Bücherwurm

Erzählung zum Thema Gefühle

von  Mondscheinsonate

In den Startlöchern scharren, auf die neue Brille warten, dann wird wieder gelesen, nicht gehört. Jedoch, ich gebe zu, dass ich das immer schon liebte, wenn man mir vorlas. Von klein auf besaß ich Platten, Kassetten, CDs, mp3 und nun Audible und ganz früher die Mama oder mein Kindermädchen. Auch habe ich meine Professorinnen und Professoren, die mir auf DVDs ihre Geschichten erzählen, ich lege mich nieder, schließe die Augen und höre zu, was zu einem sehr angenehmen und tiefen Schlaf führt, tatsächlich.
Zurück, so habe ich viele der großen Werke der Weltliteratur durch und äußerst imponierte mir Ulysses, vielleicht auch, weil ich mit verschiedenen Gedankengängen in einem Satz äußerst gut umgehen kann, das sogar liebe und nach einer Zeit des Gewöhnens, mich sogar freute, dass mehrere Personen gleichzeitig sprachen. Auf alle Fälle war ich sogar ganz traurig als das Buch zu Ende war. Genauso, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, ein großartiges Hörbuch, gesprochen von Peter Matic, der leider verstarb. Besonders die, die sprachlich nicht begabt sind, könnten dieses Buch oder besser, Bücher als Hilfe sehen, um ihren Sprachschatz zu verbessern oder die, die stundenlang nichts, aber auch rein gar nichts zu tun haben, als wunderbaren Zeitvertreib. Bücher sind große Schätze und für mich das Wunderbarste auf der Welt. Als ich mich von unzähligen Büchern, aus Platzgründen, trennen musste, saß ich mit Bernhard neben diesem Bücherflohmarkt, sah zu, wie Wildfremde meine Schätze angriffen und mitnahmen und ich betrank mich derartig wie die letzten 20 Jahre nicht und danach nie wieder, aber, ich ertrug das nicht, das war ein großer Schmerz.
Aber, ja, ich häufe nicht mehr an, nur ein bisschen, das muss sein. Besonders die juristischen Fachbücher, das, im übrigen gestört ist, denn kaum ein Buch kostet unter 50 Euro, was mich zerknirscht, aber ja, muss zwar nicht sein, ist aber schön, seine eigene Bibliothek zu haben und eine fremde kaum zu brauchen.
Die Weltliteratur liebe ich, ich brauche Gedanken aus verschiedenen Epochen, das macht mich glücklich. Ich verstehe Menschen nicht, die nie lesen, versuche es, schaffe es nicht. Dafür bringe ich kein Verständnis auf und ich bemerke auch, wenn jemand sehr wenig liest und dennoch schreibt, die Texte sind dann hohl und leer, grammatikalische Katastrophen, formlos und vorallem inhaltslos. Figuren werden hingeknallt, erfüllen nur ihre Funktion, aber ja, das ist ein eigenes Thema.
So fiel mir schon bei Dostojewski auf, man muss den Text in seiner Zeit betrachten, dass Frauenfiguren stets schwach gezeichnet wurden. Auch bei Musil war es so, jedoch nicht so ausgeprägt wie bei dem Russen. Bei Bernhard, Thomas, waren sie kaum vorhanden oder schemenhaft. Dies könnte man auf seine, ich zitiere das Interview mit seinem Bruder, Impotenz durch die Krankheit, zurückführen, dass Frauen nicht interessierten und in Manns Zauberberg waren Frauen unerträglich. Aber, das war die Zeit und auch die Neigungen. Ich verzeihe es, besonders bei Dostojewski, weil er dafür die Männerfiguren äußerst scharf zeichnete und, wie erwähnt, andere Vorzüge aufscheinen ließ.

So ist es doch auch interessant, in welchen Lebensaltern man welche Bücher mag. Den Werther liebte ich mit 17 und auch mit 37, jedoch war ich jedesmal Hals über Kopf verliebt als ich die Leiden las. Interessant wäre es, ihn jetzt zu lesen, völlig frei von Liebe, jedoch Schmerz ist noch da, vielleicht ein Hindernis in der nüchternen Betrachtung.
Und, Stiller begann ich mit 19, fand ihn langweilig, den Frisch, beendete das Buch mit 30 und fand es großartig. Ich las alle paar Jahre ein bisschen weiter. Den Demian fand ich mit 16 gut und auch mit 40. Jetzt?
Zweig geht irgendwie immer, entzückt doch sehr, wenngleich mich der Steppenwolf von Hesse mich nichts mehr angeht.

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (01.03.21)
Stefan Zweig ist meine späte Entdeckung: "Die Welt von gestern" - bestes Buch, dass ich in den letzten drei, vier Jahren gelesen habe.

Viele Hörbücher bieten nur gekürzte Fassungen und das ist oft nur sehr versteckt vermerkt - wie begegnest du diesem Problem?

 Mondscheinsonate meinte dazu am 01.03.21:
Ich kaufe nur Originalfassungen. Hoffe auf Ehrlichkeit. Gekürzte Fassungen höre ich nicht.

 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 01.03.21:
Lobenswert.
Wie lang geht Prousts temps perdu? 1000 Stunden?

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 01.03.21:
Daumen mal Pi 120h.

Antwort geändert am 01.03.2021 um 12:38 Uhr

 TassoTuwas (02.03.21)
Zweig - Steppenwolf.
Hab ich da was nicht mitbekommen???
TT

 Mondscheinsonate äußerte darauf am 02.03.21:
Hilfe. Danke.
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