Lockdown

Innerer Monolog zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Ich, ja, heute fange ich mit ich an, obwohl das grundsätzlich ein beschissener Anfang ist, also nochmals, ich bin sauer, denn, wenn ich jetzt außer Haus muss, man und ja, ich schreibe man, erstens, weil ich Jura studiere und ein konditioniertes Wesen bin und zweitens, weil MAN nicht hinaus sollte, nur, wenn man, wieder das Wort, denn es ist ein Gesetz, zur Arbeit muss und wenn ich dann bei der Straßenbahnstation stehe, zusammen mit den Systemrelevanten und Bauarbeitern, wohlgemerkt den Unabkömmlichen, dann ist wieder diese Endzeitstimmung da wie im März und April, garantiert, das äußert sich durch das strenge Geradeaussehen und die bösen Gesichter, wenngleich, die sieht man, ja, man, weil auch dies Gesetz ist, nur halb.
Ich hasse diese Zeit, die schnürt die Kehle ein, auf den Straßen segelt nur ein einsames Taschentuch und verfängt sich in einem herbstlichen Blätterhaufen, noch schnell zusammengekehrt und beiseite geschoben für die Igel, diese Haufen sind überall, die Stadt ist igelfreundlich, das schon, aber zu dieser Zeit nicht menschenfreundlich.

Es wird vorgemacht, wir werden geschützt, dabei verbreitet sich das Virus schon rasant, fast alle, die ich kenne, haben es schon oder deren Verwandte und denen geht es, Gott sei Dank, gut, eine Durchseuchung wird passieren, ob wir wollen oder nicht, mich wird es genauso treffen, ich bin nicht im Dornröschenschlaf, sondern sehe der Realität ins Auge.
Und, wo ich gehen werde, da war und wird sein es besonders schlimm, da wohnen Menschen, die zunächst in Rudeln gingen, immer, dann in Rudeln mit Masken auf der Straße und dann nie wieder hinaus gingen, Heuchler eben, somit ist alles leer, Endzeitstimmung.
Und, überhaupt in Wien, wahrlich, haben wir genug davon, die letzten Wochen waren anstrengend, das Attentat traf fast jeden persönlich, wir sind ein Dorf, das war stets so und wird immer so bleiben und selbst auf Koh Samui traf ich den Nachbarn, na Bravo, das sagte ich.
Ich bin angefressen, wie wir so schön sagen, weil das ekelhaft ist, rauszugehen, ich möchte zuhause bleiben, weil mich das bedrückt, nicht das Virus, das kommt sowieso, sondern die Stimmung. Man, ja, mein Gesetz, möge mir also verzeihen, wenn ich sensibel bin, das bin eben ich.

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Kommentare zu diesem Text

Stelzie (55)
(17.11.20)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 17.11.20:
Ja, du bringst es auf den Punkt. Das Virus ist NICHT das Problem, langsam nicht mehr.
Liebe Grüße zurück!
Cori

 franky (17.11.20)
Hi liebe Cori

Dahast du deinen ganzen Unmut hineingepackt, sprichst bestimmt vielen aus der Seele.

Herzliche Morgengrüße von Franky

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 17.11.20:
Leider, mein Lieber.

 sandfarben (17.11.20)
Wir gehen gerade durch seltsame Zeiten. Lockdownzeit hatten wir schon im Frühjahr und trugen Masken und Angst in den Blicken. Langsam gewöhnt man sich daran, die Alten sterben aus. Es macht was mit uns, nicht nur, dass wir nicht raus dürfen, es macht was im Inneren.
Komme gut und gesund durch die Zeit, du Liebe.
christa

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 17.11.20:
Die wären sowieso ausgestorben, Süße. Ich bin da beinhart. Aber, die Jungen terrorisieren und alles Schöne wegnehmen, das ist Psycho. Distanzbussi!

 Palytarol (17.11.20)
... eine Durchseuchung wird passieren, ob wir wollen oder nicht, mich wird es genauso treffen, ich bin nicht im Dornröschenschlaf, sondern sehe der Realität ins Auge.

Naja, Wien kokettierte doch je und je lustvoll mit dem Tod.
Macht's das bei dieser Fallhöhe nicht vllt leichter dortens oder ist das Suhlen kulturepidemisch und heillos?

 Mondscheinsonate äußerte darauf am 17.11.20:
Da fällt sogar uns WienerInnen nichts mehr ein.

 BeBa (01.12.20)
Sehr persönlich, sehr packend und düster.

Man muss darüber reden, sich aussprechen ... und zuhören.

Ja, diese Zeit macht etwas mit uns. Nicht mit allen, aber mit vielen.

LG
BeBa
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