Beinahe 365

Innerer Monolog zum Thema Abrechnung

von  Mondscheinsonate

Seit fast einem Jahr reden uns irgendwelche Oberhäupter ein, dass wir Menschen, jeder einzelne von uns, nichts anderes sind als Virenschleudern, Überträger, das Böse und viele ertrugen das nicht und beendeten das Spektakel auf ihre Art und Weise, völlig unchristlich, kein Amen danach. Aber, das ist ein Tabuthema und während die Coronazahlen brav veröffentlicht werden, man glaubt sie schließlich, werden Selbstmordzahlen tunlichst verschwiegen, wohl die Rechtsanwaltskammer veröffentlichte das Ansteigen der Scheidungsrate. Ja, ja, die ist um über vier Prozent bei mir zulande gestiegen, das klingt beruhigend, weil nicht viel, meint der Laie, von den Schlichtungsstellen redet noch keiner und die häusliche Gewaltstatistik wird auch interessant, kommt noch.
Die Trennungen stiegen, weil bewusst wurde, dass die Beziehung nur von außen zusammengehalten wird, Bespaßung von Fremden, Party, Party, Party und plötzlicher Stillstand, Netflix sei keinem Dank geschuldet, irgendwann war man dann auch da durch. Homeoffice zum Verrücktwerden, Bestellungen bei Amazon, der Inhalt: ein neuer Pyjama, Freude kam auf. Heimliche Chats auf den Toiletten, mit Wildfremden.
Die Videokonferenzen mit der Psychotherapeutin kosteten gleichviel als eine face-to-face-Konsulation, brachte nichts gegen die Einsamkeit, der Geruch des Gegenübers fehlte, die Chemie.

Manche wanderten noch um zwei Uhr Früh zur Tanke, holten sich ein paar Bier, Trostspender. Eine große Brauerei vermeldete, trotz Wegfall der Gastronomie, Gewinne, ein Steigen des Drogenkonsums. Ist es zu verübeln?
Kein Nachdenken in der auferlegten Kontemplation, stattdessen elende Langeweile. Wenig Selbsterkenntnis, kein Lachen, keine Freude, kein Lebenswille, keine Stärke - Hoppala, wie kann das behauptet werden? Nun, wäre es anders, würde niemand unflätig werden, null Resilienz, zumindest bei vielen.
Das wollten sie, die großen Herrschaften jener Staaten, die auf dem Geoid zuhause sind - Angst verbreiten, das macht gefügig  es ist nun wirklich wichtig, das Virus tötet, anders geht es schließlich nicht. Das manche gar nichts haben, wird gefließentlich unter den Tisch gewischt und die vierte Macht im Staat, die Medien, spalteten brav die Gesellschaft in Gut und Böse, bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt! Ja, man kann auch ohne Waffen töten, vorallem Meinungen, selbstständiges Denken einstampfen in den glühenden Erdboden.
So schrieb ein junger Mann über Berlindemos: "Werft Handgranaten, schießt scharf in die Menge, die gehören alle vergast!" Das war der große Held, aber zeigte, was mit vielen passierte, LeBon hatte recht, in der "Psychologie der Massen", die Masse denkt nicht. Nicht einmal im Ansatz.
Oh ja, das Virus ist grausam, keine Frage, aber die Folgen werden uns noch länger beschäftigen, viel länger als die Erkrankung. "Wähle die Worte mit Bedacht!", sagte mein Lateinlehrer.

Heute habe ich gelacht, viel gelacht, das erste Mal seit fast 365 Tagen und das tat gut. Es war fast schön. Kurzzeitig.

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