TRINKSPRUCH AUF DIE VEREINIGTE GROSSLOGE DER FREIMAURER VON DEUTSCHLAND

Aufruf

von  Dieter Wal

 Johann Amos Comenius, der böhmische Reformator mittelalterlicher Pädagogik, lud in seinem Werk „Allgemeine Beratung über die Verbesserung der menschlichen Dinge“ alle Menschen guten Willens dazu ein, eine Reform auf allen Ebenen einzuleiten. Alle Denker bat er, sich miteinander zu beraten. Wörtlich:

„Alle, die über Frömmigkeit, Sitten, Wissenschaft und Künste erklärend geschrieben haben, ohne Rücksicht darauf, ob Christ oder Mohammedaner, Jude oder Pythagoräer, Akademiker, Peripathetiker, Stoiker, Essäer, Grieche, Römer, alt oder modern, Doktor oder Rabbi gewesen sei, jede Kirche, Synode und Vereinigung, dass man, sage ich, sie alle zulässt und anhört, was sie Gutes bringen.“

Er war ein Feind der Zersplitterungen und Sekten und bezeichnete jede neue Kleingruppierung als Teufelswerk. Auch wir sind eine Vereinigung, die von ihrer Grundidee her nicht in kleinste Splittergruppen aufsprenkeln dürfte, sondern die über weltanschauliche und religiöse Gartenzäune hinweg ALLE Menschen einlädt, sich als Brüder zu begreifen.

Als es dem Einiger der Deutschen Freimaurerei,  Theodor Vogel, gelang, den Großlogen-Dachverband, die „ Vereinigten Großlogen der Freimaurer von Deutschland“ zu gründen, kamen wir einen Riesenschritt in die richtige Richtung voran.

Trinken wir deshalb auf die Arbeit der Baumeister der Vereinigten Großlogen der Freimaurer von Deutschland!


Anmerkung von Dieter Wal:

27. September 2000

Empfohlen von:
AZU20.

Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (24.09.21)
Alle Menschen guten Willens?
Aber Frauen sind nicht zugelassen, oder?
Das mag zur Zeit der Gründung der Freimaurer historisch zu erklären sein, aber heute befremdet es. "Alle Menschen werden Brüder", das klingt heute anders als damals.

 Dieter Wal meinte dazu am 24.09.21:
"Alle Menschen guten Willens?
Aber Frauen sind nicht zugelassen, oder?"

Freimaurerische Trinksprüche richten sich während sogenannten Tafellogen, einem freimaurerischen Zeremoniell, das zu besonderen Anlässen nach "Tempelarbeiten", dem symbolischen Kern der Freimaurerversammlungen, Verwendung finden, an spezifisch Brüder. Ihnen muss bei solchen Anlässen im Rahmen eines Trinkspruches nicht erklärt werden, dass und weshalb die Freimaurerei gewöhnlich nur maskulin oder auch nur feminin ist. Es gibt auch gemischgeschlechtliche Freimaurerlogen. Üblich sind drei verschiedene Trinksprüche:

1. Auf die abwesenden Schwestern (=Partnerinnen) der Brüder,
2. Auf das Heimatland,
3. Auf die Großloge.

In der letzten 10 Jahren änderte sich viel bezüglich maskulinen und femininen Freimaurereien. Wohingegen vor über 10 Jahren sich Brüder fast noch als Revolutionäre fühlten, wenn sie mit Freimaurerinnen aktiven Umgang, auch rituellen, pflegten, wurde es völlig normal mittlerweile. Auch die United Grand Lodge of England anerkannte mittlerweile Freimaurerinnen. Bis zur Anerkennung gemischtgeschlechtlicher Systeme wird wohl noch Zeit vergehen, doch es ist absehbar.

 Graeculus antwortete darauf am 24.09.21:
Ich habe mal ein Zen-Kloster gesehen, bei dem betont wurde, daß man jeden, wirklich jeden dort aufnehme, sofern er nur den ernsthaften Wunsch habe, den Weg Buddhas zu gehen. Weil das so stark betont wurde, hatte ich spontan das Gefühl, die hätten auch Adolf Hitler aufgenommen.
Jeden. Aber keine Frauen!

Anscheinend hält (hielt) man hier wie dort diesen einen Unterschied unter Menschen für den allerwichtigsten, der durch nichts ausgeglichen werden kann.

Und sage niemand, es gehe darum, die Sexualität von solchen Gemeinschaften fernzuhalten. So weltfremd, daß sie nichts von Homosexualität wüßten, sind weder Buddhisten noch Freimaurer.

Hoffen wir, daß Deine Prognose zutrifft.

 Dieter Wal schrieb daraufhin am 27.09.21:
"Hoffen wir, daß Deine Prognose zutrifft."

Das hoffe ich auch.

"So weltfremd, daß sie nichts von Homosexualität wüßten, sind weder Buddhisten noch Freimaurer."

Teilte vor vielen Jahren ein Doppelzimmer beim Besuch der Wanderloge Weiße Lilie, deren Treffen finden an wechselnden Orten statt, sie hat einen Doppelmitgliedschafts-Pfadfinder-Hintergrund in ihrer Entstehungszeit und ist direkt der Großloge VGLFMvD unterstellt, mit einem mir zunächst völlig fremden Bruder aus Kostengründen. Er erzählte mir bei näherem Kennenlernen, dass er offen homosexuell sei und mit dem Stuhlmeister seiner Mutterloge in einer eheähnlichen Beziehung lebe. Auch er sei Bruder der Loge seines Mannes, der dort Stuhlmeister war. Das wussten selbstverständlich alle Mitglieder. Er schenkte mir deren Bijoux, also deren Logen-Abzeichen und verpflichtete mich, sie eines Tages in der Loge zu besuchen. Ich dürfte in deren gemeinsamer Wohnung Gast sein. Ich nahm es gerührt an und versprach mein Bestes. Leider befindet sich deren Loge am anderen Ende von Deutschland und es war mir leider nie möglich, das Versprechen einzulösen. Überflüssig zu erwähnen, dass jener Bruder, mit dem ich ein Zimmer teilte, ein absolut verträglicher, angenehmer Mensch war? Homosexualität ist unter Freimaurern kein Tabuthema, da der Kern der Königlichen Kunst die Liebe des Bruders zu seinen Brüdern darstellt, was zwar in der Regel keine sexuellen Aspekte hat, doch unter Homosexuellen selbstverständlich haben darf.

 Dieter_Rotmund (24.09.21)
Die Freimaurer? Gibt's die noch?

 Dieter Wal äußerte darauf am 24.09.21:
Nö.
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