Unerträglich

Tagebuch zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Gibt es beim Thema auch die Kategorie "Unerträgliches"? Ich habe jetzt gar nicht geschaut, muss ich ehrlich gestehen, aber das ist eben unsere Zeit. Jeder pachtet für sich die Wahrheit, zeigt mit dem Finger auf andere Menschen, aber das Lustigste, nein, das Unerträglichste ist doch, dass jeder sich selbst für superintelligent und SEINE MEINUNG für das Richtige hält. 

So gestehe ich, dass ich mich seit Monaten ausgeklinkt habe, anfangs habe ich mir Tag und Nacht so viele Gedanken gemacht, dass ich nur noch wenig wog und mir es gar nicht gut ging. Seit ich das nicht mehr mache, mich nur noch um meine Familie, Freunde, Job und Studium kümmere, ging es mit der Psyche wieder bergauf. Und, normalerweise bin ich ein weltoffener Mensch, ich habe mich der Welt verschlossen, alles verriegelt, zumindest, solange der Hurrikan an Verblödung und Besserwisserei, Gewalt, Ausgrenzung und Machtansprüchen tobt. 


Manchmal, ja, da bin ich sehr versucht, wirklich, mein damenhaftes Auftreten zu unterbrechen und zu schreien (auch schreiben): "Haben's dir eigentlich in dein Hirn gesch...?" - Man tut es eben nicht, schließlich werde ich Juristin, ich kenne das Strafrecht. Aber, das passiert nur, wenn ich wieder über Rechthaberei und Ausgrenzung stolpere. Was ich gut finde, nein, wirklich, oder ja, wirklich, das ist der juristische Dialog, der ein Für ein Wider der Pflicht diskutiert, die Diskussion über Grundrechte und so weiter und so fort, das ist toll, ich mag das, so wird wieder über Menschenrechte nachgedacht, die lange Zeit untergegangen ist. Es zeigt sich allerdings, dass diese Diskussion sich nicht in den Gedanken der Masse unterbringen lässt, da nur noch mit dem Bauch, nicht mehr mit dem Verstand argumentiert wird.


"*Aufstampf* - Ich hab' recht!" - das ist die Hauptsache und die größte Keule ist die Bildung, wer nicht recht hat, der ist dumm, wird in das dumme Eck gestellt. Interessanterweise gab es Studien, dass 54% der deutschen Kinder nach der 8.Klasse nicht sinnerfassend lesen können. Dies erzählte Prof. Liessmann in einem Vortrag über Bildung. In Österreich sieht es nicht besser aus. Er meinte auch, dass die Bildungskeule gerne hervorgeholt wird, aber im Ernst, was ist Bildung? Die Frisörin ist auch gebildet, sie hat etwas gelernt, aufgenommen und setzt es kunstvoll um oder ist nur die humanistische Bildung eben eine Bildung? Wer bestimmt, was Bildung ist, ernsthaft und noch was, interessant ist auch, dass seit zwei Jahren unzählige Ärzte und Juristen, gar nicht gegendert, aber gendert gedacht, auch Statistiker und Mathematiker in unseren Kreisen herumlaufen, die eine Universität noch nie von innen gesehen haben. Noch nie, wohlgemerkt, aber die kennen sich gut aus, haben alles im Internet gelesen, alles, ohne Reflexion. 

So gesehen, ja, es hat ihnen ins Hirn gesch..., aber kräftig, dem ganzen G'sindl, ob g'scheit oder nicht g'scheit, momentan ist ja jeder g'scheit und ich, ja, ich sage es offen, ich meine, mich interessiert das Thema nicht mehr, das ist für mich gegessen. Hier ein Punkt. Ich denke immer nur an Kant: Sapere aude! - Das mach ich, ich studiere mein langweiliges Zeug, um dann die Schäden der heutigen Zeit bearbeiten zu dürfen. Das wird dauern.



Anmerkung von Mondscheinsonate:

Art. 1 GRC
Würde des Menschen

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen.

Ein Nachtrag: 2020 schrieb "Die Presse", dass ein junger Mann (21) beim Klettern abstürzte. Er überlebte, allerdings sehr schwer verletzt. Die Meinungen darunter waren unterschiedlich, allerdings, der Großteil verlangte seinen Tod, da er ein Intensivbett beanspruchte, oder dass die Familie den Rettungseinsatz zu zahlen hätte. Grundsätzlich ging es aber in die Richtung Tod. Das war der Grund, warum ich mich ganz ausklinkte, denn das hält kein Mensch aus. Das macht etwas mit uns. Wer wünscht sich den Tod von anderen Menschen? Wer sind wir, dass wir den Tod wünschen dürften? Was ist das für ein Mensch, der sich den Tod eines anderen Menschen wünscht? Da wusste ich, ich darf nicht mehr darüber nachdenken, das ist wirklich ganz schlimm, was da abgeht. Also, schön brav die Pfötchen parallel stellen, wie man in Wien zu denen sagt, die glauben, sie wären besser und es nicht sind, nicht nur Leugner, Verleugner in das dumme Eck stellen. Es sind ALLE, die verrückt geworden sind, weil sie sich 24/7 mit diesem Thema beschäftigen, sich aber nicht mit ihrer Todesangst und ihrer Sterblichkeit auseinandersetzen wollen und können. Vielleicht auch kein Vertrauen in ihr Immunsystem haben und nicht überlegen, ob sie vielleicht ihr Leben ändern sollten, nicht mehr so viel Sch...e essen sollten, weniger saufen und rauchen, weniger Drogen. Was auch immer - es sind immer die Anderen die Bösen. IMMER.

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Kommentare zu diesem Text


 DanceWith1Life (12.01.22, 15:13)
Was diese ganze "Lockdown-pandemie-Impf und Schule-zuhause-Geschichte sehr breitflächig aufs Tablett gebracht hat, ist meiner Meinung nach ein sehr dramatisches Bild dessen, was unsere Bemühung angeht, uns um das Wichtigste zuerst zu kümmern.
Tja, das waren wohl die falschen Prioritäten, das Geld, das Auto, das Öl, die Waffen, der Fußball.
Man hört fast das Weltenall flüstern:
"Try something else, Human."
Was diese fürchterlich Stimmung angeht, die kann man auch beim einkaufen beobachten.
Ein Blickkontakt mit den Leuten an der Kasse, reicht für einen Kinofilm.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 12.01.22 um 15:25:
Ja, es macht etwas mit uns. Grauslich.

 derNeumann antwortete darauf am 12.01.22 um 22:23:
Guten Abend.

Das Elend in der Welt, den Klimawandel und sogar die Armut im eigenen Land konnten wir im Alltag verdrängen, aber die Pandemie packt uns gerade in diesem Alltag und viele Menschen haben die Angst, dass die empfundene Wirklichkeit nie real war.
Gibt es einen Weg zurück in die Matrix?

Gerne gelesen, auch wenn der Text noch ein paar Absätze vertragen könnte, damit die Leser kleine Lesepausen einlegen können.

es grüßt,
der Neumann

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 13.01.22 um 05:25:
Danke, das werde ich einbauen.

 derNeumann äußerte darauf am 13.01.22 um 13:05:
Mahlzeit.

Nach meinem Gefühl sind immer noch zu wenige Absätze und dafür zu viele Leerzeilen im Text. Mit einer "krummen" Erklärung möchte ich das mal verständlicher machen. Hoffentlich gelingt mir das.
Lesen kann in Zusammenhang mit Atmen gesehen werden. Einatmen, ausatmen - erster Satz, zweiter Satz. Dadurch machen kurze Sätze Tempo und lange Sätze verzögern, weil bis zu ihrem Ende der Atem angehalten wird oder an passender Stelle gewechselt wird. Es bleibt aber im Idealfall ein einziger Atemzug pro Satz.
Muss ein zweites Mal angesetzt werden, ist der Satz zu lang.
Absätze erlauben einen Atemzug ohne zu lesen, eine kurze Lesepause also.
Leerzeilen hingegen erlauben mindestens zwei Atemzüge. Die Pause ist länger und es wird ein Themenwechsel erwartet. Du wechselst aber gar nicht das Thema und die Pause ist "gefühlt" zu lang für mich.

Manchmal hilft es Abstand zum eigenen Text zu suchen (das schafft nur die Zeit), manchmal kann ein Text auch bewusst "eratmet" werden, manchmal reicht es schon den Text laut zu lesen und sich zu merken, wo welche Pause sein sollte.

Letztlich kannst Du den Lesern nicht vorschreiben, wie sie Deine Texte lesen oder verstehen sollen. Aber mit stilistischen Mitteln kannst Du die Richtung beeinflussen.

es Grüßt,
der Neumann

 Mondscheinsonate ergänzte dazu am 13.01.22 um 13:09:
Schöne Beschreibung, das mag ich. Grundsätzlich habe ich das Atmen längst verlernt, rase "Atemlos durch die Nacht" - um Gottes Willen, will man meinen, so ist es auch.

 AchterZwerg (13.01.22, 06:54)
Ja,
es ist erschreckend, wie oft Menschen bereit sind, private Triage-Entscheidungen zu fällen und deren Durchsetzung zu fordern.
Die Würde des Menschen ist unantastbar - doch zuweilen hört der Mensch auf, überhaupt Mensch zu sein.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 13.01.22 um 14:56:
Das sollte man verhindern zu wissen... MAN SELBST.
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