Dick Swaab: Wir sind unser Gehirn

Stanze zum Thema Tanz(en)

von  Terminator

Der niederländische Hirnforscher, den man anscheinend durchaus kennen sollte, lädt zu einem kurzweiligen Ausflug in die Tulpenwiese der neuesten Erkenntnisse seiner Disziplin. Mit viel Humor teilt er aus gegen Kreationisten und Gender-Gaga, gegen laxe Drogenpolitik und unwürdigen Umgang mit Tod und Sterbehilfe.

Besonders ergreifend ist in seiner Traurigkeit das Kapitel über Demenz. Am Anfang verliert man das Gedächtnis, am Ende liegt man zusammengekrümmt in der Embryonalstellung und ist nur noch vegetativ lebensfähig.

Sexualität und Geisteskrankheit, Gedächtnis und Glaube, Depression und Fettsucht: alles hat seine Ursachen im Gehirn und kommt, nur Geduld, früher oder später zur Sprache. Ein ideales Buch für Neurolaien, um das Thema aufzufrischen.

Kommentare zu diesem Text


 franky (02.08.21)
Hi Terminator

Ist das eine Stanze?

LG Franky

 Terminator meinte dazu am 02.08.21:
Beim Lichte besehen nicht, mit Humor schon.

 Graeculus (02.08.21)
Das hat natürlich - Bluebird mag es nicht wahrhaben - Folgen für die Frage eines Lebens nach dem Tod. Wenn unser Ich an unser Gehirn gebunden ist ...

Zum Gegenstandpunkt:

- Markus Gabriel: Ich ist nicht Gehirn. Berlin 2015
- Alva Noë: Du bist nicht dein Gehirn. München ³2011

Es gibt tatsächlich manches, was gegen die Identifizierung (nicht gegen die Korrelation) spricht.

Kommentar geändert am 02.08.2021 um 11:06 Uhr

 Terminator antwortete darauf am 02.08.21:
Selbstverständlich ist Ich nicht Gerhirn: selbst für den materialistischen Monisten ist das Ich eine Funktion des Gehirns. Der Konstruktivismus eines Gerhard Roth, der aus dem Gehirn ein Subjekt macht, ist der misslungene Ausflug eines engstirnigen Einzelwissenschaftlers in das große Reich der Philosophie. Aber Swaab übertreibt mit Humor, so verstehe ich den Buchtitel.

 Graeculus schrieb daraufhin am 02.08.21:
Stimmt, der Titel spielt auf Gerhard Roth an.

 Augustus (02.08.21)
Das Gehirn kann mit der Frage konfrontiert werden, warum etwas ist und vielmehr nicht nichts ist? Diesen gordischen Knoten kann das Gehirn durch exaktes Wissen nicht lösen, so auch das Seelenproblem nicht. Jedwede vom Menschen erdachte Lösung zu diesen Problemen wäre auf unsicheren Fundament gebaut und führt nur zu seiner eigenen subjektiven Anschauung. Die einzelnen Anschauungen können interessant sein, aber ob der beantwortendem Frage, ob sie wirklich wahr und insbesondere ob sie in jedem Detail wahr seien, liegt außerhalb menschlicher Erfahrung.

Ave

 Terminator äußerte darauf am 02.08.21:
Das Ich kann mit der Frage konfrontiert werden, inwieweit die Entfaltung seiner Persönlichkeit von einer gesunden Gehirnfunktion abhängig ist. Vieles, was wir uns selbst zuschreiben (ich mag Miezen, ich habe ein gutes Gedächtnis, ich fühe mich so und so) wird vom Gehirn schon vorentschieden (seine pränatale Entwicklung und seine biochemische Funktionsweise); vieles, was wir anderen zuschreiben (er ist pädophil, sie ist dumm, die sind faul) liegt an deren Gehirnentwicklung, und sie haben sich nicht freiwillig dafür entschieden. Alles extrem banal und berührt die philosophische Frage nach dem Ich überhaupt nicht, aber damit das ontologische Subjekt mit der Welt der Erscheinungen in Kontakt treten kann, muss es durch dieses Ding namens Gehirn durch, das darum auch Erscheinung, und kein Ding an sich ist (und somit durch Naturgesetze determiniert).

 Graeculus ergänzte dazu am 02.08.21:
Genau. Bei der Unterscheidung in Erkennendes (Subjekt) und Erkanntes (Objekt) fällt das Gehirn auf die Seite der Objekte - gerade als Forschungsgegenstand der Neurologie.
Das hätte Roth von Kant lernen können. Hat er aber nicht.
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