Quarantäne

Erzählung zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Dieser Text gehört zum Projekt  Corona-Texte
Bleibt mir fern mit Corona, ich habe die Gürtelrose und das ohne Schmerzen, noch nicht, aber ich bin in Quarantäne. Die ist hoch ansteckend. K. schickt mir Bücher, gratis, das ist schön. C. und B. gehen mir einkaufen, G. geht am Dienstag mit meinen Katzen zum Tierarzt und I. kocht mir, letztere ist meine Stiefmutti und stellt das Essen zu mir. P. hatte schon Gürtelrose, das macht ihr nichts. So habe ich mein Netzwerk. Als der Arzt mir sagte, was dieser ominöse Fleck auf meinen Rippen zu bedeuten habe, schlief mir vorerst das Gesicht ein, es fror richtig ein, das alles nach dem Begräbnis, Schlag auf Schlag. Meine Güte, ich schluchzte, das war beinahe unerträglich und dann sah ich, dass das Grab nebem dem der Christine Nöstlinger ist, das fand ich reizend. Ich liebte sie als Kind.
Man darf kein Schäufelchen für die Erde verwenden, man bekommt sie in Papiersäckchen. Meine Großkusine holte die Erde aus Altendorf, dort baute ihr Vater das Haus und er liebte es, deshalb fuhr sie extra hin und holte Erde für den Papa.
Aber, diese Gürtelrose...! Das ist der Grund, warum ich nur noch schlafen möchte, permanent schlafen. Ich schüttete Erde auf den Sarg und die Blumen warf ich hinein. Seine Tochter einen Brief. Ich sah den R. wieder und seine Schwester, er hatte das Buffet im Gloggnitzer Alpenbad und da sah ich ihn an und war plötzlich wieder ein Kind und weinte, ja, schluchzte bitterlich, weil alles vorbei ist und überhaupt, der Onkel Peppi war volle Kindheit! Nein, nein, mir geht es nicht gut, Gürtelrose ist auch psychisch. "Feuchtblatterln" (Windpocken), das hatte ich als Kind. Jetzt bin ich ein Jahr lang jedem Menschen aus dem Weg gegangen und bin nun doch in Quarantäne. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es fast lustig.

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