Sex und Gewalt: Porno und Horror

Politische Revue zum Thema Vergewaltigung

von  Terminator

Der Mensch ist zu unbeschreiblicher Destruktivität fähig. Die Ambivalenz des Menschen äußert sich insbesondere in Dichotomien Freundschaft/Feindschaft und Liebe/Sex. Während die erste Dichotomie durch politische Bildung, Erinnerungskultur, Gewalt- und Horrorfilme psychologisch verarbeitet wird, wird bei Liebe und Sex so getan, als gäbe es keinen Gegensatz, sondern als seien Schwarz und Weiß dieselbe Farbe, und damit findet auch keine psychologische Verarbeitung des destruktiven Sexualtriebes statt, es sei denn, er spielt die zweite Rolle bei einer Gewalttat.

In der Serie "The Walking Dead" (die in letzter Zeit eine fast zusammenhanglose Aneinanderreihung von Folgen sehr unterschiedlicher Qualität ist) wird die Dichotomie Freundschaft/Feindschaft in Staffel 10 Folge 19 exzellent verarbeitet: gezwungen, russisches Roulette zu spielen, mit der Wahl, sich selbst oder einem Freund in den Kopf zu schießen, riskieren zwei Protagonisten immer wieder das eigene Leben. Der Feind aber wird bei der ersten Gelegenheit kaltblütig ermordet, und zwar just in dem Moment, in dem er, durch altruistisches Verhalten der beiden Gefangenen wieder an das Gute im Menschen glaubend, sich entschließt, die Feindschaft zu beenden.

Die Neigung zu extremer Gewalt verarbeitet die gegenwärtige Kultur in Dokumentationen über Massaker und Genozide, kanalisiert Rache- und Selbstjustizphantasien in unzähligen Filmen und Serien, thematisiert in anspruchsvollen Filmen die Sinnlosigkeit der Gewalt. Ungehemmtes Ausleben der Sexualität wird hingegen nicht als Anschlag auf Liebe/Liebesfähigkeit thematisiert, sondern zum Ideal erhoben. In der Popkultur werden Liebe und Sex synonym verwendet, weshalb unvermeidlich die höhere, feinere, zartere Liebe der gröberen Sexualität nach dem Gesetz der Entropie zum Opfer fällt. Unzählige Pornos geilen ihre Zuschauer nur auf, selbst die perversesten und abartigsten pornographischen Filme erfüllen nicht die Funktion der Katharsis wie etwa Horrorfilme, sondern ermutigen auch im realen Leben zu Grenzüberschreitungen.

Kommentare zu diesem Text


 Teichhüpfer (13.06.21)
Ungeheuerlich, mir fällt dazu noch eine Lebenserfahrung ein, was Männer betrifft. Ich bin erstaunt, das kann so Anfang des Milleniums gewesen sein, die gesetzlichen Krankenkassen hatten ihr großtest Geldvolumen prozentual in der Genital Behandlung, und das liegt daran, daß Mutti ihrem Kind nicht sagt, wie man sich da unten wäscht.

 Ralf_Renkking meinte dazu am 13.06.21:
Das nenne ich mal einen super Beitrag zum Thema "Katharsis".
😂😂

 Graeculus (13.06.21)
Gewalt bricht den Willen eines anderen Menschen - das tut einvernehmlicher Sex nicht. Das sollte man, wenn man schon dazu neigt, die Welt nach moralischem Maßstab zu beurteilen, nicht übergehen.

 Terminator antwortete darauf am 13.06.21:
wenn man schon dazu neigt, die Welt nach moralischem Maßstab zu beurteilen
Ein "creepy" impliziter Vorwurf. Als sei Nihilismus die Norm (in der Ultradekadenz ist er das natürlich).

Gewalt bricht den Willen eines anderen Menschen
ja, und zwar hart, männlich, direkt. Sex tut dasselbe, nur weich, weiblich, indirekt. Gewalt zerstört, Sexualität verführt "nur" zur Zerstörung. Gewalt ist wie der Mörder, Sexualität ist wie der Drogendealer. Beide zerstören Leben.

Gegen den direkten Angreifer kannst du dich wehren, gegenüber dem Verführer bist du arglos. Darum halte ich den Letzteren für gefährlicher.

Antwort geändert am 13.06.2021 um 17:55 Uhr

 Teichhüpfer schrieb daraufhin am 14.06.21:
Man( n), oder Frau, oder Beides sollte sich überlegen, daß Sex, das älteste Geschäft der Welt ist. Die Liebe, das Einzige was ewig bleibt, aber die Gewalt ist eben ausgeübt durch Isolation. Ich bin davon überzeugt in dem Bereich, sollte sich der Mann im Rollenverständis auch mal den Schuh anziehen, das Schw... zu sein. Es ist meistens die Frau, aber in der Liebe ist Gleich und Gleich. Die Frau will deine Konkurrenz, dann bilige ihr das zu, und Du bist eben, der Loser von dem Du immer sprichst.

Antwort geändert am 14.06.2021 um 06:52 Uhr
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram