Lieb

Erzählung zum Thema Abrechnung

von  Mondscheinsonate

Natürlich habe ich mich geärgert und ärgere mich noch, dass jemand eine Person als "lieb", ja, sogar den liebsten Menschen, der jemals im Leben war, tituliert, obwohl dieser Mensch noch tiefer in die Sucht getrieben hat, zu Covidzeiten auf ein Festival drängte, wo es nachweislich Covidfälle gab, einen Alkoholiker von Party zu Party schleppte, zu einem Motorrad animierte, obwohl die Sucht offensichtlich ist, sich selbst nicht mehr im Griff hat, alles hinschmiss für eine Szene, die grenzwertig ist und Dinge angibt, um den Schein zu wahren, die gesetzlich gar nicht mehr gegeben sind, so etwas war mir zu hoch. Wirklich, dass man Oberflächlichkeit bejubelt und auch noch Liebe nennt, allerdings von der ersten Sekunde an betrügt, weil alles im Grunde widerwärtig ist.
Aber, dann überlegte ich, dass natürlich Menschen lieb erscheinen, die genau gleich sind wie man selbst. Die einem keinen Spiegel vor die Nase setzen und meinen: "Da! Sieh dich an, wie tief unten du bist!" Menschen toll sind, die das Gleiche tun wollen, nicht ändern möchten, in dem Fall genauso tief am Boden liegen, da muss man sich nicht ändern, da kann man gleich bleiben, da gibt es kein Wachstum, nur Stillstand und, wenn man das will, ist das ganz toll.

Natürlich, die Personen, die einem alles taten und stets halfen, ignoriert man, wenn es für selbstverständlich gehalten wird, besonders als verwöhnter Fratz, der von klein auf alles bekam. Menschen, die einen Job verschafften, damit man es besser im Leben hat, sind nichts wert, denn schließlich kennt man das Wort "Dankbarkeit" nicht, auch sind die Menschen nichts wert, bei denen man mit fast 40 noch wohnen darf, ohne großartig etwas bezahlen zu müssen, über die wird geschimpft, was das Zeug hält, ganz wichtig, das täglich. Und, dass man mit fast 40 die Unterwäsche bezahlt bekommt, ist auch selbstredend.

Schämen? I wo! Auf was hinauf! Wichtig sind nur die, die runterziehen, denn unten ist es am Schönsten, sich richtig schön im Dreck wälzen, zu zweit ist das am Schönsten. Schule oder Ausbildung? Wozu? Und, wenn man ins Gefängnis kommt, ist immerhin noch genug Geld von der Mutti da. Ein Erwachsenwerden ist also nicht notwendig, die Vergangenheit loslassen auch nicht, die war schließlich so schön und seit 10 Jahren dieselben Phrasen dreschen ist toll, schließlich gibt es immer neue Kreaturen, die es noch hören wollen.
Populismus ist überhaupt das Beste, besonders zu zweit, da können sich reiche Menschen über den Ausländerhass ergötzen und Hitler verehren. Klingt ziemlich vollidiotenmässig, das schon. Das macht die Bildungslosigkeit, gepaart mit Alkohol und Drogen.
Nun, so überlegt, wahrlich, kann ich froh sein, nicht als "lieb" empfunden worden zu sein, von einem unreifen Kind, das nur hintritt, aber niemals einstecken kann. Ich bin froh, nicht geliebt worden zu sein, von jemanden, der Liebe nur als reinen Betrug begreift und es nicht einmal schafft, Begrifflichkeiten richtig zuorden zu können.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (19.02.21)
Das ist mir zu unkonkret.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 19.02.21:
Mir auch.
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