Nervosität

Innerer Monolog zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Die Nervosität ist wieder da, wochenlang war sie im Tiefschlaf, aber heute Morgen war sie plötzlich wieder da und dieser Unruhezustand geht erst nach Monaten wieder weg, da beruhige ich mich erst wieder, wenn die letzte Klausur geschrieben worden ist, in dem Fall Anfang Juli, was doch eine relativ lange Zeit ist, doch ein paar Monate, viel zu lang, aber, ohne diese Nervosität geht nichts weiter, rein gar nichts, schaffe ich nichts, finde keinen Antrieb zu lernen, bin nicht motiviert genug, kann gar nichts schaffen.
Und, diese innere Unruhe hört nicht auf, beginnt in der Früh und endet mit dem Schlafengehen, da schlägt das Herz wie wild, die Finger sind kalt, der Kaffeekonsum steigt, die Gedanken kreisen nur um das Semester.
Nächste Woche beginnen schon die Onlinetestungen, das Bürgerliche Recht, Kapitel 1-7 Schuldrecht Allgemeiner Teil und Schuldrecht gesetzliche Vertragsverhältnisse.
Das ist die Zeit, in der nur noch gelesen wird, die Zeilen vor Müdigkeit verschwimmen, dazwischen Arbeitsrechtaufgaben, relativ zwingende Gesetze und zwingende Gesetze, lernen, lernen und nochmals lernen und nein, im Gymnasium hatte ich nie diesen Unruhezustand, da war ich eine der Besten, hatte kein Problem mit dem Lernen, überhaupt keines, hatte Freude mit dem Stoff und Freude mit den Noten, aber auf der Uni ist alles ein Kampf, schafft man eine Klausur, ist man ein Sieger, gehört man zu den Auserkorenen, Schritt für Schritt, so rief mich gestern die Sarah aus Tirol an, ganz verzweifelt, dass sie nicht mehr schlafen kann, ihr ist nur noch schwindlig und die hat auch solche Zustände, nur macht andere Fächer, fragte, wie ich das Strafrecht geschafft habe, wie ich das als Schwerpunkt machen könne, das ist der Horror, der blanke Wahnsinn, bei der ersten Klausur im Wintersemester sind 95 Prozent, kein Spaß, durchgefallen, daraufhin änderte der Professor B. die Modalitäten für die Übung im Sommersemester, anstatt irgendetwas leichter zu machen und bei der Fachprüfung fielen 80 Prozent durch, stell dir das vor, sagte sie verzweifelt, wie kann man das nur schaffen, da meinte ich, dass ich die Fachprüfung noch nicht gemacht habe, sie müsse alles lesen und lernen, was er gibt, ausnahmslos, Tag und Nacht lernen, sonst geht gar nichts bei ihm und das Strafrecht ist bei uns am Schwierigsten, schwieriger als in Wien, wir studieren in Linz, nicht in Wien, also, sie muss Tag und Nacht lesen und lernen, sich Zettel auf den Spiegel kleben und selbst beim Zähneputzen lernen, immer nur lernen, da meinte die Sarah, sie sei so fertig und ich lachte, meinte, sie habe doch noch gar nicht angefangen zu lernen! Warte ab!
Also, mir geht es nicht alleine so, ganz und gar nicht und die Nervosität ist eine Seuche, breitet sich aus, ist länderübergreifend, kommt, egal, wo man sich befindet daher, geht sogar durch Wände, findet dich überall, das ist ganz schlimm und lähmt auch, man muss sich zwingen, sich nicht hineinzusteigern, sonst sitzt man nur noch am Klo und da sagte Alexandra, ich brauche einen Mann, um Gottes Willen, nicht jetzt, sagte ich, der passt gar nicht ins Konzept, aber sie sagte, wann dann und ich antwortete, dann, wenn ich nicht mehr nervös bin, da sagte sie, das ist ja nie und ich sagte, dann soll es so sein, aber die Nervosität ist mein ständiger Begleiter, umhüllt mein ganzes Sein, lässt mich an nichts anderes mehr denken als an die Klausuren, weil ich nichts anderes im Leben will, als mein Studium schaffen und dann sehen wir weiter, Alexandra, fügte ich hinzu, aber da sagte sie: "Das ist nicht gesund."

SCIO.

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Kommentare zu diesem Text


 Ralf_Renkking (13.03.21)
Wo es sich bei Nervosität um den Verlust von Gelassenheit wie in diesem Fall und nicht um einen Wesenszug handelt, kann natürlich eine potentielle Überlastung nicht ausgeschlossen werden, allerdings gibt es auch genügend Techniken zur Entkrampfung der Situation, bzw. einer zielgerichteten Kanalisation, Leidenschaft und Trieb sind meines Erachtens nach zwei Seiten einer Medaille, wobei mir ersteres als das geringere Übel erscheint und wenn sich aus gegebenen Umständen die eine Leidenschaft gerade nicht mit der anderen kombinieren lässt, dann ist das auch nichts anderes als beim Gehen, also immer einen Schritt nach dem anderen setzen. 😉

Ciao, Frank

 Mondscheinsonate meinte dazu am 13.03.21:
Jaaaa. Noch ist ja Kurzarbeit, wenigstens ein wenig entkrampfend.
Sätzer (77)
(13.03.21)
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 Mondscheinsonate antwortete darauf am 13.03.21:
Oh! Guter Tipp. Das Reden über den Stoff ist mir sehr wichtig, so merke ich es mir. Dank dir!
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