Kein Katzentext, dazu bin ich nicht schrullig genug!

Innerer Monolog zum Thema Liebe, lieben

von  Mondscheinsonate

Nein, so schrullig bin ich noch nicht, dass ich einen Katzentext schreiben würde, aber ich muss doch bemerken, dass meine Katze, ich habe auch einen Kater, neben mir liegend, wirklich reizend ist. So holte ich sie vor drei Jahren aus dem Tierheim, man sagte mir, sie sei so zirka zwei Jahre alt. Ich habe lange mit mir selbst gerungen, dass ich eine zweite Katze hole, weil ich doch nur 50 Quadratmeter habe und ich das "Tiere horten" überhaupt nicht ausstehen kann, eine Bekannte hat neun Katzen und zwei Hunde in einem abbruchreifen Haus und der junge Hund hat einen psychischen Schaden, jedesmal, wenn sie das Haus verlässt, zerstört er ihr das Haus. So zeigte sie mir Fotos von einem herausgerissenen Boden, zerbissenen Polstermöbel, einem zerstörten Schrank, heruntergerissenen Vorhängen und zerbissenen Stromkabeln, eine Katastrophe, nun, ich enthalte mich gekonnt meiner persönlichen Meinung, gehe weiter in der Erzählung oder in dem Gedanken, der Momentaufnahme, wie man es auch sehen möchte, also, wie erwähnt, ich bin noch nicht schrullig genug für einen Katzentext, aber Mathilde, so taufte ich die Katze, ist eine schwarze, ganz dünn und zierlich und der Grund, warum ich Mathilde zu mir nahm, der war, weil ich bereits Emil hatte, der erst ein paar Monate alt war und derartig verspielt war (und ist!), dass ich nicht mehr mithalten konnte, überhaupt wegen des Studiums schon gar nicht, ich brauchte auch eine Auszeit, so holte ich Mathilde und die ist so klein und zierlich, dass sie in meiner Wohnung gar nicht, nämlich absolut nicht, auffällt. Hingegen der wuchtige Emil schon, der ist schließlich eine Britisch Kurzhaar, wuchtig, voluminös, kompakt - das sagt meine Schwester immer, mein Vater sagt, Emil sei fett, was ich gemein finde, der ist super, der Emil und herzensgut. Nun, die Katze dreht sich zu mir, ich pausiere stetig während ich schreibe, weil sie muss gestreichelt werden und das ist erst seit ein paar Wochen möglich, denn das Tier brauchte zwei Jahre (!), dass sie vertrauen fassen konnte. Manchmal möchte ich gar nicht wissen, was man Tieren angetan hat, ich blende da sofort das Strafrecht aus und sehe rot, das meine ich ernst, deshalb kann ich mir die stetig aufgedrängten Tierquälereifilmchen und Fotos in den Netzwerken gar nicht mehr ansehen, das ist zu unerträglich.
Mathilde ist nicht perfekt und das ist gut so. Wenn sie gerade steht, zeigen ihre Hinterbeine ein X, aber das haben ja auch manche Menschen und es stehen ihr immer Zähne heraus wie Grumpy, der leider schon verstorben ist, das ist lieb, erzeugt ein Draculaflair im Wohnzimmer. Wenn ich sie streichle, so wie jetzt und sie ist ganz entspannt, dann gehen ihre Krallen heraus und hinein, damit zeigt sie mir, dass sie sich wohlfühlt.
Mathilde ist mein Sorgenkind. Sie hat letztes Jahr jeden Tag in mein Bett gepinkelt, bis ich eine neue Matratze kaufen musste. Ich wusste nicht warum, es war mir ein Rätsel, aber der Grund war derselbe wie bei der Bekannten mit dem schrecklich gestörten Hund - sie hatte Verlassensängste, denn wenn ich im Garten saß, dann war sie auf der Fensterbank und sah mir durch das Fliegengitter stundenlang zu. Wenn ich wieder in die Wohnung ging, weinte sie bitterlich, begrüßte mich herzlichst, drehte sich um und lief ins Schlafzimmer und pinkelte, eine Strafe für das Frauli. Bei dem Wetter kann man nicht im Garten sitzen, außerdem muss ich, bevor ich hinaus gehe, sie intensiv liebhaben und streicheln, dann erlaubt sie, dass ich gehe und ich muss jedesmal, wenn sie am Fensterbrett sitzt mit ihr sprechen. Seit ich das weiß, ist Ruhe mit den Terrorakten ihrerseits.
Nein, ich würde niemals einen Katzentext schreiben, das überlasse ich den schrulligen, die vereinsamt sitzen und über ihre Katze nachdenken, während draußen das Leben pulsiert. Ein Nachtfalter schwirrt vor der Terrassentür, Emil glaubt, er ist in der Wohnung und prankelt auf die Scheibe, Mathilde ist zu neugierig und aufgestanden. Im Übrigen liebt Mathilde den Emil sehr, aber Emil die Mathilde nicht so wirklich. Zumindest zeigt er es nicht, dazu ist er viel zu sehr ein Machobub, natürlich der Mann im Haus und unterdrückt beide Weibchen, die er hat. Was er will, das ist Gesetz. Vielleicht hätte ich ihn Hammurabi taufen sollen. Nein, das ist kein Katzentext, das ist eine Abhandlung über die Beziehung Mensch zum Tier oder Tier zum Menschen, dass eben Katzen vorkommen, das ist ein reiner Zufall, schließlich haben sie längst den Hund als Lieblingshaustier überholt. Das muss man schon betonen, somit haben Katzentexte vielleicht doch eine Daseinsberechtigung, überhaupt, wenn man bedenkt, dass der Umgang mit der Katze der Wirtschaft Milliarden bringt. Mich machen sie glücklich, die Katzen meine ich.

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Kommentare zu diesem Text


 Ralf_Renkking (17.07.20)
Wieso machen Dich die Milliarden glücklich, die der Umgang mit der Katze der Wirtschaft bringt? 😂 Ciao, Frank

 Mondscheinsonate meinte dazu am 17.07.20:
Ein Zusatz folgte auf den Fuß. Danke.

 idioma (18.07.20)
Schrulligkeit "hortet" Katzen
und nennt sie im schlimmsten Fall
tatsächlich "Emil und Mathilde",
kreiert aber niemals Katzentexte !
Dieser "Katzentext" vom 17.07.
der gemäß x-maliger Versicherung
"wirklich kein Katzentext ist",
textet und kokettiert mit der Schrulligkeit
derart mondscheinsonor, dass ich hiermit
für jeden Monat einen Unkatzentext bestelle,
pünktlich zum 17. zwecks Vermeidung von
Entzugserscheinungen..............
idi

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 18.07.20:
Moi, lieb!

 TassoTuwas (18.07.20)
Aha, schrullig!
Da frag ich mich doch, nach dem wievielten Katzengedicht man schrullig wird, reichen da sieben und ist man dann normal schrullig oder schon voll schrullig?
Und das das sogar ohne Katze!
Ich glaub, das wars mit Katzengedichten, es gibt ja auch noch Fische, obwohl da lautet die Frage Fischgedichte oder Fischgerichte?
Freitag weis ich mehr
LG TT

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 18.07.20:
Hahaha! Ich bin gerne schrullig, wenn es um Katzen geht und ich liebe alles, was mit Katzen zu tun hat!

 Dieter_Rotmund (19.07.20)
Und es ist doch ein Katzentext.

 Access (20.07.20)
Ich finde den Text herrlich! hmmm....und das liegt nicht daran, dass ich selber drei kleine Kater-Kerle zu Hause habe... grüß den Emil und die Mathilde und gib ihnen einen Bussi! Und wie schön, dass du wieder hier schreibst!

 Mondscheinsonate äußerte darauf am 20.07.20:
Meine Liebe!❤
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