Grit

Text zum Thema Liebe und Sehnsucht

von  Verlo

Auf dem Campus der Universität Potsdam in Golm, da wo vorher die Hochschule der Stasi war, da wo vorher Offiziere auf den Führer eingeschworen wurden, da wo vorher des Königs Offiziere durch Spießruten trieben, da wo vorher Anichen um Hinkelsteine tanzten und sich mit Göttern paarten, sprach mich, eine Zigarette rauchend, Grit an: Andreas, du bist ja auch ein älteres Semester wie ich, das macht das Studium ja nicht leichter.
Ein große schöne Frau, deren Namen ich nicht kannte, deren Gesicht ich nicht erinnerte, obwohl kein Mann es vergessen würde, nannte mich bei meinem Namen, drängte sich mir auf. Ich antwortete: Mein Alter macht mir keine Sorgen beim Studium, aber ich hätte „Call me Ishmael“ sagen und sie stehenlassen sollen, denn, so stellte sich später heraus, ihr ging es nicht um mich, sondern sie wollte einen Freund, der ebenfalls Andreas heißt, den sie vergrault hatte, weil er unter anderem seine Liebe durch eine Suppen-Diät bekräftigen sollte, ersetzen, obwohl das an sich nichts Schlechtes ist, wenn man mit dem anderen nicht ebenso fortfahren will, vorausgesetzt, der Neue mag seine Liebe weder bekräftigen noch Suppen-Diät. Ansonsten ...
Ansonsten hab ich Grit geliebt wie nach Dagmar nie wieder eine Frau (Stand Herbst 2018). Und das nicht nur animalisch, sondern auch kosmisch für die Sätze, die sie nebenbei sprach, obwohl die meisten Schreiber sie sich nicht abringen können, für die Geschichten, die sie eben mal so tippte, obwohl die den meisten Kreativen nicht im Traum einfallen. Aber sie suchte einen Mann, um den sie sich kümmern konnte, keinen Partner.
Ich hätte ihr die Flügel geleckt, jeden Morgen ... Aber ich sollte Suppe schlürfen.


Anmerkung von Verlo:

Ein Auszug auf meinem Buch "Kein großer Plan".

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