Nie wieder eine Katze!

Tagebuch zum Thema Allzu Menschliches

von  Mondscheinsonate

Grundsätzlich kam meiner Oma keine Katze mehr ins Haus, das sagte sie jedes mal, wenn ein Schnurrer von uns ging. Susi lebte 19 Jahre bei ihr, das war eine Siam, so eine schöne wie Pyewacket in dem Film mit Kim Novak. Mich wundert heute noch, wie meine Liebe zu den schönen Tieren entstehen konnte, denn mein erster Kontakt mit einer Katze war eben Susi und kein anderes Tier war aggressiver als sie. Sie lauerte richtig bis man kam und dann sprang sie einen an und kratzte, biss sogar und wenn sie die Oma hörte, hörte sie sofort auf zu kämpfen, lief zu ihr, schmiegte sich an ihre Beine, maunzte und beklagte sich bitterlich. So ein Mistvieh, sagte der Opa, so ein Monster, sagten alle anderen, die Oma rief: "Ihr quält das arme Tier nur!" 


Nun, Susi wurde, wie erwähnt, eben 19 und als sie starb kamen Mischa und Peggy, gleich kurz danach, das waren Tierheimtiere. Die Oma wollte etwas Gutes tun, sagte sie, aber ob das so gut war, ist im Nachhinein zu bezweifeln. Mischa wurde mutmaßlich von einem Tiger gefressen (tatsächlich!) und Peggy stürzte oft die Stiegen hinab, die hatte Epilepsie. 

Das, mit dem Tiger war sowieso so eine Sache, aber ich habe das schon mal erzählt, der Zirkus kam und die Katzen verschwanden. War schon unheimlich, neben Tigern zu schlafen, ich kam mir vor wie Mogli, spielte auch, dass ich Mogiline sei, weil ich ein Mädchen bin und wollte immer Tinka, die graue Nachbarskatze, zähmen, aber die pfiff mir was, stiegt hoch erhobenen Hauptes und Schwanzes durch den Hula Hoop-Reifen, den ich in Bodennähe hochhielt und würdigte mich keines Blickes dabei und verschwand, genehmigte mir gnädigerweise einen "Sprung". Verzweifelt rief ich, sie solle doch stehenbleiben, sie sei doch schließlich Baghira, nein, war sie nicht, sie war grau und landete in der grünen Tonne, die war für Sondermüll, jemand überfuhr sie mit dem Auto und entsorgte sie dort. Diese Tonne hatte jedes Haus, da konnte man alles hineinwerfen, das nicht fettig war, das wurde getrennt, aber für die Tinka wäre diese Tonne nicht gewesen. So öffnete die Oma in der Früh den Deckel, fing zu schreien und weinen an und schließlich schimpfte sie über die Rohheit der Menschen. Ich weinte am meisten, weil ich Tinka liebte und ich sagte, wenn ich groß bin, dann kauf ich mir eine Tinka und dann war ich groß und kaufte mir einen Loki und jetzt einen Emil, graue Katzen liebe ich einfach, die Oma liebte alle Katzen, ich sowieso auch, aber die Oma sagte immer, es kämen ihr keine mehr ins Haus, aber selbst, wenn sie sich keine geholt hätte, dann kamen sie immer, weil früher waren noch die Türen offen und jeder konnte zu jedem gehen und alle waren überall willkommen, das war früher so und so fühlten sich auch die Nachbarkatzen willkommen und das ging dann auch schon so weit, dass die Oma am Fußende ihres Bettes ein Handtuch hinlegte, da schliefen alle Katzen, jeden Tag eine andere, weil die kamen über das Vordach hereingesprungen und in der Früh lagen Katzen im Bett, immer, egal von wem, aber wirklich brav immer nur am Fußende und das war erstaunlich, denn meine Katzen schlafen immer nur neben mir. Wie auch immer, die Oma holte sich nochmals zwei Katzen, wieder aus dem Tierheim, mir fallen die Namen nicht mehr ein, auf jeden Fall Prachtkater waren das, Main Coons, größer als jeder Hund, übertrieben, aber schon groß, ah, das war der Schnurrli und der Putzi, jetzt weiß ich es wieder, aber der Schnurrli, der schnurrte voll viel, wenn man ihn streichelte und plötzlich, wenn man es am wenigsten erwartete, kratzte und biss er. Schnurrli hat die Seele Susis in sich, das sagten die Leute, mir war's egal, ich kuschelte, bis er kratzte, ich konnte nicht anders. Aber dann...

...kamen nicht mehr der Oma keine Katzen mehr ins Haus, nein, die Katzen verloren die Oma und die Nachbarn kümmerten sich dann um beide. Der Opa kam ins Heim, die Kusinen wollten etwas Gutes tun.  






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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (05.01.22, 16:43)
Ja,
mit dem Guttun isses so eine Sache!
Im Grunde ist eine Katze wohl kein Haustier und ein Opa kein herrenloser Hund.
Aber auf Zwerge hört eh niemand.

In gewohnter Manier abwechslungsreich und pointiert erzählt.

Respekt!
Der8.

 minze (05.01.22, 16:59)
Ich finde es schön, dass du so nah an deinem früheren Ich bist und so lebendig das erzählen kannst. 
Gerade, wenn du dich auf ein Thema, wie hier, ganz intensiv einlässt/ konzentrierst und darin alles ausbaust / wiedergibst, was es für dich in der Kinderperspektive so ist. Das belebt dann nebenher von sich aus die Schauplätze/Figuren.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 05.01.22 um 17:02:
Ja, ich kann nur über Dinge schreiben, die ich erlebt habe. Außerdem hole ich mir so alles wieder zu mir, ich brauche das, vermisse alle sehr. Danke!

 minze antwortete darauf am 05.01.22 um 17:07:
es ist schön, auf diese Art mit sich in verschiedenen Dimensionen verbunden zu sein!

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 05.01.22 um 19:09:
Und mit denen, die längst nicht mehr sind.
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