Krankheit

Erzählung zum Thema Aktuelles

von  Mondscheinsonate

Fieber, Schüttelfrost, Darmkrämpfe - das volle Paket. Ob es mich nervt? Ja, denn ich habe Onlinetestung ab Samstag, aber bringe keinen Strich konzentriert zu Papier, das hier kann ich schreiben, das bedarf keiner Merkfähigkeit. Alexandra meinte, dass ich immer vor Klausuren krank werde, was nicht stimmt, denn ich werde stets danach krank, da fällt die Anspannung weg.
Ich war nur einmal bei meiner Oma krank, da schrie sie mich an, weil ich kotzte und sie putzen musste, ja, die war ein richtiges Herzerl, das wurde sicherlich schon bemerkt, aber, ist es ein Wunder, bei der Mutter? Ich werde nie vergessen, wie diese aus Gier noch auf den Geschenkkorb vom Bürgermeister wartete, die guten Sachen rausfraß und dann umfiel und zwei Tage später im Spital starb. Auf den Korb hat die widerwärtige Urgroßmutter gewartet, das sag ich euch, und das Spital rief nicht einmal die Oma an, die kam nichts ahnend dorthin, mit einem Stück Apfelstrudel in der Hand, ganz für die Mutti, da kam eine Schwester auf sie zu, mitten am Korridor, pietätlos, sagte ihr, zwischen Tür und Angel, dass "im Übrigen, ja, leider, ihre Mutter heute Mittag verstorben ist, mein Beileid", sagte es und ging weiter, sie hatte es eilig. Die Oma ließ das Stück Apfelstrudel fallen und verbarg ihre Tränen hinter ihren Händen. Aber, sie gab zu, dass sie in dem Moment nicht wusste, ob aus Trauer oder Erleichterung.
Im Nachhinein lässt es sich immer leichter sprechen, die Oma war schon traurig, jeder ist traurig, wenn die Mutti stirbt, egal, ob das ein Drachen war oder auch nicht.
Diesbezüglich ein Geständnis, vor dem Tag habe ich Angst, obwohl ich meine Mutter in 25 Jahren nur zweimal zufällig gesehen habe und bei beiden Malen war sie derart betrunken, dass sie mich gar nicht gesehen hat. Diese ekelhaften glasigen Augen, die hasste ich schon als Kind, da mutierte sie zum Monster. Bei B. war es umgekehrt, der brauchte erst seine zwei Bier, dass er streichelweich wurde, aber gut, der Unterschied lag in den Getränken, meine Mutter trank mehr harte Sachen. Dass man überhaupt über soetwas nachdenkt, gruselig, beides.
Na ja, auf jeden Fall habe ich seit Jahren Angst im Bauch und ich denke, ich bin ein totaler Bauchmensch, alles geht in meinen Bauch und an dem Tag, an dem ich die ganze Geschichte mit B. endgültig beendete, hatte ich ab da nur noch selten Bauchweh und Zustände. Es war sogar schon so schlimm, dass der Verdacht Morbus Crohn im Raum stand, das muss man sich mal vorstellen, die Darmspiegelung entkräftete, ich wog nur noch 42 kg. Reizdarmsyndrom, sagte der Arzt, da spielt viel die Psyche mit. Aber, der Arzt war nicht nur äußerst gutaussehend, ein Vorstand einer Klinik, sondern auch fürchterlich lieb. Er fragte mich, wann ich das letzte Mal etwas gegessen habe? Ich antwortete, dass dies vor drei Tagen war. Daraufhin stand er wortlos auf und ging hinaus. Ich wartete still. Dann kam er wieder mit einem Brot, belegt mit Schinken herein, stellte es zu mir und sagte: "Jetzt essen Sie mal was!"
Meine Güte, wie süß! Manche Ärzte sind einfach nur lieb, das bemerkte ich auch im AKH, meine Kollegen und Kolleginnen waren alle reizend, bis auf Prof. C., der war kaum an Boshaftigkeit zu überbieten. Prof. W. nahm am 23.12. Anatomieprüfungen ab. Ich sagte: "Ich bitte Sie, es ist Weihnachten!"
Drei Stunden später kam er zurück und sagte grimmig, dass einige so grottig waren, aber er ließ sie durchkommen, es ist schließlich Weihnachten und Sie reden nie wieder vor Prüfungen mit mir!" Ich lachte, der war wirklich lieb. Der sah auch immer meine Befunde an und drückte mir herzlichst die Hand, sagte, dass alles gut werden wird und es wurde gut.
Wir hatten auch eine böse Frau Professor, der Drachen hatte mich aber gerne, weil ihr Freund Patient war, der hatte mich gerne und brachte mir immer Makronen aus Oberlaa mit und als er starb, brachte sie mir eine Zeichnung von dem Patienten, das wollte er mir noch schenken, er war ein bekannter Maler, und sah mich sehr traurig an, sie tat mir leid, wirklich sehr leid.
Auf jeden Fall, zurück zum Eigentlichen, mir tut alles weh und vielleicht auch nur, weil ich doch nicht mehr die starken Nerven habe. Vielleicht. Ich muss mich dringend mal mit Entspannungsübungen auseinandersetzen.
Aber, ich sag euch etwas, die Oma war immer nur ekelhaft, wenn sie sich Sorgen machte. Das habe ich von ihr, aber, der aufmerksame Leser weiß das längst.

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