Nur noch aggressive Pöbelei

Text zum Thema Abrechnung

von  Mondscheinsonate

Dieser Text gehört zum Projekt  Corona-Texte

Nein, Nein, das war schon vor Corona, noch bevor das Virus vom Affen auf den Menschen sprang, oder so. Egal, was man sich im Netz ansieht, Menschen kotzen sich aus, ich mache auch gerade nichts anderes, aber das ist mein Text, das ist der grobe Unterschied. So schreiben sie unter dem Thread der österreichischen Justizministerin, nachdem sie kundtat, dass sie es nach jahrelangen Verhandlungen endlich geschafft haben, dass JustizwachebeamtInnen zu den Schwerarbeitern zählen, komplette Themenverfehlungen, sind den unterbezahlten Angestellten, das Wort "Beamte" ist eigentlich Fehl am Platze, ein paar freie Tage mehr im Jahr und ein bisschen Sold neidig, eine fragte sogar, ob die Polizei zu den Schwerarbeitern zählt, wobei jeder weiß, dass die Polizei ganz eine andere Berufsgruppe ist, regen sich auf, dass das Pflegepersonal schwerer arbeitet und so weiter und so fort, nur Neid. Wenn der Bundespräsident etwas schreiben lässt, wird er gedutzt, beschimpft und besudelt. Ich mag den Spruch nicht, dass "früher alles besser war", allerdings das war es schon. Mir käme das nicht einmal in den Sinn, ein Staatsoberhaupt zu beschimpfen. Ja, in sozialen Netzwerken geht das.

Aber, das war schon vor Corona, besonders als die Flüchtlinge in Strömen kamen, plötzlich krochen die Idioten aus allen Gruppierungen aus den Löchern.

Nein, Bildung ist kein Allerheilmittel, man müsste ihnen den Hahn abdrehen, das Netz kappen, dann müssten sie sich wieder eine eigene Meinung bilden und im Miteinander wieder überlegter sprechen. Die Berührungsangst gehört wieder her, das ist, was fehlt.

Ich hasse dieses Wirtshausgepöble, das macht mich ganz unrund.


Eigentlich wollte ich über die schöne Goethe-Biografie von Safranski referieren, über Goethe gibt es mehr als genug zu reden, aber dieses Drecksgerede, nicht einmal ganze Sätze können sie schreiben, hat mir meine Gedanken gestohlen. Wenigstens habe ich auf das Arbeitsrecht ein Gut, privat läuft es gut, zumindest bildungstechnisch.

Gepöbel Ende.


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Kommentare zu diesem Text


 Tula (26.01.22, 21:48)
Hallo
Das Netz ist die Spielwiese bzw. der Jahrmarkt aller Gelangweilten und leider auch der Hasser. Im Netz darf man alles, dazu haben die Leute ja Nicks. Ja, traurige Zeiten ...

LG
Tula

 Mondscheinsonate meinte dazu am 27.01.22 um 04:40:
Wirtshaus, ein einziges.

 Graeculus (26.01.22, 23:18)
Ich mag den Spruch nicht, dass "früher alles besser war", allerdings das war es schon.
Nein, das denke ich nicht. Früher, das war doch, als Thomas Bernhard über Österreich geschrieben hat, oder?


Und was das Staatsoberhaupt angeht, so erinnere ich mich noch gut, wie man sich lustig machte und schimpfte über den deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke.
"Brandt an die Wand / Widerstand!" über Willy Brandt stammte auch aus dieser 'guten alten Zeit'.

Ironisch habe ich einmal gesagt: "In jeder Generation schimpfen die Alten über die Jungen. Nur sind wir die erste Generation, die damit recht hat."

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 27.01.22 um 04:38:
Lieber Graec, es wurde immer gepöbelt, das stimmt, allerdings jetzt sieht man es komprimierter, jeden Tag, auf unerträglichste Weise und wegen jedem Sch...
Schüler demonstrieren. Die sollen lieber was lernen in der "Pantemie" als demonstrieren. Jetzt haben wir zwei Jahre Pandemie, das Wort wird noch immer nicht richtig geschrieben und neidig sind sie selbst auf die Jüngsten. Aber, du hast Recht, es war nicht besser, nur man hat es nicht überall gesehen.

 Judas (27.01.22, 11:26)
Das war, wie du schon im Text selbst ansprichst, ja schon vor Corona so. Eigentlich war das auch schon vor dem Internet so, der Unterschied ist halt: man merkt's jetzt mehr. Vorher hockten die Leute eben an ihren Stammtischen, da hast du von dem Gepöbel nicht viel mitbekommen, jetzt haben sie halt Facebook/Twitter/whatever.

Oliver Kalkofe hat mal vor einigen Jahren (weit vor Corona) gesagt:
"Wollte man sich beispielsweise vor 30 Jahren beim Fernsehen beschweren, musste man mühsam eine Postkarte beschriften, sogar noch selbst bezahlen und zum Briefkasten tragen – wohlwissend dass wahrscheinlich nur ein gelangweilter Hilfsmitarbeiter sie kurz halbherzig überfliegt, bevor er sie in den nächsten Papierkorb segeln lässt. Wozu also all die Mühe? Heute kann man sich einfach spontan, ungewaschen und nach ein bis zwei Fläschchen Empörungsbeschleuniger an den PC hocken, unter albernem Pseudonym in eine beliebige Community oder Kommentarleiste einloggen und dort mit verwegener Orthographie plus verschwenderischer Fülle an Großbuchstaben und aufmerksamkeitssteigernden Ausrufezeichen seine konstruktive Kritik absondern, wie z.B. ‚ey SCHEIS, SENNDUNG ir opfah!!!11!!1!1 gehddoch varrecken oder stirbt dafür zall ich kein geböhrn mea11!111!!!!!!112’ oder ‚warum macht ihr eigenlich immer nur so welche Sendungen die wo ich nich mag und nich sowas wie früher wo Fensehn noch schön war? AMES DEUTSCHLAND’ Nur wer extrem übermotiviert ist, keinen Computerzugang hat oder ganz dringend mal an die frische Luft muss, der begibt sich zudem noch mutig auf eine politisch motivierte Demonstration und skandiert dort im emotional aufgeheizten Empörungs-Chor ‚LÜ-GEN-PRES-SE’, das passt eigentlich immer irgendwie. Aber am schönsten ist es ja doch daheim."

Kommentar geändert am 27.01.2022 um 11:28 Uhr

 Mondscheinsonate schrieb daraufhin am 27.01.22 um 15:39:
Stimmt, wirklich. Auch Graec ist im Recht. Dennoch, es nervt enorm. Ich poste nur noch Katzenbilder. Die sind lieb.
Browiak (67) äußerte darauf am 11.06.22 um 11:16:
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