen:. Ihr Mann schwor kurz darauf allem Irdischen ab und zog sich in seine schon beschrieben abgeschiedene Yogiwelt bestehend aus Meditation und Schriftstudium zurück:
Selbst seine Augen flohen jedem Kontakt mit der Umwelt. Ich kann mir das Entsetzen meiner Mutter kaum vorstellen. Fünfzehn Jahre alt, frischvermählt und dazu noch schwanger, musste sie mit ihrer neuen Lage fertigwerden. … für einen Mann sorgen, der wie ein taub, blind und stumm geborenes Kind gepflegt werden musste..
  Sie tat es klaglos, mit zärtlicher Fürsorge und Hingabe, wenn man Rabi Glauben schenken möchte. Und gleichzeitig war sie ihrem Sohn eine liebevolle Mutter und Lehrerin:
Still, besinnlich und tief religiös, war sie mir nicht nur Vater und Mutter, sondern auch meine erste Lehrerin im Hinduismus.
Was war das für ein großer Schock für Rabi,  als sie ihm einige Monate später mitteilte, dass sie nun alleine nach Indien reisen würde, um die Asche seines Vaters dem Ganges zu übergeben. Intuitiv spürte er, dass sich dahinter mehr verbarg. Das dies ein Abschied für immer sein würde.
    Er versuchte alles um mitkommen zu dürfen, aber zwecklos. Die Mutter blieb zugewandt liebevoll, aber in ihrem Entschluss fest. Selbst ein Riesentheater am Abschiedstage nutzte nichts, mit vereinten verwandtschaftlichen Kräften wurde er von der Mutter getrennt.
    Kurz darauf verließ das Schiff den Hafen von Port du Spain (Trinidad) und die Mutter verschwand aus dem Leben des neunjährigen Rabi. Sie blieb im indischen Benares und erfüllte sich ihren eigentlichen Lebenstraum. Sie begann dort ein Universitätsstudium!


Anmerkung von Bluebird:

Folge 2 des  nacherzählten Lebensweges von Rabi Maharaj ... die Zitate entstammen aus seiner Autobiografie: Der Tod eines Guru

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Kommentare zu diesem Text

Graeculus (76)
(25.04.20)
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 LotharAtzert meinte dazu am 25.04.20:
Daß wir uns nochmal einig sind ...

 Bluebird antwortete darauf am 25.04.20:
@Graeculus
Die meisten Geschichten haben ein "Happy End" ! Aber der Weg dahin ist ja das Spannende, oder? :)

@Lothar
Und ich denke mal, dass bei dir die "gemischten Gefühle" vorherrschen werden. Obwohl Buddhist dürfte dir auch die hinduistische Gedankenwelt nicht unvertraut sein ... und davon wird noch deutlicher die Rede sein. Mach dich da auf Einiges gefasst ...

aber man wird sehen ... heute ist heute und morgen ist morgen!

Antwort geändert am 25.04.2020 um 11:15 Uhr
Dieter Wal (58) schrieb daraufhin am 25.04.20:
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 Bluebird äußerte darauf am 25.04.20:
Vielleicht ist aber auch noch interessant, wie es zu dieser Idee gekommen ist:   hier zu hören
Graeculus (76) ergänzte dazu am 25.04.20:
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 Bluebird meinte dazu am 25.04.20:
Graeculus,
dein Versuch da wieder etwas Wasser in den kredentzten Wein zu schütten in Ehren ... natürlich sind mir solche Geschichten nicht neu .... Augustinus wurde mit Briefen verzweifelter Christen überschüttet, die nicht verstanden, dass in den Stürmen der Völkerwanderung die Christen nicht ungeschoren blieben ... und er hatte darauf auch keine Antwort, außer der, dass man am Glauben festhalten solle, auch wenn man nicht mehr versteht, was da vor sich geht!

Daran festhalten kann man aber - vermutlich - nur, wenn man zuvor sehr starke Glaubenserfahrungen schon gemacht
hat .... im Übrigen geht es ja bislang erst einmal mehr um den Hinduismus, und da ist es schon interessant, darüber Einiges von einem ehemaligen Yogi zu erfahren. Für mich jedenfalls war es so ...

 LotharAtzert meinte dazu am 25.04.20:
Es liegt zum großen Teil auch an deiner Ausdrucksweise, die sogar Stimmiges verzerrt: Ein "ehemaliger" Yogi - hat der Meister eines Yogas denn seine Erfahrung zurückgegeben? Sicher nicht, er ist nur weiter gegangen und hat die Erfahrung ins neue System integriert. Bei dir hört sich das an, als hätte er seine abgetragenen Sakkos zur Altkleidersammlung gebracht, weil er jetzt Kashmirpullover trägt.

"und er hatte darauf auch keine Antwort, außer der, dass man am Glauben festhalten solle, auch wenn man nicht mehr versteht, was da vor sich geht!" - ein solcher Mann, egal wie er heißt und welchen Rang er einnimmt, ist untragbar, soll sich zurückziehen und meditieren, bis er versteht. Oder wenigsten schweigen!

Wenn ich den Schlüssel dafür habe, verstehe ich alle Religionen, was ja alles nur Ausübungsformen sind. Habe ich ihn nicht, sollte ich auch nicht diskutieren.

Wäre ich unter Hindus geboren, wäre ich beim Vedanta gelandet. Wäre es der Islam, so bieten die Sufis eine Alternative. Ist im Grunde dasselbe, wie Vajrayana. Du mußt mal die Systeme analysieren, nicht immer Gott Gott Gott.

 Regina meinte dazu am 25.04.20:
ja, Bluebi, sie haben sogar einen Kreuzzug gegen Andersgläubige Christen in Südfrankreich gemacht. Diese Ketzer waren tiefreligiös christlich, sie haben sie verfolgt und 1244 gab es einen großen Scheiterhaufen wo Männer, Frauen und Kinder verbrannt wurden. Die Katharersekte Ihrerseits hatte den Papst gelegentlich als Antichrist bezeichnet. In Okzitanien kann man noch besichtigen.

 Bluebird meinte dazu am 25.04.20:
@Lothar

Ich habe immer gesagt, dass nicht der Atheismus, die Wissenschaften oder die Philosophie die größte Herausforderung für den christlichen Glauben darstellen, sondern die nicht-christlichen mystischen und magischen Erfahrungen

Wenn der christliche Glaube hierfür keine plausible Erklärung findet, dann hat er seinen Anspruch auf die allein seligmachende Wahrheit verloren.
Dieser Herausforderung stelle ich mich aber durchaus, z.B. auch mit dieser Textserie ... und da stößt man durchaus auf Dinge, die auch mich in Erstaunen versetzen

Antwort geändert am 25.04.2020 um 17:03 Uhr

 Regina meinte dazu am 25.04.20:
Gespannt bin ich darauf, was du gegen den Hinduismus Auffahren wirst und da gibt es sicherlich einiges, aber im Christentum auch.
Graeculus (76) meinte dazu am 25.04.20:
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 Bluebird meinte dazu am 25.04.20:
Also ich erzähle hier erst einmal eine spannende, lehrreiche und auch durchaus unterhaltsame Geschichte ... Lesen und Schreiben sollte irgendwie auch Spass machen

Aber wie heisst es ja so schön auf der KV-Startseite:
Warnung! Lesen kann Dein Weltbild verändern!
... in diesem Sinne entscheidet natürlich jeder selber, inwieweit er oder sie sich in "Gefahr" begeben möchte! :)

 LotharAtzert meinte dazu am 25.04.20:
@ Graeculus
Das einzige, was ich glaube, ist, daß die Lehrer keinen Stuß erzählen, wenn sie sagen: wenn du das machst, kommt das als Ergebnis raus. Zum Beispiel: "wenn du den Atem beruhigst, senkst du den Herzschlag" etc.
Das ist leicht zu überprüfen. Nicht dadurch, daß ich zu einem Dritten, Arzt oder was immer, gehe und den frage: "Ist das auch wirklich so? Nein! - ich setz mich auf den eigenen Arsch, und mache es so, wie mir gesagt wurde. Dann passiert auch genau das - vorausgesetzt, ich verändere nichts willkürlich..
Das war jetzt ein ganz simples Beispiel. Die Lehrer sagen noch ganz andere Sachen, die ich jetzt hier nicht breit treten möchte. Aber sie (die Rimpoches, nicht unbedingt die Lamas) sagen immer das, was sie im Ergebnis selbst verwirklicht haben. Indem man weiter diesen Weg geht und Ergebnisse hat, wächst natürlich das Vertrauen, daß auch "verrücktere" Dinge Hand und Fuß haben. Zu glauben, wir, die Praktizierenden, wären nur vertrauensselige Deppen, ist einfach nur auf den eigenen Vorstellungen aufgebaut und entbehrt jeglicher Realität.

Antwort geändert am 25.04.2020 um 18:39 Uhr
Graeculus (76) meinte dazu am 25.04.20:
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Graeculus (76) meinte dazu am 25.04.20:
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 LotharAtzert meinte dazu am 25.04.20:
Für Hannas Aussagen bin ich nicht zuständig.

Erinnern ist gut. Das kleine, strohhalmgroße Loch, von dem du sprichst, das sich beim Nirmanakaya-Phowa zeigt, wurde bei mir nach vierzehn Tagen intensivem Retreat vom Lehrer festgestellt. Einen Fotobeweis habe ich leider nicht für dich.
Nicht im Tod entweicht die Seele, sondern das Bewußtsein tritt aus dem Körper aus, auch schon zu Lebenszeiten, wenn man will. Es sind aber (für Laien) komplizierte Vorgänge. Die werde ich "weiß Gott" nicht beim nihilistischen Ignoranten ausplaudern.

 LotharAtzert meinte dazu am 25.04.20:
Apropos: Wißt ihr eigentlich, warum ich unter euch zweien so gerne verweile?

- der eine ist nihilistischer Ignorant und der andere ist eternalistischer Ignorant. Ihr beide verkörpert das Duo, das der Buddha als extreme Haltung bezeichnete und verwarf.
"Die Achse des Bösen" hat es ein anderer genannt.

Und ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. So hört doch, wenn schon nicht auf meine Worte, wenigstens auf die vier edlen Wahrheiten..

sagt euer Ätzi
OM MANI PADME HUM

Antwort geändert am 25.04.2020 um 20:11 Uhr
Graeculus (76) meinte dazu am 26.04.20:
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 LotharAtzert meinte dazu am 26.04.20:
"Sie haben meinen Respekt. Aber die sehe ich hier weit und breit nicht. "
...solange du den Blick in den eigenen Spiegel vermeidest, wird sich daran auch nichts ändern. Du pickst dir einen Liebling heraus und schreibst über den. Das mache ich gelegntlich zwar auch, aber weit wichtiger ist doch die direkte Erfahrung mit erleuchteten Wesen. Es sind zweierlei Dinge, von ihnen zu lesen, hören, oder zu schreiben und ihnen Auge in Auge gegenüber zu stehen. Als Seine Heiligkeit d. 16 Karmapa mir erstmals in Kopenhagen gegenüber saß, tief in die Augen blickte und "Dharma very good" sagte, - diesen Blick, vor dem nichts verborgen blieb und mir die Tränen kamen vor soviel überwältigender Liebe, auf die ich nicht vorbereitet war - so etwas vergißt man nie wieder. Und die Worte hier geben es auch nicht wieder.
Aber gut ...
Dieter Wal (58) meinte dazu am 26.04.20:
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 Bluebird meinte dazu am 26.04.20:
Lieber Dieter,
sich auf Paulus zu berufen, ist sicherlich keine gute Idee von Dir. Denn gerade er hat wie kein zweiter diesen allein seligmachenden Glauben vertreten:
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden ist's eine Gotteskraft (1. Korinther 1.18).
Dir als ehemaligen Theologiestudenten sind natürlich auch der Römerbrief und dessen Aussagen bekannt. Es steht für mich vollkommen außer Frage, dass Paulus von dem einen Heilsweg ausgegangen ist und dies weltweit in freikirchlichen Gemeinschaften (ein paar hundert Millionen Mitglieder) auch so gelehrt wird.

Was die RKK angeht, so mag da gewisse "Aufweichungen" geben, aber ich glaube kaum, dass für sie viele Wege nach Rom ...eh, in den Himmel führen.

In diesem Sinne sehe ich mich "gezwungen", zwar a) klar Stellung zu beziehen, aber b) dies in einer Haltung der Demut ( angesichts geglaubter erhaltener Gnade ) zu tun ... dies ist nicht immer so einfach

Antwort geändert am 26.04.2020 um 19:49 Uhr
Dieter Wal (58) meinte dazu am 26.04.20:
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