Scham- und Schuldkulturen

Politische Revue zum Thema Meinung/ Meinungsfreiheit

von  Terminator

Zu erwarten, dass Muslime das Recht auf freie Meinungsäußerung höher halten als den Schutz der Ehre des Propheten, zeugt von Realitätsverlust. Die islamischen Kulturen sind Schamkulturen, die westlichen Kulturen sind Schuldkulturen. Dass Muslime mit Gewalt auf Beleidigungen ihrer Religion reagieren, zeigt nicht eine vermeintlich barbarische Abwesenheit von Werten, sondern eine andere Wertehierarchie. Würde der Staat den postchristlichen Abendländern das Recht auf freie Meinungsäußerung verbieten, würden auch die Mutigeren aus unserer Mitte Terroranschläge begehen.

In Europa sind Muslime kulturell Gäste, auch die mit deutschen oder französischen Pässen. Es gibt keinen Kompromiss zwischen den Wertehierarchien von Scham- und Schuldkulturen, der Gast muss sich der Wertehierarchie des Gastgebers unterordnen. Die Leitkultur des Westens ist eine Schuldkultur, also müssen hier lebende Muslime akzeptieren, dass hier das Recht auf freie Meinungsäußerung höher steht als der Schutz religiöser Gefühle.

In eigener Sache: habe ich selbst, Sohn russlanddeutscher Einwanderer, nach deutsch-autochthoner Einordnung Russe, das Recht, die Ultradekadenz der deutschen Gesellschaft moralisch zu verurteilen? Aber selbstverständlich, denn ich verurteile nicht die deutsche Kultur, sondern den Verfall dieser Kultur. Die westliche Kultur achte ich sehr hoch, ihre Ultradekadenz bedaure ich zutiefst. Sind Einwanderer aus islamischen Ländern dennoch im Recht, nicht aufgrund der Höherwertigkeit, sondern aufgrund des Vitalwerts ihrer Kultur? Leider nein, denn auch die islamische Welt ist ultradekadent. Somit müssen Menschen aus ultradekadenten islamischen Kulturen die Wertehierarchie des ultradekadenten Westens respektieren, ansonsten verwirken sie moralisch ihr Aufenthaltsrecht in den Ländern des Westens.

Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (02.11.20)
Eine sehr anregende Betrachtung. Ich fürchte aber, dass es die meisten Muslime einen feuchten Kehricht scheren wird, ob sie ihr Aufenthaltsrecht in den Ländern des Westens moralisch verwirken.
LG
Ekki

 Thomas-Wiefelhaus (02.11.20)
Ich bezweifel die Theorie einer stricken Trennung von Scham- und Schuldkultur. Beides hängt zusammen.

Was ist z. B. Personen, denen gesagt wird sie sollten sich schämen, aber kein Schuldbewusstsein entwickeln?
Wo keine EINSICHT vorliegt, ist weder Schuld-, noch Schambewusstsein vorhanden. Sie ist die Grundlage.

Als Jugendlicher hatte leider einige Erfahrungen mit Erwachsenen, die sich zweifelsfrei am mir und anderen "Schuldig" gemacht haben. Die aber dabei weder Schuld- noch Schamgefühle zeigten, in aller Regel auch später nicht.
Meine Erfahrung: ein Großteil der Leute hat leider keine eigene Einsicht. Sie hören einfach auf das, was ihnen gesagt wird, hauptsächlich von Autoritäten. Was die Opfer sagen wird abgetan.
Es gibt also eine Kultur, der Befehlsempfänger und Obrigkeitshörigen und eine Gegenkultur der alles Bezweifelten.
Was ich mir dem gegenüber wünschen würde, sind eigenständiges Denken, Verständnis und Einsicht OHNE falsche Hörigkeit oder falschem Zweifel! Und bitteschön mit echten und zutreffenden, nicht mit fragwürdigen Scham- oder Schuldgefühlen.

Und besonders gut wäre es, kämen Einsichten kämen VOR den Taten, nicht, wie leider oft üblich, erst Jahrzehnte später. Motto: Was heute links und rechts passiert ist morgen schon wieder vollkommen verabscheuungswürdig. Auch, wenn alle mitmachen!

 Augustus (02.11.20)
Die Muslime können Ihre Religionsfreiheit in Deutschland gem. Artikel 4 Absatz 1 und 2 Grundgesetz ausüben. Unzweifelhaft ist der religiöse Glauben frei. Der Artikel 5 Grundgesetz erlaubt zwar die Meinungsfreiheit, allerdings schränkt er diese Freiheit gem. Artikel 5 Abs. 2 Grundgesetz.
Wenn also jemand vom Gebrauch seiner Meinungsfreiheit macht und die Religionsfreiheit eines Muslimen dadurch karikiert, kann Artikel 5 Abs. 2 Grundgesetz greifen, da sich der Muslime in seiner persönlichen Ehre verletzt fühlt. Dadurch erfährt die freie Meinungsäußerung eine Einschränkung, obwohl sie ursprünglich noch der vollen Freiheit unterlag, da die Religionsfreiheit iVm Artikel 5 Abs. 2 GG als lex spezialis den Lex generalis des Artikel 5 Abs. 1 GG vorgeht.
Nach Europarecht wäre in Frankreich genauso zu verfahren. Heimtückischer Mord gegenüber einem der im Unrecht ist, entschuldigt allerdings auch nicht denjenigen, der im Recht ist.

 Terminator meinte dazu am 02.11.20:
Interessanter Punkt: unsere Werte sind also noch gar nicht verrechtlicht. Laut Oswald Spengler kommt das erst im 22. Jahrhundert (doch laut Thilo Sarrazin werden wir uns da schon abgeschafft haben).

Antwort geändert am 02.11.2020 um 21:24 Uhr

 Regina (02.11.20)
Aufenthaltsrecht verwirkt man nicht, schon gleich nicht moralisch, es kann allenfalls widerrufen werden. Man ist auch nicht wegen "Vitalwert", "Ultradekadenz der eigenen Kultur" oder der einen oder anderen "Wertehierarchie" im Recht oder Unrecht. Das Aufnahmeland fordert lediglich die Einhaltung seiner Gesetze.
Vor allem in diesem letzten Absatz solltest du meiner Meinung umformulieren.

 Terminator antwortete darauf am 02.11.20:
Dass radikale Muslime sich nicht an unsere Gesetze halten können, war der Ausgangspunkt dieser philosophischen Betrachtung, für die die genannten Begriffe primär sind; wäre das hier eine Regierungserklärung, könnte ich lapidar sagen: Die müssen sich an unsere Gesetze halten!, ohne den Versuch, die Denkweise der Einwanderer aus islamischen Ländern sowie unsere eigene zu verstehen.

 AchterZwerg (03.11.20)
In Teilen stimme ich dir zu.
Ist es wirklich ein Vorrecht westlicher Gesellschaften, die Götter anderer Ethnien und deren Propheten zu verunglimpfen? Und ist dies tatsächlich erforderlich?
Eine gute Karikatur sollte aus meiner Sicht mit dem Finger auf Verhaltensweisen deuten, die unangemessen, witzig oder einfach nur blöd sind. Das reicht.
Gewalttaten will ich damit selbstverständlich nicht entschuldigen.
D i e gälte es zu karikieren ...

Gruß
der8.
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