Was ist ein Impfzwang?

Satire zum Thema Aktuelles

von  Agnete

Dieser Text gehört zum Projekt  Corona-Texte


Was ist ein Impfzwang

 

Diese Frage stellt sich am Neujahrstag eine studentische  Diskussionsgruppe der linguistischen Fakultät  Universität Storkow, Brandenburg unter der Leitung von Dekan Schmolz. Beteiligt am Gespräch sind auch Vertreter der philosophischen Abteilung, Prof. Dr. Habecht und Vertreter der „Neuen Kultur Deutschlands“, einer Vereinigung der  „Anonymen Politikverdrossenen“ aus dem brandenburgischen Umfeld.

Von der örtlichen Presse angepriesen, ist der Gemeindesaal am kleinen Dorfplatz voll. Man schaut in erwartungsvolle Gesichter, schon im Foyer wird heimlich abgecheckt, wer zu wem gehört, was wer wohl vertreten könnte. Manche erwarten eine hitzige Diskussion, manche erhoffen sich eine tragende, besonders der BWL-Dekan Linder, der kurzfristig dazu kam, nachdem ein wissenschaftliches Treffen zum Thema „ Haarverpflanzung- aber richtig“ wegen Corona abgesagt wurde. Stühlerücken, Stiefelscharren, dann Ruhe. Alle sind G 2 Plus, viele sind geboostert. Also eigentlich 3G. Aber wer weiß das schon noch. Hauptsache, die Security weiß es. Macht man ja, um an solchen oder anderen Veranstaltungen teilzunehmen. Dies ist Kultur und Kultur ist ein Bestandteil unserer zivilisierten Gesellschaft. „War der Bäcker, der pleite ist im Dorf, auch Kultur? fragt einer bissig von den Anonymen  seinen Sitznachbarn. Keine Ahnung, antwortet der, ich bin  nicht aus diesem Dorf.

PSSST, Dekan Schmolz eröffnet die Diskussion. Wir wollen das ja so ein bisschen so nachstellen, als wären wir ein Parlament: Was ist ein Impfzwang?

Stille. Niemand sagt etwas. Schließlich blafft ein Anonymer: Na so wat, wat wir demnächst hier haben, wa? Ein Student wirft sachlich ein: Das Verb „zwingen“ entstammt dem mittelhochdeutschen dwingen, twingen, quingen, bzw, dem  althochdeutschen: thwingan, dwingan, twingen, was soviel wie „zusammendrücken“ bedeutete. Ja, ike lass mir doch nich zusammendrücken, blafft der Anonyme. Ein Student der Philosophie argumentiert: Ein Impfzwang, bzw. korrekt auch eine Impfzwängin könnte, wie man an dem Herrn ja sieht, soziale, gesellschaftliche Verwicklungen nach sich ziehen. Dass sich Menschen mit einem nicht komplett erforschten Impfstoff, über den man nichts Genaues weiß, mal alle 5 Monate, alle 3 oder nach Belieben auch jede Woche mal so eben impfen lassen müssen, das wäre vom Ethischen her gewagt, sagt einer von Habechts Truppe. Mit uns ist das nicht zu machen, wirft einer von Linders ein, mit uns wird es keinen Impfzwang geben! Auch keine Impfzwängin? fragt ein Student.

Ein Plakat wird im Publikum erhoben: „Impfzwang ist Wählerverarsche.“ Kurz entsteht ein Tumult, dann führen breitschultrige Security-Leute die Plakatträger weg.

Dekan Schmolz schaut erschüttert und murmelt ins Mikrofon: Bitte, bitte! Rechte Aufwiegler brauchen wir hier nicht. Wir wollen hier eine ganz sachliche und breit gefächerte Diskussion führen.

Manche nicken, alle schweigen. Einige husten.

Ich würde vorschlagen, dass man den irritierenden Begriff „Impfzwang“ ersetzt durch „Impfpflicht“. Das ist interessant, sagt ein Philosophiestudent. Das ginge sogar für Tierfreunde, Zwinger, Hundezwinger, schlecht. Aber Hundepflichter gibt es nicht. Einer Pflicht kann man sich entziehen trotz Strafmaßnahmen, einem Zwang nicht! Einer von Linders BWLern widerspricht: Aber durch gesellschaftliche Ausgrenzung, wird man rasch zum Impfgegner und Impfgegner sind schuld an dem, was wir jetzt haben. An dem, was wir nicht haben, was wir aber hätten haben können…“ „Wat soll dat Jelaber he, seit he jeckisch?“ fragt einer von den Anonymen, der extra aus Köln angereist ist. „Dat is doch Datsellewe!“.

Nein, ist es nicht, antwortet einer der Habechten gefasst: Philosophisch betrachtet besteht bei Impfpflicht eine Möglichkeit der Ablehnung.“ Die besteht bei Impfzwang och, Männeken. Ike bin Wachschutz bei Köppe Stahl. Da soll mir mal einer aus de Bude holen kommen zum Impfen, schallt es von den Anonymen.

Jeder soll das nach seinem Gewissen entscheiden und nun abstimmen, unterbricht Dekan Schmolz mit wichtigem Lächeln. Schließlich soll das ja alles demokratisch ablaufen. Alle Punkte sind besprochen und wir sind uns einig darüber, dass es eine fünfte Welle nicht geben darf… Kichern und Gelächter im Saal. Prof. Linder pflichtet bei: Stimmen wir ab - nennen wir es Impfzwang, Impfpflicht oder hat jemand noch einen anderen Vorschlag?

Ein schüchterner Literaturstudent wirft ein: Impferlebnis. IMPFERLEBNIS, das isses doch! Viele klatschen Beifall, auch die von Linder -  die Anonymen verlassen aus Protest den Saal. Die Professor Schmolz grinst selbstgefällig. Ein erfolgreicher Abend, schreibt die Presse.

 

 


Kommentare zu diesem Text


 Browiak (09.01.22, 11:04)
Gut eingefangen, liebe Schreibkollegin ... und mit Humor und Scharfsinn persifliert!
Zaghaftes Winken aus der Fankurve der Geboosterten.

 Agnete meinte dazu am 09.01.22 um 22:36:
danke, Browiak. Bin ebenfalls geboostert und finde es ziemlich schlimm, dass man das bei einer solchen Satire, die man veröffentlicht, dazu schreiben muss... LG von Agnete

 Misanthrop antwortete darauf am 09.01.22 um 22:56:
Wer sagt denn, dass Du das herausposaunen musst?

 GastIltis (09.01.22, 15:48)
Ja Agnete,
als ich die Überschrift las, bekam ich Beklemmungen. Dazu muss ich bekennen, dass ich schon mehrfach beim Impfen zusammen geklappt bin. (Sonst auch, das aber nebenbei!)
Jetzt zum Glück nicht mehr. Also habe ich mich ans Lesen getraut. Dass du Satire so gut kannst, wusste ich gar nicht. Gut, Karneval, da ist Satire in der Schule wohl Hauptfach. Aber dass du es so gut rüber bringst! Hochachtung. Einziger Wermachtstropfen: Das Land Brandenburg. Wie soll ich das meinem Sohn beibringen? Muss ich wohl nun. Vielleicht muss er jetzt nicht zu jeder Schulung (Brandschutz, Sicherheit) nach Berlin. Storkow ist ja auch eine Alternative. Apropos Impferlebnis, ja, das hat was. Testerlebnis ohne Ergebnis wäre das nächste.
Liebe Grüße von Gil.

 Agnete schrieb daraufhin am 09.01.22 um 22:40:
danke für das Lob, lieber Gil. Satire schreibe  ich schon ewig, eigentlich komme ich aus der politischen Satire ( die Emma war mal eine Bühnenfigur)  und habe dann nach und nach mit KG und lyrischer Kurzprosa angefangen. Zu Storkow habe ich private Verbindungen, darum... Wollte sogar mal hinziehen, ist schln da...Lächeln und lG von Agnete

 Verlo (09.01.22, 23:09)
IMPFERLEBNIS   :) 

Da hab ich ja echt was verpaßt.

 Agnete äußerte darauf am 10.01.22 um 12:20:
ja, dann mal ran. Oder willst du nicht "dazugehören" GGG und danke von Agnete

 Verlo ergänzte dazu am 14.01.22 um 19:22:
... ja, sehr verlockend, wenn man ein Versager ist wie ich.

Nur werde ich auch hier nie zu den Besten gehören, weil die anderen so viel Vorstich haben.  ;)

 AchterZwerg (10.01.22, 07:08)
.

Dieses Impferlebnis werden wir nun öfter haben - mit zunehmender Geschwindigkeit.
Schon deshalb empfiehlt sich eine kostengünstige Flatrate, die zumindest den sog. Idiotentest überflüssig macht.

Bis dahin alles Gute
der8.

 Agnete meinte dazu am 10.01.22 um 12:21:
siehste , lieber 8 er, jedes Ding hat auch sein Gutes, böse Grins  und danke von Agnete
unefemme (63)
(10.01.22, 10:36)
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 Agnete meinte dazu am 10.01.22 um 12:22:
dein Text war auch nicht schlecht, femme. ich denke, ab und an versinkt ein Volk in geistiger Umnachtung, so immer mal wieder... danke und lG von Agnete

 Beislschmidt meinte dazu am 10.01.22 um 16:36:
Man spürt, dass du schon öfters solche Diskussionsrunden mitgemacht hast. Die Atmosphäre ist fühlbar nah beschrieben.

Ich denke, Satire ist es nicht ganz, dazu ist die Message zu nah an der Realität. 

Vor allem DAS hier findet sich in jeder Schublade eines jeden Podiumsleiters. Wie abgenudelt - und doch immer wieder gern genommen.

Bitte, bitte! Rechte Aufwiegler brauchen wir hier nicht. Wir wollen hier eine ganz sachliche und breit gefächerte Diskussion führen.
:dizzy: :P Beislgrüße

Antwort geändert am 10.01.2022 um 16:37 Uhr

 Agnete meinte dazu am 10.01.22 um 18:19:
da irrst du dich aber, lieber hans. Dies hier ist eine echte Satire. Du verwechselst es mit einem satirischen Kommentar, den ich auch oft schreibe. Danke und lG von Monika
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