schlimm!

Monolog zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Es muss total schlimm sein, wenn man gar nicht mehr mithalten kann und dennoch überall mitmacht, das laugt fürchterlich aus. Man sieht es schon im Gesicht, Falten, die Augenlider hängen herab, zehn Jahre mehr in den Zügen als man alt ist und die Nasenränder sind rot vom Sniefen, weil man den Stoff braucht, damit man weitermachen kann. Bloß die Gefühle beiseite schieben und wenn man kurz erwacht, dann kommt der depressive Schub. Stets die Vergangenheit idealisieren, überhaupt niemals reflektieren, keinen Schlussstrich machen können, immer alles mitschleppen in den nächsten Schritt. Rückwärts gehen statt vorwärts, herumlaufen wie 17, aber der Kalender zeigt 2020, das ist lange her, dass man das Alter wirklich hatte. Party, Party, Party, niemals stehenbleiben, keine Ausbildung haben, auch das mit Drogen verdrängen, das stetige Versagen verdrängen, alles war ein reines Versagen, nichts hat man jemals geschafft, Hilfsarbeiterarbeiten, die Rente ist egal, man wird erben, darauf sich ausruhen, immer und ewig, zwischendurch eine ehemalige Geliebte ansehen, die ist längst weitergegangen, man interessiert sich nicht für sie, will sie nur ärgern, es ärgert sie nicht mehr, sie sagt nichts. Dennoch, diese war der einzige Ruhepunkt, bevor man sich komplett weggeschossen hat.
Alt aussehen, die "Szene" bestätigt wie gut man nicht aussieht, das sind keine Freunde, nur Tanzpartner und Bettgenossinnen, dabei sieht man verflucht krank aus, aber das wird ignoriert, weitermachen heißt die Devise, bloß nichts lernen, alle befreunden in den sozialen Netzwerken, die Szene muss sich vernetzen, man muss überall dabei sein, weil man kein Hobby hat, keine anderen Interessen mehr, keinen Sinn im Leben, nichts mehr geblieben, außer Hülle und das in Fülle, keiner fragt mehr, wie es einem geht, das ist egal, weitermachen im Rückwärtsgang, nicht stehenbleiben, sich für nichts anderes mehr interessieren als auf Drogen sein und laute Klänge.
Längst innerlich tot sein, auf das hat man schließlich jahrelang hingearbeitet.

Wie war das nochmals? "Mich soll der Blitz treffen!" - Im Dauertakt kam der Satz.
Und ich? Ich geh zur Staatsanwaltschaft. Deswegen. Strafrecht ist mein Schwerpunkt.

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Kommentare zu diesem Text


 LotharAtzert (11.08.20)
Verzeih, wenn ich den Titel abkupferte, aber die Erinnerung - danke dafür - war einfach zu mächtig. Habe deines gern gelesen.

Tashi delek
Lothar

 Mondscheinsonate meinte dazu am 11.08.20:
Gern! Doppelt!

 AchterZwerg (11.08.20)
...weil man kein Hobby hat, keine anderen Interessen mehr, keinen Sinn im Leben, nichts mehr geblieben, außer Hülle und das in Fülle, keiner fragt mehr, wie es einem geht, das ist egal, weitermachen im Rückwärtsgang, nicht stehenbleiben, sich für nichts anderes mehr interessieren ... [klammheimliche Entnahme]
Längst innerlich tot sein, auf das hat man schließlich jahrelang hingearbeitet.

Bei manchen klappt das ganz ohne Drogen. Beobachte ich zuweilen in nächster Nähe.
Ein persönliches Fegefeuer, aus dem es wohl kein Entrinnen gibt.
Ein Sartre-Stück.

Jedenfalls:
Super!

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 11.08.20:
Danke!!!
Tilia (70)
(16.08.20)
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 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 16.08.20:
Leider! Dank dir!
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