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Innerer Monolog zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Nichts hasse ich mehr, als wenn man mich verfolgt, mir nachsteigt, wie man in Wien so treffend sagt, nicht kapiert, dass man ekelhaft gefunden wird, ja, sogar als unnötig gedacht wird. So habe ich das immer wieder im Leben, jetzt gerade auch, irgendwelche Typen, die unerträglich sind, aber damals hatte ich den Superstalker in der Firma. Der stand sogar vor meinem Haus, bis ich zur Polizei gehen musste, zum Chef und es meinem Lebensgefährten sagte. Da gab es dann eine richterliche Wegweisung, Kündigung und ein paar Stunden Therapie. Seitdem hasse ich solche Leute, kranke Männer, die mich stalken, nicht kapieren, dass ich sie nicht ertrage. Da war ich 30. Zu meinem 40sten Geburtstag bekam ich eine Nachricht von dem Psychophaten, das bedeutete, dass er mich 10 Jahre lang beobachtet hatte über Facebook. Ich sperrte den sofort, der Tag war gelaufen, ich zitterte am ganzen Körper, konnte mich kaum beruhigen. Überall, wo ich war, war der Typ. Sogar beim Einkaufen. Ich schwieg viel zu lange, sagte nichts zu meinem Partner. Ich wusste, er würde ihm die Fresse einschlagen. Das wollte ich nicht, ich wollte schon, dass er ihn verprügelt, aber dachte an die Folgen. Deshalb schwieg ich tunlichst. In der Arbeit ging er 50-mal am Tag an mir vorbei, jede Woche bekam ich Rosen, wir hatten eine Glasfassade, da saß er, so oft es ging draußen und starrte mich von außen an. Eine Mischung aus abgrundtiefen Hass und Angst vermischte sich, ich wurde unkonzentriert und machte Fehler.
Bis es zum Eklat kam, als er vor meinem Haus stand, da sagte ich es meinem Partner, der rausging und ihm derart die Fresse polierte, dass die Polizei kam. Nachbarn riefen sie an. Ich machte eine Anzeige wegen permanentem Stalkens, er wagte keinen zivilrechtlichen Schritt gegen meinen Partner. Mein Chef meinte, ich hätte sofort kommen sollen, nicht monatelang warten! Er wurde gekündigt, Gründe gibt es immer. Auch dagegen ging er nicht vor.
Zehn Jahre später die Nachricht und ich sperrte ihn sofort, bin aber sicher, dass er noch irgendwo in seinem Wahn schwirrt, der Gedanke ist unerträglich.
Und, daher hasse ich es, wenn man glaubt, nur weil man drei Worte spricht, dass man gemocht wird, ja, ein Lebensmensch ist und sich überall hinschmeißt, wo der vermeintliche Lebensmensch ist. Ich drehe bei sowas komplett durch, das raubt mir den Atem und jetzt habe ich niemanden, der mich beschützen könnte.
Aber, ich appeliere an die Vernunft, falls eine da ist. Wenn ich jemanden strikt ignoriere, dann mag ich ihn nicht.
Etwas Anderes war bei B., den mag ich, sonst würde ich mich nicht so aufregen, aber, er ist eben krank, was schlimm ist, weil er es selbst nicht sieht, das störte mich nicht, dass er mich permanent ansah, aber fremde Menschen, das ertrage ich nicht, das finde ich ganz schlimm. Menschen, die sich verbeißen in jemanden.

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Kommentare zu diesem Text


 DanceWith1Life (23.02.21)
Nur wer das kennt, versteht die Aufregung. Zum Glück hat sich da einiges getan. Ob autobio oder erfunden, spielt bei diesem Text eigentlich keine Rolle. Realistisch beschrieben, wenn auch viel weggelassen, verständlicher weise, aber dieser Konflikt hat eine verdammt subtile Komponente, die man nach Jahren überhaupt erst zuordnen kann.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 23.02.21:
Furchtbar ist das. Das greift extrem ins Leben ein.

 DanceWith1Life antwortete darauf am 23.02.21:
Absolut
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