Nihiladen

Hörspiel zum Thema Stimmung

von  Terminator

Ist, war alles umsonst? Nein, im Nihiladen kostet so ein Nihileben 60000 Nihi, mindestens. Bin ich also noch was schuldig geblieben? Der Tod ist wie ein Universitätsabschluss: beides möglichst schuldenfrei erreichen, sonst droht Stress. Ich hätte es getan, nicht aus Verzweiflung, aus Bequemlichkeit. Das Leben ist nicht bitter oder sauer, es ist nur anstrengend, insbesondere wenn man ohne Arbeit nicht leben kann und sich in dieser hohe Ziele setzt. Warum eigentlich? Um nicht zu fragen, was sonst. Ich bin sehr müde heute Abend, ich sollte mich ins Bett legen und umbringen. Aber werden mir die 60000 Nihi erlassen? Oder bin ich sie gar nicht schuldig, sondern sie sind sich mir schuldig? Und wenn ich sterbe - wer wird Nihiversum weiterschreiben? An wen wird Natalie Portman in ihren schärfsten Stunden denken? Wer wird aus meinem Fenster gucken können, ohne nicht ich sein zu müssen? Es macht Spaß, das alte Geile. Tot würde es mir fehlen. Der da mit dem Doktortitel winkt, guck: Hurer, die, die Friedrichsfelde Ost ein- und Friedrichstraße aussteigt: Hure, und es, das Leben? Ein Hurum ist es, macht sein Fürsichsein ansicher als Sartre es je besch: reiben, ämen, eißen könnte. Es kann sich zum Molekül machen, zum reinen Soistes, zu keinem Sowillich. Es lässt dich allein in der düsteren Stunde sinnloser Erektion, und du gehst hinaus und siehst Preisschilder an Worten, Taten und Gefühlen kleben. Ein geiler Nihiladen, dennoch, aber: zweite Kasse bitte besetzen! Die Schlange reicht bis ins Zutritt für Unbefugte verboten hinein.


Anmerkung von Terminator:

2011

2014 Vorletzter Platz in der Kategorie "Bestes ausländisches Hörspiel" im Ausland.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter Wal (11.12.20)
Voller erfreulicher Wortspiele. Mit Esprit, Schwung und Munterkeit. Witz und Nihilismus zugleich, Eros mit Erosthanatos.

Tipp: siehe Privatkommentar.

Kommentar geändert am 11.12.2020 um 07:41 Uhr

 Terminator meinte dazu am 11.12.20:
Ziele bezogen sich direkt auf Arbeit; nicht Ziele an sich. Das war ein neoliberaler leistungsverherrlichender Text.
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