Natürlich...

Innerer Monolog zum Thema Aufwachen

von  Mondscheinsonate

Natürlich, ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich den Typen nicht vermisse, jedoch geht das Leben weiter. Das Ganze war eine odiose Erfahrung, das muss ich schon sagen, nein, ich bereue nichts, aber ehrlich, das hätte ich mir wirklich sparen können. Seitdem traf ich nie wieder einen Mann, ich habe ein Trauma davongetragen.
Oft wütet man im Leben eines Anderen, ohne nachzudenken, ohne die Folgen zu bedenken. So war, vermutlich, das Schlimmste die Herzlosigkeit, die mir begegnete, aber eigentlich war mir das schon bekannt, ich hätte anders reagieren müssen, allein schon wegen meiner Mutter, die gleich war. So gibt es eine schon ältere Serie, die heißt "Being Erica", da wird die Protagonistin stetig in ihre eigene Vergangenheit zurückgeschickt, um einzelne Ereignisse, die sie für schrecklich hielt, wo sie meinte, nicht richtig reagiert zu haben, zu korrigieren und ich mag die Vorstellung davon, denn ich würde in gewissen Situationen heute, so wie ich jetzt bin, anders reagieren. Nun, genau Leid macht uns stärker und verändert uns, das Happy Life darf ruhig so bleiben, aber zurück zu dem Gedanken, so würde ich bei "Heil Hitler"-Späßen, die ich damals schon widerlich fand, meinen, da sei die Türe, er sollte nun schleunigst gehen, hier, bei mir ist eine hitlerfreie Zone, also den Primitivismus gebe ich mir sicher nicht oder bei Beschimpfungen sagen, da sei eine Wand, die darfst du beschimpfen, aber nicht mich, auch meinen, dass meine Tür jederzeit offen zum Gehen steht. So viel würde ich jetzt anders machen, raus aus der Opferrolle, aber ich denke, das Gute ist ja, der Lerneffekt war groß. In Zukunft ist es so, wer mich nicht lieben kann oder möchte, in dem Fall war es sogar das zweite, darf gehen, ich laufe um Liebe nicht mehr nach.
Das Witzige war ja, ich war ihm peinlich, weil ich schon älter bin und keine Drogen nehme, aber jetzt hat er ein hässliches Mannweib (ein Muskelprotz!), die wieder zu übertrieben ist und jeden liked, mit dem sie auf Drogenparties spricht, ein echtes "It"-Girl, gerade er, der das hasst, wenn jemand so aufdringlich ist und Sport ist überhaupt nicht seines. Aber, das "im Wald herumballern mit Gewehr" und das Erzblaue in der Gesinnung tut sicherlich wohl.
Er hat nie gecheckt, dass er ein Denker ist, dass er nicht Action braucht, um glücklich zu sein, sondern Worte, Sätze, Gedanken, Gespräche und Diskussionen. So wird er nicht glücklich, ganz und gar nicht. Das haben auch die Eltern nicht gecheckt, die einen Handwerker aus ihm machen wollten, er ist schlicht nur ein Denker und schon in der Kindheit wurde durch Ignoranz, wegen des Nicht-Nachdenkens über die Bedürfnisse des Kindes, Fehler begangen, die sein Leben kaputt machten. Ich habe 100mal gesagt: "Lern was!" und das, weil ich es erkannte, nur Bildung würde ihn glücklich machen, definitiv, aber aus Trotz gegen mich, hat er genau nichts getan. Tja, das ist seine Sache, wenn man nicht erkennt, was einem gut tut. Aber, ich sah, wie er die Zeilen aufsog, die ich lernen musste, jedes Buch schlug er auf und sah voll Sehnsucht darauf, wendete dann den Blick resigniert ab. Angst vor dem Versagen, das ganze Leben schon.

Wie auch immer, das war die schlimmste Zeit meines Lebens, muss ich leider so sagen, aber das danach war wichtig. Ich begann zu verarbeiten, aber hauptsächlich meine Schwachpunkte, denn es geht um meine Interaktion mit den Mitmenschen oder in Beziehungen, nicht darum, wer wie zu mir war und warum. Es ist doch so, wie man jemanden behandelt, das sagt viel über sich selbst aus.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (14.07.20)
odios - das musste ich erstmal nachschlagen...

Kannst Du "Being Erica" empfehlen?

 Mondscheinsonate meinte dazu am 14.07.20:
Siehst, jetzt lernst mal was von mir.
Ich bin nicht sicher, ob das nicht nur eine "Mädi"-Serie ist. Von der Psychologie/Philosophie her ist es sehr interessant. Schau mal rein, auf YouTube gibt es alle Staffeln auf Englisch.

Antwort geändert am 14.07.2020 um 16:28 Uhr

 eiskimo (14.07.20)
Deine Texte sind keine Schrift-Texte - es sind Mitschriften von Gesprochenem, von spontan Formuliertem. das mag ich, auch wenn es zuweilen etwas anstrengend zu lesen ist. Du schaffts eine große Nähe und Echtheit. Was Du erzählst, das lebt.
lG
Eiskimo

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 14.07.20:
Ganz lieben Dank. Ich erhebe keinen Anspruch auf Literatur, in der Tat, ich will nur erzählen . :)
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