Fuck
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Sieger

Kurzprosa zum Thema Schule/ Studium

von  Terminator

Victor hatte in jedem Fach eine Eins, außer in Musik, da hatte er eine Eins Plus. Mit diesem Abitur konnte er sich an jeder Uni bewerben. Ein stiller Mittag, der letzte Schultag ging gerade zu Ende. Victor hatte bereits eine Zivildienststelle bei einem Naturschutzverein auf einer Insel gefunden, ein interessanter und durchaus romantischer Ort. Im Sommer aber wollte er endlich nach Australien fliegen, das wünschte er sich, seit er fünf war. Victor trank auf dem Heimweg noch einen Pfefferminztee in einer Imbissbude am Ende der Straße. Dann bog er ab, aber in die andere Richtung, anstatt nach Hause, wo seine Eltern bereits ein Festmahl vorbereitet hatten. Die ganze Verwandtschaft war eingeladen, und alle so stolz auf Victor.

Nach einer Viertelstunde war Victor am Fluss, er wollte ein Wenig allein sein, mit sich selbst und seinen Gedanken, vielleicht etwas hinauszögern, vielleicht nur selbst seinen Erfolg genießen, bevor er ihn mit so vielen Leuten teilen musste. Erster in der Schulmeisterschaft in Leichtathletik, großer Soloauftritt mit der Geige im Stadttheater zwei Wochen zuvor. Ja, Victor hatte in der Tat etwas zu feiern. Darüber hinaus war er seit einem Jahr Mitglied in einem Schützenverein, wo er im Frühling einen Wettbewerb gewann, und das Preisgeld der lokalen Krebshilfe spendete. Victor schaute sich lächelnd die Zeugnisse an, die Fotos vom Abschlussball, auf den er gestern mit dem schönsten Mädchen des Jahrgangs gegangen war. Victor seufzte und machte sich endlich auf den Weg.

Er fuhr langsam, doch nach einer halben Stunde war er da. Kurz vor dem Haus seiner Eltern beschleunigte er, warf nur die Schultasche in den Hof, und fuhr auf einen bewaldeten Hügel. Dort griff er in seine Hosentasche nach einer Kleinpistole, die mit nur einer Kugel geladen war. Er schaute die Wolkenfiguren am Himmel an, blickte auf seine Schulzeit zurück, lächelte, sagte ohne jeden sarkastischen Unterton: "Danke für alles!" und schoss sich in den Kopf.


Anmerkung von Terminator:

2012.

Großer Schulbuchpreis der Black Pill Community.

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Kommentare zu diesem Text


 Augustus (20.11.20)
Nun, diese Erzählung spiegelt nicht die Realität. Denn das gelobt werden wollen gehört zum ureigensten Wunsch Akzeptanz und Anerkennung zu genießen. Eine Erkenntnis aus diesen Elementen der ureigensten Wünsche heraus zu filtern, die darin liegt, dass selbst diese Elemente gleich einer Software automatisch abgespielt werden, an der sich der Erkenntnisgeist verfängt und deshalb genießt - ja, er wird gar gezwungen zu genießen -, bedarf dieser Erkenntnis, um endlich getrennt von der Software diese betrachtend, der höchsten Reflexion und Objektivierung zu obliegen. Ich halte das für wenig realistisch. Dagegen halte ich es für realistischer, dass der Erkenntnisgeist sich wie ein Spule in der Software verfängt und nicht wegkann, und während andere Programme diese Software umzuprogrammieren trachten, in ihrem Sinne, der Erkenntnisgeist samt Software kollabieren, wenn sich kein Erfolg bei einer optimallaufenden Software einstellt.

Praktisches Bespiel: Eltern verlangen zu viel von ihren Kindern. Einer der Kinder begeht durch den Elterndruck den Freitod.

Ave

 Terminator meinte dazu am 20.11.20:
Die Black Pill soll auch nicht die Realität widerspiegeln, sondern mit absolutem Wahrheitsanspruch zeigen, wie sinnlos selbst das beste Leben ist. Die billige Black Pill erwirbt man in der Incel-Community, die Black Pill in bester Qualität verkauft der Antinatalismus. Das über 1000-seitige Ebook "Ever Deeper Honesty" ist die schwärzeste Pill, die ich bisher kostete, und ist als PDF googelbar.

In der Realität wäre der hochbegabte und wahrscheinlich herkünftlich privilegierte Alpha-Victor nie zum Selbstkopfschützen geworden aus der Einsicht, dass die Schuljahre die besten Jahre des Lebens gewesen sein werden. Er hätte sicherlich einen Augenblick darüber nachgedacht und sich dann weiter feiern lassen.
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