Gedanken

Innerer Monolog zum Thema Abhängigkeit

von  Mondscheinsonate

Grundsätzlich hasse ich es, wenn mich fremde Menschen verfolgen. Manche kannten nur meinen Kurznamen, ja, die Kurzform und suchten mich im Facebook, schrieben mich an, richtig gruselig, die sperrte ich sofort. Einige sperrte ich auf dem Datingportal und dann meldeten sie sich täglich (!) neu an, um mich auch täglich (!) zu belästigen. Wie krank muss man im Kopf sein. B. traute sich nicht mehr, mich anzuschreiben, er schickte Botschaften auf seiner Seite und ich sah mir das an, weil ich der neugierigste Mensch auf diesem Planeten bin, aber, ich sehe mir nichts mehr an, alles weg, ausradiert, eliminiert. Ich muss meinen Kopf mit neuen Sachen füllen, blätterte sogar im Landwirtschaftsmagazin und fand einen Artikel über Mähdrescher, die jetzt neu mit Sensoren ausgestattet werden, sodass der Landwirt Rehkitze erkennen kann. Großartig und das beschäftigt mich seit Stunden, weil der Gedanke, dass Rehkitze gerettet werden würden, würde man das zur Pflicht machen, entzückt mich doch sehr. Man könnte doch ältere Modelle aufrüsten. Und, so dachte ich darüber nach, weil das erbaulicher ist als über sinnlose Menschen nachzudenken.
Aber, so ein Rehkitz ist schon süß und da erzählte mir Denise, dass die Feldhasenpopulation wieder in St.Pölten gestiegen ist, eine zeitlang sah es schlimm aus um die Hasen, aber, die Population hat sich erholt. Ich sagte: "Ich liebe Feldhasen." Sie sagte: "Ich auch."
Ich hatte immer Meerschweinchen und Katzen sowie einen Hund, aber ich bin gegen das Heu allergisch, sonst hätte ich vermutlich wieder Meerschweinchen, ich mag die. Außerdem denke ich, dass meine Mathilde und Emil etwas dagegen hätten, wenn plötzlich eine kleine Meersau über den Boden laufen würde.
Meine Güte, die Tiere gaben mir als ich ein Kind war großen Halt. Ohne Tiere könnte ich nicht leben. Um Gottes Willen, die böse Susi von der Oma! Siam, Hurra! Kratzte jeden und mich hasste sie sowieso, weil ich immer "Katzi!" schrie und sie an mich drücken wollte. Sie stellte sogleich das Fell auf und machte einen Buckel, pfauchte. Ich war stets blutig von oben bis unten, aber die Großmutter schimpfte mit mir "Lass das Katzenvieh in Ruh', du deppertes Kind!" So war das. Aber, Susi kratzte alle, bis auf meine Großmutter, die himmelten sich beide an und Susi, mit ihren strahlend blauen Augen war in ihrer Liebe zur Großmutter wunderschön, aber nur da, sonst sahen wir sie pfauchen. Natürlich war die Katze für die Frau Doktor, wohl, die Frau vom Doktor, ein Statussymbol, so wie der fette Mercedes vor der Türe. Im Haus, also in der Pension, als wir umzogen, gab es nur noch Hauskatzen, da musste sie nicht mehr mit Statussymbolen herumprotzen und alle Kater hießen Schnurrli und die Katzen Peggy, eine hieß Tinka und die Tinka war wunderschön, eine Russisch Blau, aber die gehörte dem Herrn Reifböck, aber eigentlich mir und in Wahrheit gleich nach dem Kauf der Großmutter, weil sie den Kater immer heimlich fütterte, sodass er nur bei uns war. Eine Palette Gourmet Gold, damals wusste man es nicht besser, das war teuer. Meine Katzen bekommen Spezialfutter, der Emil hat eine Allergie. Da kostet ein Sackerl zwei Euro. Nachdenken darf man nicht darüber, aber was soll's, Frauli hat schließlich heute einen Bausparvertrag herausbekommen, Frauli hat sowieso Geld und deshalb kann man ruhig zwei Bissen essen und nach Neuem betteln, weil das alte Futter sieht man nicht mehr an. Zu Tinka sei noch gesagt, dass ich diesen Kater liebte, es war ein er, trotz des Namens, keine Ahnung wieso, ich fand den wunderschön und daher habe ich seitdem fast nur graue Katzen gehabt, bis auf Mathilde, die ist schwarz, aber, zurück zu den Kitzen, die sind ja extrem süß, Bambi, den Film habe ich mir nie angesehen, weil mir meine Schwester erzählte, dass die Mutter stirbt und da verweigerte ich bis heute, weil ich sowas nicht ertrage, mir reichte König der Löwen.
So viele Gedanken, die tausend Mal besser sind, vielleicht trivial, aber irgendwie besser. Alles ist besser. Ich warte immer, dass ich schon schlafen gehen kann, dann träume ich. Victor Hugo sagte: "Denken ist die Arbeit des Intellekts, Träumen sein Vergnügen."
Das Umprogrammieren ist mühsam.

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Kommentare zu diesem Text


 eiskimo (28.01.21)
Toll, wie Du Deinen Kopf mit neuen Sachen füllst. Die Erinnerungen, die Du wachrufst, sind wunderbar! Was für ein Kontrast zu Facebook!
LG
Eiskimo

 Mondscheinsonate meinte dazu am 28.01.21:
Na ja, die verpflichtende Aufrüstung wäre schon eine feine Sache. Dank dir. Ich gebe mein Bestes.
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