Krieg und Frieden Moskau

Kritik zum Thema Buch/ Lesen

von  Mondscheinsonate

Langsam hege ich den Verdacht, dass die Figur des Pierre, die mir dermaßen auf die Nerven geht und schwer entbehrlich ist, nur geschrieben wurde, um als Stimme der Gedanken des Autors zu dienen. Das Tölpelhafte nach außen passt so gar nicht zu den schweren Gedanken, die zum Ausdruck gebracht werden und das umherwandeln am Schlachtfeld, ja, neben der Batterie, macht beinahe wütend, dient, um mit neumodischen Worten zu schreiben, als Kamera für den Leser, um die Augenblicke einzufangen, allerdings ist dies unnötig, denn bereits im ersten Buch schaffte das Tolstoi sehr gut ohne Pierre und das war weniger ärgerlich.
Abgesehen davon, wieder sehr ergreifend, die ganze Geschichte, perfekt skizziert die Evakuierung Moskaus, Napoleon steht vor den Toren, die Stadt wird vorerst aufgegeben, der Rückzug der russischen Truppen ist ebenso im Gange, der Oberbefehlshaber Kutosow wirkt verzweifelt, sieht dies aber als einzige Möglichkeit.
Das Philosophieren des Autors, auch abseits der Figur Pierres, ist ebenso entbehrlich, es hätte die Geschichte gereicht, die bereits ins Mark geht, wenn man nicht ganz abgebrüht ist. Das Aufzeigen des Patriotismus ebenso, jedoch, darüber kann ich hinwegsehen, implizit das Überlassen des Hab und Gut dem Feind, stattdessen werden Fuhrwerke den Verwundeten überlassen, ein Hoch auf die Rostows, wohlgemerkt. Dass Graf André unter den Verwundeten liegt, das Natascha nicht weiß, aber Sonia und ihre Mutter schon, macht die Geschichte der beiden wieder spannend, aber viel interessanter ist doch das Leben in den Straßen, wie die Handwerker die Ankunft der Franzosen erleben und völlig uninteressant der neu eingeführte Graf, mir scheint, er dient als Funktion des Bürgermeisters.
Napoleon hatte sich den Einzug nach Moskau ruhmreicher vorgestellt, stattdessen erwartet ihn nur Gesinde, was ihn unwirsch macht. So trugen die Moskauer vorerst doch einen kleinen psychischen Sieg mit Hab und Gut davon.
Beinahe will man "Gut gemacht!" zuschreien, aber ich höre stattdessen weiter.
Dieser 2.Teil ist für mich eine Mischung aus schwer genervt und weiterhin fasziniert sein.
Bin gespannt wie es weitergeht.

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Kommentare zu diesem Text


 DanceWith1Life (18.04.21)
Kann mich nur an den Gesamteindruck erinnern, schon lange her, dass ich das gelesen habe, aus diesen Fragmenten, weht mich teilweise ähnliches Empfinden an, aber nur teilweise, auf jeden Fall habe ich das begeistert gelesen, trotz der Empfindung der Langatmigkeit in manchen Passagen. Auf jeden Fall, danke, fürs erinnern.
Etwas Vergleichbares zur heutigen Kriegsführung zu schreiben.
Kann ich mir kaum vorstellen, der Golfkrieg aus so einer Perspektive, Syrien mit diesen Randerzählungen.
Boah.

Kommentar geändert am 18.04.2021 um 18:36 Uhr

 Mondscheinsonate meinte dazu am 18.04.21:
Gibt es ja...ad Syrien. Sehr schöne Romane. Wie hieß der, letztes Jahr erschienene Roman, wo der Sohn seinen toten Vater durch Syrien karrt, weil er den letzten Wunsch des Verstorbenen erfüllt? Ein großartiges Buch, nur der Titel entfiel mir.
Aber, du hast schon recht, diese genaue Beschreibung des Krieges und dazu Gesellschaftsklimbim ist mir auch nicht bekannt. Aber, so lernt man doch schon in Geschichte, dass der Wiener Kongress im Schatten des Krieges gegen Russland stattfand und da tanzte der Kongress. Makaber eigentlich. Alles.

Antwort geändert am 18.04.2021 um 18:47 Uhr

 DanceWith1Life antwortete darauf am 18.04.21:
Wir waren in der Wunderbar, eine Disko im Keller eines Gebäudes mit Geschäften und einem alternativen Kino, als es hiess, die USA greift jetzt an, wir sind tatsächlich alle nach draussen gegangen, mitten in der Nacht, keine Ahnung warum, der Beginn des Golfkriegs.

 Phönix (19.04.21)
Ja ein lesenswertes Buch.

Titel: Der Tod ist ein mühseliges Geschäft.

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 19.04.21:
Stimmt. Danke.
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