Gesundheit

Gedanke zum Thema Abgrund

von  Mondscheinsonate

Nein, es geht nicht um Corona, da muss ich die Jünger und Gegner enttäuschen, wohl das Peinlichste, das Wort "Schwurbler", was soll diese Wortkreation, das ist genauso gestört wie Gutmensch, manche Wörter sind derart hässlich, fürchterlich, rein nur von ihrer Gestaltung her, so unästhetisch, aber man plappert schließlich gern alles hirnlos nach, genauso wie diese idiotischen Denglischaussagen, da fange ich richtig zum Würgen an, nur noch zum Schämen, ja, die Sprache verändert sich, aber leider nicht zum Guten, egal, es geht auf jeden Fall nicht um das Gähnthema, das mir persönlich schon zu langweilig geworden ist, aber um das Gesundheitssystem, so stand ich vor dem Bankomaten und dachte mir im Stillen, warum die, die vor einem stehen, immer länger brauchen als man selbst, fragte mich, was sie eigentlich tun, kam dann an die Reihe, war in 45 Sekunden, so machte ich mir den Spaß die Stoppuhr aufzudrehen, fertig und ging einkaufen. Ich brauche jetzt immer ein bisschen länger, weil ich mir Inhaltsstoffe und Herkunft genau ansehe, muss glauben, was steht und dann überlege ich, was ich dazu machen werde. 

Vor zwei Jahren war ich bei der Ernährungsberatung, da ich eine Histaminunverträglichkeit habe und Darmprobleme bekam. Damals war ich noch nicht soweit, ich konnte mich nicht an den Gedanken von gesundem Essen gewöhnen, betrieb 45 Jahre Raubbau an meinem Körper, liebte die fettige Leberkässemmel, das Schnitzerl, Nudeln und Co. Plötzlich, ich weiß eigentlich gar nicht warum, es war im Sommer, wo ich übrigens am meisten esse, was absurd erscheint, aber so ist, bestellte ich mir um die Mittagszeit täglich bei Shiyu, das ist ein asiatisches, meist auch veganes Essen, es war perfekt, kaum noch Fleisch, hauptsächlich Fisch und natürlich ignorierte ich meine Unverträglichkeit weiterhin, jedoch aß nur noch gesund, wenngleich, mir ist durchaus bewusst, gesundes Essen ist relativ, wenn man es nicht verträgt. Aber, eben, seit dem Sommer mag ich nichts Fettiges mehr, auch vor Nudeln ekelt es mich, das ist sehr seltsam.

So stand ich in der Kassenschlange, vor mir eine beleibte Dame um die 60, die Augenbrauen waren zu einem schwungvollen Bogen aufgemalt, so wie es die Filmschauspielerinnen in früheren Zeiten hatten, sah ihr zu, was sie kaufte. Es war alles purer Zucker, Fett, pure Chemie. Hinter mir dasselbe bei einer jungen Dame mit Kind.


Unsere Gesellschaft neigt dazu, sich in ein Thema zu verbeißen und das, genau nur das, zählt. Weitere Gründe werden ignoriert und verschleiert. Es geht hier nicht um Fettleibigkeit, ich habe 50 kg und war sehr, sehr krank, das, weil ich nicht auf mich aufgepasst habe und wenige passen auf sich auf. Die Ernährung sprengt unser Gesundheitssystem, das Unbedarfte, die Völlerei. Mein Vater war komplett fettleibig und hatte vor 365 Tagen eine dreifache Bypass-OP, jetzt eine Fettleber. Erklärte er mir heute, daran seien einzig und alleine die Rumkugeln Schuld, er hätte damit übertrieben. Ja, er glaubt, was er sagt und mein Vater ist nicht dumm, er suchte krampfhaft eine Ausrede für 74 Jahre Raubbau mit Wohlstandsfressen. 

Natürlich, ich zahle jetzt mehr Geld, die Bio-Dinge sind teuer, aber ich zahle es gerne. Auf den Wochenmarkt im Frühjahr freue ich mich auch schon, da gibt es dann tatsächlich Bio-Essen vom Bauern und mit Stiefmutti fahre ich alle zwei Wochen in einen Bio-Laden außerhalb der Stadt. Auch kaufe ich mir Kochbücher der gesunden Küche und es macht mir so Spaß, das für mich fremde Terrain zu erkunden. 

So habe ich genug das System geschröpft, darauf habe ich nie wieder Lust, überhaupt auf Nadeln und Substanzen, Gift, und Brötchen mit fettiger Wurst. Die Geschmacksexplosionen, die ich bereits erlebt habe, hatte ich nie bei Zucker, nicht einmal bei Torten. Auch bin ich seelisch besser im Gleichgewicht, sofern mein Naturell es zulässt. 

Nein, nicht nur EINE Krankheit schröpft, wir kippen geradewegs alle das System mit Wollust. 


Kommentare zu diesem Text


 DanceWith1Life (22.01.22, 15:01)
Hier sollten doch jetzt mindestens 12 mal 630 Wörter lange Kommentare erscheinen, einer gesünder als der andere, lach.
lg
StaubDerZuGemüselasagneTanzt

 AndreasG meinte dazu am 22.01.22 um 18:58:
'Nabend.

Zuerst fühlte ich mich an einen Roman erinnert, von dem ich nicht mehr viel weiß, aber der mich mit seinem ersten Satz beeindruckt hat. Dieser Satz ging über fast zwei Seiten und galt in den 50ern wohl als "kunstreich".
Diese Mode ist seit einigen Jahren zurück, vor allem im Poetry-Slam - und gesprochen/vorgetragen kann das durchaus gut sein. Es selber zu lesen empfinde ich allerdings als anstrengend und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es so lesen kann, wie Du es Dir gelesen vorstellst. Zudem könnten da problemlos mehrere Sätze draus gemacht werden.

Der Text selber gefällt mir. Nach dem ersten Satz liest sich alles flüssig und abwechslungsreich und die nachdenkliche, fast melancholische, Note bei so einem Thema passt hervorragend.
Danke, gerne gelesen.

lg Andreas

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 22.01.22 um 19:13:
Lieber Andreas, Danke!
Ich muss dir etwas gestehen, dass ich immer darauf losschreibe, ohne irgendetwas künstlerisch gestalten zu wollen. Das bin ich, keine Kunstform, nur eine Cori.

 niemand (22.01.22, 20:13)
Ich setze mich ganz bestimmt in die Nesseln, wenn ich vermute, dass Dein sich besser/gut Fühlen vielleicht garnicht so von den gesunden Dingen kommt, sondern ausgelöst wird/wurde von der seelischen Euphorie etwas zu tun, was die Gesellschaft von Dir erwartet und zwar erwartet im momentanen Gesundheitswahn. Diese Predigten von allen Seiten, diese Gesunheitspropheten, diese Wohlfühl-Docks, diese steten Selbstoptimierer haben ganz sicher einen großen Einfluß auf nicht wenige. Dass sich, sofern man ihnen folgt, eine Art Placebo-Effekt entwickeln kann scheint mir gar nicht so falsch zu sein. Wie gesagt, man kann an diesen Dingen Freude entwickeln und somit einen positiven Einfluß dieser Freude verspüren. Doch Freude empfinden ist ein weites und breites Feld und letztlich ist es dann egal woran man sich freuen kann, Hauptsache man tut es. Wie gesagt Glaube versetzt Berge. Ich kenne einige Leute, die so fanatisch gelebt haben. Alt sind sie nicht geworden, aber gesund sind sie gestorben. Na, ja vielleicht hatten sie doch keine so große Freude daran, wer weiß.
Nichts für ungut, fühl Dich bitte nicht gleich angegriffen, aber sagen wollte ich es nunmal.
LG niemand

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 22.01.22 um 20:25:
Oh, jetzt "kennen" wir uns schon so viele Jahre, hatten auch Differenzen, fühle mich definitiv nicht angegriffen, wir sind ja die alte Garde. Im Übrigen, mit dir diskutiere ich viel lieber, na ja, das nur am Rande. 
Ich glaube, ich muss gestehen, dass mir diese "Tod und Verderben"-Zeit dermaßen auf die Nerven geht, dass ich vermutlich -ich rauche kein Gras - deshalb auf das Grün, Rot und Bunt stehe. Ich male mir die Welt gesund, klingt nach Pippi, vermutlich ist es auch so. Ich poste im FB auch fast nur noch Katzen, die sind lieb. Ich gebe also zu, ich brauch das, diese heile Welt, mir ist es 2020 echt nicht gut gegangen und ich meine ehrlich, diese Welt schmeckt mir gut und das Befassen mit neuen Dingen, sieh es als Hobby, lässt das Gruseln zurücktreten. An dem Ganzen ist nichts aggressiv. Und, wenn ich meine, es ist einfach ungesund, so liege ich gar nicht falsch.
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