Bundestagswahl: Kein Wunder aus Düsseldorf

Tragikomödie zum Thema Politik

von  Ferdi

Das dickste Übel? Leicht, launig: Laschet. Im Inneren wie im Äußeren. Besonders im Äußeren. Nicht mal CDU-Wähler können sich mehrheitlich vorstellen, dass Onkelchen im Kreml oder im Weißen Haus eine gute Figur abgeben könnte. Er stolpert schon beim Heimspiel in NRW über die eigenen Füße, noch dazu bei Regen. Wer aber in Deutschland von der Kanzel sprechen will, muss Fritz Walter können, denn geopolitisch herrscht über Deutschland seit jeher Fritz-Walter-Wetter, die Machtanspruchsabsonderungen des stotternden Europaverbennungsmotors BRD, eingeklemmt zwischen Russland und den USA, sorgen für eine Dauerregenwolke am Horizont. Wenn sich Laschet unter diesen Witterungsbedingungen als Kapitän profilieren will, muss er nicht zaubern können, aber auf dem nassen Rasen ein ordentliches Dribbling hinlegen, zumindest die Grundtechnik beherrschen. Lebemann Laschet dachte sich: "wird schon, erstmal Kapitän werden, um den Rest kümmert sich das Beraterteam" und dann hat er sich mit  Versprechungen in die Mannschaft gemogelt: dass er Beidfüßler sei, ein Mittelstürmer, der Rechts- wie Linksaußen als Werteverteidiger eingesetzt werden könne und auf allen diesen Positionen sogar gleichzeitig. Dann, kaum auf dem Feld, verwandelt er eine Steilvorlage in ein Eigentor. Seiner Partei geschieht es nur recht. Sie hatte einen kompetenten Kandidaten, einen für den Naturwissenschaft mehr als Hieroglyphengekrakel ist, der rechnen kann und sich in Themen einlesen: Norbert Röttgen. Aber die CDU hatte sich so an die bequeme Merkel-Macht gewöhnt, da reichte einer, der versprach, in ihrem Windschatten weiterzumachen. Leider übersah die Basis dabei, dass Merkel ja gerade nicht mit ihrer jovialen Mauschel-Natur einte, sondern damit, dass sie sich in Themen einlas, Statistiken und gegnerische Strategien studierte, kein Training verschlief, ihre Position wohlüberlegt in aller Bescheidenheit einnahm und ihre Gegner dann mit unberührter Miene ausdribbelte. Ihre Fouls waren so geschickt, dass sie nicht mal durch die neueste Kameraüberwachungstechnik von Siemens nachgewiesen werden konnten. Ach ja, und sie zog ihr Trikot nie auf dem Platz aus. Arbeitersohn Laschet, der es wie so viele Deutsche einmal besser haben wollte als sein Vater, hat sich erst in den Aachener Hochwürdenverband hochgeschlafen, ganz offiziell mit Ehesiegel, und sich dann weiter durchgemauschelt. Bei den Hochwürden, im Karnevalsverein und in den Studentenverbindungen hat er früh gelernt, dass es nicht drauf ankommt, was man denkt und weiß, sondern was man mimt und wen man kennt. Wenn doch mal wer merkt, dass er keine Ahnung hat, wovon er spricht: Schwamm drüber. Fehler machen alle, sogar die Grünen, das ist doch menschlich, also volksnah. Mit seiner Kunst des Mimens hat er es weit gebracht, die Mannschaft hat ihn in die Garde gewählt. Nur hat sie nicht mit dem Publikum auf der Tribüne gerechnet, besonders damit nicht, dass es als Mannschaftskapitän einen will, der Chancen rausspielen kann. Und was macht der Armin? Zieht sich das Trikot schon vor dem Spiel aus, kichert unkonzentriert, macht eine Schwalbe nach der anderen (geht bei dem glitschigen Rasen ja nicht anders) und dann robbt er auf dem Bauch ins Aus und zeigt mit dem Finger auf seine Gegenspieler. Und das alles trotz Fritz-Walter-Wetter. Selbst die Bolschewiken unter den Fans halten Rechtsaußenverteidiger Söder ganz unideologisch für den besseren Mannschaftskapitän.

Weil der halt wenigstens Fußball spielen kann.


Anmerkung von Ferdi:

Thema Fußball gab es nicht

Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (06.09.21)
Ein deutsches Staatsoberhaupt aber muss Fritz Walter können.
Hältst Du den Bundeskanzler für das Staatsoberhaupt? Oder bist Du der Meinung, daß Armin Laschet für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert?

 Ferdi meinte dazu am 06.09.21:
Rosinenpicker.

 Ferdi antwortete darauf am 06.09.21:
Ich gewöhne mich noch ans unauffällige Gendern und rein sprachlich ist Oberhaupt nun mal ein Synonym für Chef, deine Definition ist also bloß eine künstliche geschaffene, nationalidentitätspolitische, denn die Kanzelschaft ist nun mal mächtiger als die Präsidentschaft. Ich überlege mir gerne etwas anderes.

 Graeculus schrieb daraufhin am 06.09.21:
"rein sprachlich", "meine Definition"? Es ist die Sprache des Grundgesetzes.
Und daß unser Staatsoberhaupt mit wenigen Machtbefugnissen ausgestattet ist, hat ja einen guten Grund in den Erfahrungen der Weimarer Republik.

Aber wie ich sehe, hast Du ja bereits eine andere Formulierung gefunden.

Interessant übrigens die Parallele in Großbritannien, wo die Königin Staatsoberhaupt, aber nicht Machthaberin ist.

 Ferdi äußerte darauf am 06.09.21:
In der natürlich gewachsenen deutschen Sprache sind die Begriffe Oberhaupt und Chef (ein Lehnwort aus dem Französischen vgl. lat. caput) nun mal Synonyme. Wenn die Verfasserschaft des Grundgesetzes sich einer verquasten Sprache bedient, die künstlich einen Unterschied festlegt, wo sprachlich keiner ist, nun ja.

 Ralf_Renkking ergänzte dazu am 06.09.21:
Okay, Oberhaupt und Chef mag das Gleiche sein, Staat und Regierung allerdings sind es nicht, ich schätze, dass erstere Begriffe bewusst gewählt wurden, um den Staatschef und das Regierungsoberhaupt auch dadurch nicht nur voneinander zu unterscheiden, sondern, wie die Umkehrung zeigt, die Position des Regierungschefs, zumindest sprachlich, nicht zu überhöhen, es dürfte sich dabei um eine psychologische Komponente handeln, denn Chefs, bzw. Oberhäupter sind ja nun mal beide. 😉

 Ferdi meinte dazu am 06.09.21:
Damit hast du sicher Recht. Sprache ist ein geeignetes Instrument, um Machtausgleiche herzustellen. Die Frage ist, hat die Symbolsprache in diesem Fall den gewünschten Effekt auf die deutsche Psyche? Das Gesicht des Staates Deutschland ist Merkel, nicht Steinmeier.

 Agnete (06.09.21)
stimme zu. Gekonnt bebildert und ich würde mal sagen Oche Alaaf und wer wird de Buur un de Jungfau? GGG von Agnete

 Ferdi meinte dazu am 06.09.21:
Söder schaut jetzt Laschet beim Untergang zu und wird sich dann von der Basis anbetteln lassen, die CDU zu alter Stärke aufzupäppeln. Wer gewinnt? Das werden bei dieser Wahl die Frauen über 60 entscheiden.
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