Gesellschaftliche Reformen

Gedanke zum Thema Gesellschaft/ Soziales

von  Regina

Wer kein Jenseits annimmt, wird versuchen, den Himmel auf Erden, eine völlig gerechte Welt im Diesseits zu erschaffen. Es ist die große Schwäche des Sozialismus, dass er auf einer Utopie fußt, einem Wunschdenken in Bezug auf die gesellschaftliche Ordnung. Ein Jenseits abzulehnen, das ist eine Sache. Konsens aber dürfte doch sein, dass der Mensch als Person sich nur eine befristete Zeit auf der Erde aufhält.
Veränderungen folgen der geistigen Ausrichtung. Sie kommen von innen. Es muss zuerst die Neigung, Konflikte gewaltsam lösen zu wollen, überwunden werden, bevor das Kriegswesen gebannt werden wird, ebenso wie das Streben, Natur und Menschen zu eigensüchtigen Zwecken auszubeuten, der Vergangenheit angehören muss, bevor das Geldwesen sich neu strukturieren kann. Selbst der Edelste hat daran, nämlich an sich, zu arbeiten.

Kommentare zu diesem Text


 tueichler (08.10.21)
Schon zu DDR-Zeiten sagte man, der Sozialismus wird daran scheitern, dass der Mensch ein Mensch ist - was sich ja spätestens '89 bestätigt hat. Damit hätte sich eigentlich jegliches weitere Experiment in diese Richtung erledigt.
Selbst eine Diktatur scheitert daran, da die Spitzen der Diktatur auch nur menschlich sind und damit anfällig und makelbehaftet, wie wir alle. Dazu kommt aber bei Diktaturenn noch der unbedingte Anspruch der Führer, moralisch höherwertig als der Rest, also Elite zu sein, was den Gedanken an Gleichheit an sich ad absurdum führt.
Somit ist also der Himmel auf Erden oder, wie im Sozialismus propagiert einerseits 'Jeder nach seinen Fähigkeiten' andererseits 'Jeder nach seinen Bedürfnissen' nichts weniger als eine Utopie deren Versuch zur Verwirklichung aus den genannten Gründen in einer Dystopie enden wird und muss. (siehe Kuba, Nordkorea, etc.)

Kommentar geändert am 08.10.2021 um 10:08 Uhr

 EkkehartMittelberg (08.10.21)
Keine gesellschaftliche Reform kann darauf verzichten, dass jeder Einzelne zuerst an sich selbst arbeitet.
LG
Ekki

 tueichler meinte dazu am 08.10.21:
Hallo Ekki,

das bedeutet aber, dass man das eigene Menschsein überwinden müsste, das aber doch geprägt ist durch einen immanenten Egoismus. Ohne den wären wir ja nicht imstande zu überleben. Selbst im Altruismus erwarten wir ja (unter-)bewusst einen Gegenwert. Evolutionär hat uns das ja geholfen, prägt uns aber immer noch.

LG,

Tom

 HerzDenker (08.10.21)
Ich denke, wenn eine "kritische Masse" einigermaßen erfolgreich an sich gearbeitet hat und demnach weitgehend wissen müsste, was die beste Antwort auf das "Erkenne dich selbst?" ist, dann wird sich ganz organisch auch der beste Gesellschaftsentwurf dazugesellen. Meinem Gefühl nach ist da ein gemeinwohl-orientierter freiheitlicher Sozialismus nicht weit weg.

 tueichler antwortete darauf am 08.10.21:
Das liest sich ein wenig wie der Ansatz von Marx, dass eine Anäufung von Ereignissen (Quantität) dazu führen muss, dass eine neue Qualität entsteht. Damit würde ich sagen, ist für eine Änderung des Gesellschaftsentwurfs nicht notwendigerweise der Mensch bewusster Initiator im Sinne von 'wir ändern uns, dann erreichen wir etwas'. Vielmehr führt 'die Umstände ändern sich und aus Egoismus ändern wir unser Verhalten' zur Änderung einer Gesellschaft' oder zumindest von deren Entwurf.
Das führt allerdings unweigerlich zu Konflikten, da sich Umstände in einer Gesellschaft nicht gleichmäßig und gleichzeitig über alle Schichten der Gesellschaft auswirken. Diese Konflikte müssen ausgetragen werden und führen im besten Falle zu einem Kompromiss, der allerdings - dem marxschen Ansatz folgend - wieder nur temporär ist (nämlich bis zum Kippen der nächsten Quantität).
Das Manko des Ansatze ist, dass Quantitäten und Qualitäten nie eine Gleichzeitigkeit durchgängig in einer inhomogenen Gesellschaft haben (können).

 HerzDenker schrieb daraufhin am 08.10.21:
Lieber Tueichler, mein Ansatz war aber nun nicht gesellschaftlicher, sondern individuell-philosophischer Art.

 DanceWith1Life äußerte darauf am 08.10.21:
Kann sich jemand daran erinnern, wie es ist Laufen zu lernen?
War das erklärbar, theoretisch vorausdenkbar, hätte das was genützt.
Was nach dem ersten wieder hinfallen, usw....

Großes Kino, die Entwicklung, oder eigentlich Wiederentdeckung der Menschlichkeit, könnte man vermuten.

Antwort geändert am 08.10.2021 um 21:33 Uhr

 Graeculus (09.10.21)
Ist in diesem Modell die Möglichkeit vorgesehen, die Welt so zu lassen, wie sie ist?
Homer oder Lao Tse wären nie auf den Gedanken gekommen, "die Welt" verändern zu wollen. Wenn man den Maßstab der Moral an die Welt anlegt, sie ungenügend findet und dann mit den Umbaumaßnahmen beginnt, dann kann das nur schiefgehen. Und ist bisher auch immer schiefgegangen.
Der Glaube, sowas zu vermögen, ist menschliche Hybris.

 Regina ergänzte dazu am 09.10.21:
lassen kann man auch nur eingeschränkt, weil alles im Fluss ist und immer wieder Entscheidungen getroffen werden müssen.

 Graeculus meinte dazu am 09.10.21:
Natürlich müssen wir etwas tun, aber doch nicht gleich "die Welt verändern", "den Tod besiegen", "die Ungerechtigkeit überwinden".

 Graeculus meinte dazu am 09.10.21:
Denkst du wohl, du kannst das Universum in die Hand nehmen
und es vollkommener machen?
Ich glaube nicht, daß sich dies tun läßt.

Das Universum ist heilig.
Vollkommener machen kannst du es nicht.
Wenn du es zu ändern versuchst,
wirst du es zugrunde richten.
Wenn du es festzuhalten versuchst,
wirst du es verlieren.
(Laudse, 29)

 Agnete (09.10.21)
wenn man an eine Wiedergeburt glaubt, kann man das so sehen, liebe Regina. Jeder hat einen Weg vor sich. Mancher bewältigt ihn in einem Leben, mancher in mehreren.Mancher nie.
Wer nicht daran glaubt, dem wird eine Antwort schwer fallen. Er wird tausend Gründe anführen, weshalb immer die anderen schuld sind.

LG von Agnete

 Regina meinte dazu am 09.10.21:
Tja, die Sündenbockphilosophie, die gibt es auch.

 LotharAtzert meinte dazu am 09.10.21:
Ach Agnete - wer hat dir denn das Märchen vom Glauben erzählt.
Tibetische Lehrer müssen harte Prüfungen bestehen, bevor sie sich "Reinkarnation" (Tulku) nennen dürfen.

LG von Lothar (Sungrab Gyatso)

 Agnete meinte dazu am 09.10.21:
das ist doch wieder "Menschenkram", genau so wie der Papst in der Kirche. Wenn es sowas gibt, Lothar, dann wird einem das geschenkt. Nicht durch Prüfungen erlangt. Es ist schade, dass Menschen, die eine Ideologie verbreiten wollen, immer meinen, sie wären unverzichtbar. LG von Agnetge

 harzgebirgler (13.10.21)
edel sei der mensch, hilfreich und gut,
damit er endlich das, was nötig, tut!
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