Das kleine Glück

Innerer Monolog zum Thema Abrechnung

von  Mondscheinsonate

Die 68er-Generation verpönte das kleine Glück, strebte stets nach dem großen Ganzen, dabei hat es sie nur unzufrieden gemacht. Heute sind viele die fetten Generaldirektoren und beuten die Kleinen aus. Egal, ich hole mir nun täglich das kleine Glück, sei es eine heiße Tasse Tee nach einem eisigen Spaziergang und ein gutes Buch oder ein neues Gericht, das ich in Ruhe koche, das macht innerlich zufrieden und ruhig. Das Hoch kann schnell ins Tief gehen, wie am Berg, der Gipfel ist nicht immer das Beste. Rundum Unglück, dazu noch Bevormundungen bis in den intimsten Lebensbereich, nun auch ein Eingriff in die körperliche Integrität des Menschen, in Österreich § 83 Abs 1 StGB, Körperverletzung, wehren zwecklos, will man sich frei bewegen. Der Mensch mutierte zur Schleuder, zur Virenschleuder, das Individuum ausradiert. So warf jemand vor, ich benütze das Wort "man", das sei unpersönlich, doch, was ist noch persönlich, was ist noch eine freie Entscheidung? Das kleine Glück, die Nicht-Beschallung von Permanentänderungen, das depressive Gerede, das in Aggressionen umschlug, das Denunziantentum und, wenn oder falls Corona vorbei ist, dann findet man neue Miasmen und klebt die Botschaften auf virtuelle Litfasssäulen, das lenkt wunderbar ab von der Nichtarbeit der Bundesregierung bei wichtigen Themen, wir, ja, Österreicher, haben sowieso den Messias, der sich in der Stadthalle segnen ließ und neuerdings im Parlament beten ließ.

Das kleine Glück ist das Schnurren einer Katze, das Aufblühen der längst aufgegebenen Orchidee, eine neue Hautcreme, die schön einzieht, Omas Wolldecke, die bereits kratzig ist, aber an Kindheit erinnert, so viel. Kleinigkeiten, vorallem das Vermeiden der Dauerpropaganda.

Kommentare zu diesem Text

blackdove (37)
(13.01.21)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 14.01.21:
Nun, Klausurenphase und das Leben funkten dazwischen. Dank dir und ja, das stimmt, man muss aufmerksam sein.

 Jedermann antwortete darauf am 14.01.21:
Genau! Ein neuer Text, emotional dicht gepackt, der genau dehalb Raum für Kommentare bietet. :)
Ich denke, der Rückzug ins kleine Glück, in einer Zeit in der uns die Eliten zeigen, dass wir Dreck für sie sind, in der sich Begriffe wie Individualität und Eigenverantwortung als hohle Phrasen herausstellen, ist zwingend notwendig um nicht zu verzweifeln.
Brutal bewusst wird mir das Statement Lenins: "Freiheit ist eine bürgerliche Illusion!"

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 14.01.21:
Das ist mir auch erst jetzt bewusst geworden, dass wir es uns einfach schön machen müssen, ist fast schon eine Pflicht, sonst geht man kaputt. Statt zu jammern, über Maßnahmen, kocht man sich etwas Schönes, kuschelt mit der Katze und v.m.Bringt sowieso nichts. Überhaupt, wenn einem Leid erfuhr, das Leben geht weiter, Kleinigkeiten erfreuen.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram