TWD 7: Rick ist das Gefängnis

Parabelstück zum Thema Macht

von  Terminator

TWD S3 (better than I remember): Der Gamma-Alpha von Woodbury, der psychopathisch-charmante Governor, ist ein INTJ wie meine an Bescheidenheit nicht zu übertreffende Wenigkeit, und wäre eine interessante Identifikationsfigur gewesen, wenn nicht die frühen Andeutungen darauf, was für ein Geisterkranker er doch ist (die waren wohl für die dümmeren Zuschauer nötig, eine Konzession, die in den ersten zwei Staffeln noch nicht gemacht wurde). Nehmen wir den Governor, wie er nach der Logik der Serie (nicht in den Comics) hätte sein sollen: ein vernünftiger Mann, der in der postapokalyptischen Zombie-Welt eine Gemeinschaft aufgebaut hat und diese mit politischer Professionalität und Weisheit regiert. Zwei Konzessionen an die komplexitätsunverträglichen Zuschauer behalten wir bei, da sie die Logik der Serie nicht unterminieren: er hält seine kleine Tochter, die zum Beißer geworden ist, in seinem Haus versteckt, und hofft auf ihre Heilung durch seinen Gamma-Wissenschaftler Wieheißternochmal, und er erschießt mit seinen Männern die Soldaten, die lebend mehr für Woodbury hätten tun können als nur als tote Lieferanten von Fahrzeugen und Waffen.

Warum will der Governor keine starken Männer in seine Gemeinschaft lassen? Warum vertreibt Rick Tyreese und seine Leute aus dem Gefängnis? Warum ist Glen außer sich, obwohl Maggie nicht vergewaltigt wurde? Alle drei Männer haben große Gamma-Persönlichkeitsanteile und somit Probleme mit ihrer Männlichkeit. Zum Vergleich: der Arschloch-Sigma/Beta Merle hat keine Probleme mit seiner Männlichkeit, auch die sanften Riesen, beide Deltas, Oscar und Tyreese, nicht. Shane hatte sie nicht und der Beta/Sigma Daryl hat sie auch nicht. Omega-Persönlichkeitsanteile, die White Trash (das waren sie vor dem Weltuntergang) Merle und Daryl mit sich tragen, bedrohen nicht die Männlichkeit, Gamma-Eigenschaften schon.

Nachdem er seinen besten Freund Shane getötet hat, hat sich Rick von seiner Frau Lori emotional distanziert, da sie die Männer toxisch-weiblich aufeinander gehetzt hat. Rick ist seit Monaten neben sich, er funktioniert, kann aber nicht wieder der Mensch werden, der er war. Um wieder er selbst zu werden, lässt er seine Gruppe ein Gefängnis von Beißern säubern und sich dort einrichten. Nie wieder soll Ricks Psyche durch toxische Weiblichkeit manipuliert werden, dafür stehen die Stacheldrähte und Mauern des Gefängnisses. Als dieses scheinbar sicher ist, geht er wieder auf Lori zu. Doch Lori hat ihn wieder manipuliert: sie hat ihn "ermutigt",  überlebende Häftlinge zu töten; als einer von diesen ihm nach dem Leben trachtet, tötet Rick ihn sofort und lässt einen anderen den Beißern zum Futter. Doch der kann sich retten und löst einen Alarm aus, der noch mehr Zombies anlockt, die Gruppe trennt, und dadurch den Tod zweier Gruppenmitglieder, darunter auch Lori, verursacht.

Doch vorher hat Lori noch das Kind zur Welt gebracht. In diesem schutzbedürftigsten Moment im Leben seiner Frau kann Rick sie nicht beschützen, sein Sohn Carl, noch ein Kind, tötet seine Mutter, damit sie nicht zum Zombie wird. Und von hinten kommt unbemerkt die Gruppe um Tyreese ins Gefängnis hinein; diesen Eingang hätten der Governor und seine Leute ungehindert nehmen können. Sie hätten Ricks Gruppe überrascht und alle, oder zumindest Rick, getötet. Im Kern der Macho-Männlichkeit von Gamma-Alphas sitzt ein tiefes Gefühl der Wehrlosigkeit. Das Gefängnis, Ricks Psyche, führt ihm diese vor. Das Gefängnis spricht sogar mit Rick durch eingebildete Telefongespräche. Rick hat versagt, aber auch der Governor; beide sind als Alphas gescheitert, und zwar an sich selbst. Rick hätte eine andere Lösung mit den Häftlingen finden können, oder den den Beißern entgegengelaufenen jungen Mann zumindest selbst tötet müssen - no half measures (ein gewisser Sigma Mike belehrt einen gewissen Gamma Walt, der die Lektion aber nicht versteht) - , der Governor wäre mit den von ihm getöteten Soldaten für Ricks Gruppe unbesiegbar gewesen.

Gammas versagen als Alphas, weil sie ihren jungianischen Schatten nicht integrieren können, weil sie ihre Männlichkiet nicht unter Kontrolle haben, sondern ihre männliche Identität von weiblicher Wertschätzung abhängt. Glen ist noch jung und lernt seine Lektion. Der Governor oder Merle hätten Maggie vergewaltigen können und Glen wäre machtlos dagegen gewesen, das muss er verkraften. Und das schafft er. Siehe: es geht.

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