Blick vom Balkon

Prosagedicht zum Thema Fremde/ Fremdheit

von  Agnete


Verknöchert

wie der Ast des vor Jahren

verstümmelten Baumes,

verbittert wie der abgestandene

Kräuterlikör im Schrank,

trägt man hier

noch Hut.

 

Kalter Nebel fällt

auf die Stadt,

auf alles,

verhüllt,

macht unsichtbar.

Und sie geht ins Zimmer,

um sich selbst zu hinterfragen.


Kommentare zu diesem Text


 niemand (23.01.22, 12:00)
Ich weiß zwar, liebe Monika, was Du mit dem "trägt man hier noch Hut" sagen willst:
Gestriges. Doch wenn man sich so umguckt, fällt einem auf, dass inzwischen junge, sich selbst
als fortschrittlich betrachtende männliche Menschen Hut tragen. Originalitätssucht. Anders kann ich mir das nicht erklären. Altes aus dem Schrank fischen um sich wichtig zu tun. Besonders sogenannte Klein-Prominenz 8-) Die sehen dann aus wie Opa in Jeans und Turnschuhen mit
Deckel am Kopp. Alles Eitelkeiten. Der "abgestandene Kräuterlikör" gefällt mir!
Mit lieben Grüßen, Irene

 Browiak meinte dazu am 23.01.22 um 15:23:
@Agnete: Wohnst Du etwa auch in den öden Weiten Südniedersachsens?
Hier trägt man(n) gerne Cowboyhut und der dazugehörige Ehebrocken was 20er-Jahre-mäßiges Selbstgefilztes.
Und ich gehe ins Zimmer, um mich zu fragen: Warum nur, warum? :ermm:

 AchterZwerg antwortete darauf am 23.01.22 um 18:48:
Du kommst aus Niedersachsen, aus der Rübenfeldergegend?
Wenn ich das geahnt hätte! :(

 Agnete schrieb daraufhin am 23.01.22 um 18:52:
Browiak, köstlich, dein Kommentar. Ich hatte zunächst hinter Ehebrocken ein Komma gelesen...Siehst mich breit grinsen... nein, isch komme us Kölle un bin wejen et Enkelsche op de schäl Sick jezoche: Berrrgisches Land... G und danke von Agnete

Antwort geändert am 23.01.2022 um 18:56 Uhr

 AchterZwerg (23.01.22, 18:51)
Manche müssen noch nicht mal ins oder aus dem Zimmer gehen, um sich selbst zu hinterfragen.
Da reicht das Smartphone!

Ich geh dann auch mal, nä?

 Agnete äußerte darauf am 23.01.22 um 18:55:
man kann auch "in sich gehen", 8 er, aber dat wollte dat Isch nit...
Liebe Irene,
ich denke, es gibt verschiedene Hüte, viele Jungen imitieren vielleicht Brings, das soll dann cool sein.
Alte Opas tragen Cowboyhüte und gehen damit durch die Stadt, ihr Oferd läuft hinter ihnenund schickt sie in den DM anstatt in den Saloon...
und dann die alten Hüte, die manche tragen wie einen Orden...
danke dir und du hast es schon genau verstanden. LG von Monika
Kleine Speilerei: wenn man Hut weg lässt, dann bekommt man einen anderen Sinn, auch wenn man dort eine Pause macht. verknöchert trägt man ( was man zu tragen hat).

Antwort geändert am 23.01.2022 um 18:57 Uhr

Antwort geändert am 23.01.2022 um 18:59 Uhr

 monalisa (24.01.22, 08:44)
Hallo Agnete,
ich mag den Aufbruch aus der Verknöcherung durch das "sich selbst hinterfragen", der aber dann doch im Zimmer steckenbleibt, aber vielleicht wäre das schon der nächste Schritt - in die Welt hinaus, ins Leben in Gegenwart und Zukunft ...

Gefällt mir!

Ich hab gerade bei mir gedacht, ob nicht ein
"trägt man hier
(noch) alte Hüte"
nicht ein noch noch deutlicheres Bild ergäbe? Das lass ich dir einfach mal so mit Fragezeichen hier!

Liebe Grüße
mona

Kommentar geändert am 24.01.2022 um 08:45 Uhr

 Agnete ergänzte dazu am 24.01.22 um 10:19:
danke, liebe Mona, für deineGedanken. Der alte Hut ist ja eine Metapher und genau die ist hier ( auch) gemeint. Der alte Hut würde aber die Gedanken von niemand dazu, die ich auch hatte, nicht implizieren. Deshalb lasse ich es so. LG und danke von Agnete

 monalisa meinte dazu am 25.01.22 um 08:03:
Ja, wenn das so gewollt ist, dann ist ja alles gut :) !
Ich hatte halt den Eindruck, dass die Gedanken von niemad eher vom Text wegführen als konzentriert auf den Punkt zu bringen. Vielleicht habe ich aber auch nur zu oberflächlich gelesen.

Liebe Grüße
mona

 harzgebirgler (24.01.22, 18:39)
nebel wirft wen oft auf sich zurück
und der nimmt sich dann ernst selbst in' blick.

lg
harzgebirgler

 Agnete meinte dazu am 24.01.22 um 19:04:
ist nicht das verkehrteste, harzer. Lieben Dank und lG von Agnete

 Perry meinte dazu am 30.01.22 um 19:40:
Hallo Monika,
seit meine Haare nur noch für ein Poetenzöpfchen reichen trage ich Vollbart und Hut bzw. Kappe, auch um meine Gehirnzellen vor Hitze und Kälte zu schützen.
Mein Likör hat 56 Kräuter und 35%, der steht nicht so schnell ab. :)
Gern Mitgeflunkert und LG
Manfred

 Agnete meinte dazu am 31.01.22 um 20:46:
dann bin ich ja froh, dass meine haare alle noch da sind... GGg und nke Manfred von Monika
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram