Frohe Ostern!

Erzählung zum Thema Biographisches/ Personen

von  Mondscheinsonate

Als Kind liebte ich Ostern so sehr, das war immer ein kollektives Fest. Die Nachbarn taten sich zusammen und versteckten hinter dem Haus Osternester für uns Kleinen, versahen die Geschenke mit kleinen Kärtchen wo unsere Namen darauf waren und die Schokolade wurde geteilt. Wir Kinder wuselten über die große Wiese und der Opa stand wie der große Feldmarschall an der Spitze der Erwachsenengruppe und fotografierte alles mit seiner Leica, während Herr Reifböck filmte und Frau Prohaska die Hände zusammenschlug und vor Entzücken seufzte: "Mei, die lieben Kinderchen!"
Es gab auch schöne Sonnentage an Ostern, an denen wurden Tische herausgestellt und festlich gedeckt. Dann setzten sich die Nachbarn zusammen und stießen auf das Osterfest an, Bacchus hätte seine Freude an dem Gelage, es wurde gelacht und Musik aufgedreht, dazu getanzt. Dazwischen immer wieder auf die Kinder mit den neuen Fahrrädern gesehen, die wackelig auf die Straße zusteuerten: "Thomas! Jürgen! Nicht so nah an die Straße!"
Opa brachte mir das Fahrradfahren bei. Der große, alte Mann beugte sich über mich und hielt mich fest, schubste an und schrie: "Treten, Mausi! Treten!" Ich fiel um und weinte vor Unglück: "Ich kann das nicht!" Da sagte der Opa lachend: "Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Aufstehen, abputzen, nochmals probieren!" Das war ein Befehl, wie alles vom Opa nach Befehl klang. Ich stand auf, putzte mich an der Hose ab, stieg mit rinnender Nase und verweinten Augen wieder auf das neue Fahrrad ohne Stützen und das Ganze begann von vorne. Wackelig trat ich bis es ging und alle Nachbarn klatschten vor Freude und auf meinem Gesicht sah man plötzlich den Stolz, der Kopf war hoch erhoben und so sieht man mich auf den Bildern, die der Opa dann schoss.
Man sieht auch Menschen auf den Bildern, die bereits verstorben sind und wenn ich am Gloggnitzer Waldfriedhof bin, dann besuche ich auch diese Gräber und rede mit ihnen im Stillen.
Aber, da leben sie noch, genau in dem Moment und Herr Bauer holte die Cora, den Schäferhund, auf die Wiese, der jedesmal knurrte, wenn jemand in die Nähe kam, nur bei mir nicht, weil ich die Suppenknochen immer brachte, da wedelte der bestechliche Deutsche Schäferhund freundlich.
Und, der Sascha, der Tigerkater mit dem ausgeschossenen Auge saß neben Cora, denn sie waren Freunde, so war das Bild.
Karin, meine beste Freundin und Schwester von den Zwillingen Thomas und Jürgen, saß auf einer Decke im Gras und rief mich zum Spielen, sie bekam ein Mikado und so spielten wir stundenlang andächtig, ins Spiel versunken.
Thomas radelte am Gehsteig herum, wurde zu schnell, kam ins Schleudern, geriet auf die Fahrbahn und in dem Moment kam ein Auto zu schnell um die gefährliche Kurve und erfasste ihn. Das Fahrrad wurde in die Luft geschleudert, es gab einen großen Knall, Thomas beim Bremsen mitgeschoben und blieb vor den Reifen liegen, regungslos.
Opa sprang geistesgegenwärtig als erstes auf, er, der Arzt reagierte sofort, während der Fahrer geschockt im Auto sitzen blieb, sich nicht bewegte, die Hände auf dem Lenkrad verkrampft, der Blick war starr, das Fahrrad lag hinter dem Auto.
Oma lief zu uns Kindern, damit wir ja nicht hinliefen. Opa war bereits bei Thomas und befühlte seinen Puls.
Danach ging alles sehr schnell, der Vater von ihm lief ins Haus und rief die Rettung an, die kam nicht so schnell, das nächste Krankenhaus war in Neunkirchen, das war weiter weg. Oma lief ins Haus und holte die Arzttasche und brachte sie Opa, sie war Krankenschwester, und half dem Opa. Wir sahen nicht, was sie machten, ihre Rücken verdeckten das Geschehen. Aber, dann kam die Rettung mit Blaulicht, da weinten wir.
Sie nahmen Thomas mit.
Er hatte Glück im Unglück, eine Gehirnerschütterung und zwei gebrochene Rippen, sowie ein gebrochenes Bein.
Er erholte sich schneller, bekam sogar ein neues Fahrrad, fuhr aber nie wieder dort vorne bei der Straße.
Ans Feiern war nicht mehr zu denken, nur noch wir Kinder saßen betroffen auf Decken, der Sascha neben uns und sahen  zu Boden, rissen altes Gras aus dem Boden, um es in unseren Fingern zu drehen. Wir begriffen doch noch nicht ganz genau, was da passiert war, spürten aber, dass es schrecklich war und ab diesem Zeitpunkt blieben wir immer nur auf der Wiese und mieden den Gehsteig und die Straße an der Stelle.
Dennoch, die folgenden Osterfeste waren noch schön und selbst, wenn Schnee lag, machten wir ein Osterfeuer und tanzten um das Feuer. Selbst Thomas, dessen Knochen vollständig heilten. Das war schön.

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Kommentare zu diesem Text


 franky (04.04.21)
Das war wieder Mal eine ganz tolle Mondscheinsonate!
Lebensnah, mit allem Drumherum;-)

Liebe Ostergrüße nach Wien
Von Franky

 Mondscheinsonate meinte dazu am 04.04.21:
Dankeschön!
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