Spaziergang

Erzählung zum Thema Heimweg/ Heimkehr

von  Mondscheinsonate

Leichtigkeit im Herzen wie schon lange nicht mehr. Die blaue Stunde mutet sich wunderbar an. Es ist, für die Jahreszeit sehr lind. Die Menschen flanieren durch die Gassen, kurze Zeit coronavergessen. Das ist mein Zuhause, das ist es noch immer. Im ganzen Viertel ist der Strom, als Paranthese sei gesagt, auf der Straße, die Straßenbeleuchtung, ausgefallen, man tappt im Dunklen. Ich summe vor mich hin, nur hier fühle ich mich geborgen. Blicke nach oben, das Zinshaus gehört einer verflossenen Liebe. Ganz oben sind die Lichter in der Küche erleuchtet, da saßen wir damals und tranken Kaffee, gedankenverloren, müde vom Vortag.
Ich lächle, schwebe fast, da bin ich tatsächlich geborgen. Mein Schritt verlangsamt sich, ich möchte im Moment bleiben. Da gibt es keinen Bernhard oder Ex-Lebensgefährten, da gibt es Leichtigkeit. Nur die Mutter war grausam, der Rest war pure Liebe von allen Seiten. Ich wurde immer geliebt. Erst Draußen kam die Lieblosigkeit, die Grausamkeit mit jenen, mit denen ich mich einließ, selber Schuld, mache ich nie wieder.
Ein Bein auf das Andere, langsam, der wunderbare Augenblick will noch nicht enden, nicht durchschritten werden.
Vorher durch die Hofburg gewandert, im Museum gewesen. Immer gehen, das Gehen ändert Gedanken. Nur das Verharren bringt Unglück.
Die Feuerwehr biegt ein, bleibt vor einem Haus stehen, es brennt aber nicht. Männer steigen aus und beraten sich vor einem Hauseingang, dann gehen sie hinein. Es ist noch immer dunkel. Ich möchte tanzen, drehe mich vergnügt im Kreis. So leicht fühlte ich mich schon lange nicht mehr, weit weg vom Unglück. Nächste Woche beginnt das schwerste Semester, ich genieße noch die letzten vier Tage.
Am Heldenplatz kam mir Frau Doktor Rendi-Wagner entgegen, außerhalb des Parlaments sieht sie sympathisch aus, ich sehe auf die provisorischen Parlamentsgebäude, es stehen Artikel der Verfassung darauf, das sehe ich auf den ersten Blick und Wärme steigt hoch.  Das Weltmuseum erstrahlt in hellem Glanz.
Aber, zurück, dorthin, wo mein Herz auf dem Trottoir hüpfte. Eine kleine Maus lief ins Gebüsch. Ich sah noch lange hin, obwohl ich gar nichts mehr sah. Ich wollte im Glück bleiben.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (26.02.21)
Nicht schlecht, die drohende Klippen der Rührseligkeit hast Du noch umschifft. Aber Vorsicht vor unverständlichen Austriazismen, es sind auch Piefkes unter Deinen Lesern: Ich weiß nicht, was das sein könnte, ein "Zinshaus".

 Mondscheinsonate meinte dazu am 26.02.21:
Mietshaus aus der Gründerzeit in dem Fall. Zins war die Miete früher. "BRAUCHST DEM KAISER KEINEN ZINS ZU ZAHLEN...faria faria faria..." Danke.
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