Theodor W. Adorno: Negative Dialektik

Gedanke zum Thema Abstraktes

von  Terminator

Im August 2009 war es das erste philosophische Buch nach dem Hegel-Jahr 2008, ein Anti-Hegel, aber nicht aus Reflexionsmangel und darausfolgendem Ressentiment, sondern aus konsequenter gedanklicher Durchdringung von Hegels Werk. Schopenhauer ist kein Kritiker Hegels, er ist nur sein Neider. Aber Adorno ist ein Kritiker Hegels.


Die Identität von Denken und Sein setzt die Nichtidentität von Denken und Sein voraus, denn wären Denken und Sein nicht unterschieden, könnte keine Identität behauptet werden. Ist aber die behauptete Identität nun im Denken oder im Sein? Es ist ja das Denken, das die Identität von Denken und Sein behauptet. Aber sind Denken und Sein auch identisch?


Seiendes ist, Nichtseiendes ist nicht, so Parmenides. Die Identität von Denken und Sein ist in der Philosoiphie des Universalien-Realismus (vor der nominalistischen Wende) im Sein. Das denkende Subjekt nimmt sie bloß wahr; das Denken ist passiv, empfangend. In der Philosophie der Neuzeit ist die Identität von Denken und Sein im Denken: das denkende Subjekt ist aktiv, autonom, es versichert sich sogar seines eigenen Seins durch den Akt des Denkens: Ich denke, also bin ich, so Descartes.


Die Identität von Denken und Sein und die Nichtidentität von Denken und Sein ergeben einen Unterschied, der aber keine Verschiedenheit ist: Denken und Sein sind im Denken und im Sein unterschieden, aber nicht verschieden, denn Seiendes kann gedacht werden, und das Denken bezieht sich auf Seiendes, und nicht auf bloße Vorstellungen eines solipsistischen halluzinierenden Geistes.


Ist der Einzelne denkend (Subjekt), so geht er nicht im Allgemeinen, im Sein, auf, denn er kann autonom einen Unterschied setzen. Das einzelne Individuum ist der Unterschied, der vom Allgemeinen, unseretwegen Weltganzen, unterschieden, aber nicht verschieden iast.


Ist der Einzelne seiend (Objekt), so geht er nicht im Hegelschen Weltgeist auf, wird nicht durch die zu Ende gedachte Welt vertilgt, sondern bleibt übrig als ein Rest, der nicht in der Theorie, im Staat, in der Gesellschaft aufgeht. So verstehe ich Adorno.


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