Inhalt 

Glaubst du richtig?

Ansprache zum Thema Glaube

von  Bluebird

Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht; auch die Dämonen glauben es und zittern. Willst du aber erkennen, du eitler Mensch, dass der Glaube ohne (gute)Werke nutzlos ist? (Jakobus 2,19+20)


Viele meinen, dass es schon ein großartige Sache sei, Gott erkannt zu haben und an seine Existenz glauben zu können. Ja, das ist es auch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es sein kann, die Existenz Gottes zu erkennen. Bei mir bedurfte es da schon einiger einschneidend-wundersamer Erlebnisse.

   Aber nun heißt es auf einmal, dass das überhaupt nichts nützt, wenn die dem Glauben entsprechenden Werke fehlen?

    Ja, wie nun? Haben nicht Paulus und später auch Luther davon gesprochen, dass man alleine aus Glauben gerecht vor Gott wird.1 Und nun bedarf es plötzlich doch der Werke?


Das klingt tatsächlich nach einem Widerspruch. Er löst sich aber schnell auf, wenn man das Wort Glauben etwas umfassender begreift. Eben nicht nur als ein für wahr halten, sondern auch als ein Vertrauen setzen in.

    Wer die Existenz Gottes für wahr hält und sein Vertrauen in Jesus, unseren Erlöser und Herrn, setzt, der hat den rechten Glauben, der auch nützliche Werke hervorbringen wird.




Anmerkung von Bluebird:

1  So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. (Römer 3,28)

 Inhalt 

Frühere bzw. ältere Kommentare zu diesem Text


 DanceWith1Life (27.01.22, 11:31)
ein "Blauvogelglaubenszertifikat"?
mit Unterstützung von Jakobus, weiß das Ratzinger?
Hilft das vor Gericht?

 DanceWith1Life meinte dazu am 27.01.22 um 22:41:
Oder anders gefragt, ein Haus brennt und in der Presse wird diskutiert, ob wir jetzt Jahrzehnte lang den Dosenöffner falsch benutzt hätten.
Worauf ein eifriger Geistlicher nach der passenden Bibelstelle sucht.
Ausnahmslos wurden all der Wahnsinn im Namen des "einzig wahren" von Leuten verübt, die sich darum gekümmert haben, ob andere das richtige tun.

 LotharAtzert antwortete darauf am 28.01.22 um 22:15:
Schreib doch mal n Text:
Fragst du richtig?

 Bluebird schrieb daraufhin am 28.01.22 um 22:29:
Doch  ja, denke schon. Du nicht?

 LotharAtzert äußerte darauf am 29.01.22 um 10:52:
Eigentlich war mein Kommentar an Dance gerichtet, weil er keine Antwort bekam.
Aber wo du mich schon fragst: richtig bezieht sich auf Richtung und nicht auf das, was wahr ist, bezöge sich dann also bloß auf den Satzbau und Grammatik. Ob ich in diesem Sinne richtig denke, sollen andere entscheiden. Ob ich hingegen wahr frage: doch, ja.

Weiter unten  ist von "authentischer" Unterwerfung die Rede. Das ist natürlich Kappes, wie es in Hessen heißt. A. bedeutet unverfälscht. Eine Unterwefung ist jedoch eine erzwungene Kapitulation. Im Falle einer "Einsicht" unterwirft man sich nicht, sondern verbeugt oder verneigt sich, was den Geist beflügelt. Ja, die deutsche Sprache ist wunderbar.

 Bluebird ergänzte dazu am 29.01.22 um 12:32:
Im Christtlichen ist es eher ein sich fügen, zustimmen , unterordnen dem, was man als Willen Gottes erkennt ... ein weites Feld:

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. (Matthäus 7,22)

 LotharAtzert meinte dazu am 29.01.22 um 13:03:
Fügen ist gut - darüber schrieb ich in der Vergangenheit ja oft: über das Fügen dessen, was Bestimmung ist. Wird diese verweigert, sprechen wir im Ergebnis von Unfug.
Unterwerfung=Zwang=Unfug. Ob mit oder ohne Matthäus.

 Graeculus (27.01.22, 16:32)
Jacobus und Paulus widersprechen einander? Das muß schnell beseitigt werden!
Leider paßt diese deine Auflösung des Widerspruchs nicht zu dem Sinn des Wortes "Werke", das bei Jacobus im Original steht: ἔργα.

Das Neue Testament eingehender interpretieren zu wollen, ohne die Sprache zu kennen, in der es geschrieben ist, erscheint mir vermessen.

 Bluebird meinte dazu am 27.01.22 um 18:18:
Mir ging es eigentlich nur darum aufzuzeigen, dass wirklicher Glaube sich  auch im Lebenswandel und im Handeln niederschlagen sollte. Tut es das nicht, also glaubt jemand an Gott, aber fehlen die "Werke", stimmt - aus neutestamentarischer Sicht - vermutlich etwas mit dem Glauben nicht.
    Wenn jemand zum Glauben kommt, setzt meist ein Umdenken und ein deutlich erkennbarer veränderter Lebenswandel ein.  Geschieht das nicht,  so sind durchaus Zweifel angebracht, ob da eine wirkliche Bekehrung stattgefunden hat.

Bei Menschen, die  gläubig aufgewachsen sind, würde man zumindest ein den christlichen  Normen entsprechenden Lebenswandel erwarten. Weicht  der deutlich davon ab, wäre auch da die Echtheit des Glaubens zu bezweifeln.
Dies ist aber wie auch das zuvor Gesagte nur  eine theoretische Erörterung.

 Graeculus meinte dazu am 27.01.22 um 18:22:
So klingt es korrekt im Sinne des NT bzw. Jacobus; mit "sein Vertrauen setzen in" ist das im Text zu schwach ausgedrückt.

 Bluebird meinte dazu am 27.01.22 um 18:23:
Okay, damit würde ich mich einverstanden erklären

 Graeculus meinte dazu am 27.01.22 um 18:35:
Wir haben dann allerdings wieder das Problem, wie das zu der von Dir zitierten Paulus-Stelle paßt, wo die Bedeutung der Werke (also des christlichen Lebenswandels) für irrelevant erklärt wird. Für Paulus --> Luther ist der Mensch ein derartiger "Madensack", daß seine Werke nie und nimmer für eine Rechtfertigung vor Gott taugen.
Ein traditioneller Gegensatz zwischen Katholiken (die sich auf Jacobus berufen) und Protestanten (die es eher mit Paulus halten).

 Bluebird meinte dazu am 27.01.22 um 21:48:
Die Werke taugen nicht zur Rechtfertigung, aber wo Glaube ist, da sind auch normalerweise Werke. Wo die fehlen oder sehr mangelhaft sind, fehlt vielleicht auch der echte Glaube.
    Mal an einem extremen Beispiel demonstriert: "Wie kann man jemandem ein gottgewirktes Gläubigsein abkaufen, wenn er im Namen Gottes foltert und mordet?"
   Er mag an die Existenz Gottes glauben, aber wird wohl kaum mit Ihm in Verbindung stehen!

 Graeculus meinte dazu am 27.01.22 um 23:00:
Es muß nicht gleich um Foltern und Morden gehen. Nehmen wir einmal Martin Luther, einen gläubigen Christen (worüber wir uns vermutlich einig sind). Gegen wieviele Gebote Gottes hat der nicht verstoßen! Hältst Du seine Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" für christlich? Oder die "Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern"?


Ich könnte die 10 Gebote durchgehen und müßte feststellen, daß ich gegen alle 10 verstoße. Du bist ein besserer, christlicherer Mensch als ich ... und kämst nur auf 5 oder 6.
Als Ex-Katholik, wo man beichten mußte, habe ich die akribische Selbstprüfung im Hinblick auf Sünden gelernt. Und ich kann Dir flüstern! Wir sind voll von Sünde, christlich gesehen. Daher redet Luther von uns als "Madensack".

 Ferdi meinte dazu am 27.01.22 um 23:09:
Man muss Bluebird zugutehalten, dass seine Paraphrasierung der Rechtfertigungslehre nicht viel weniger schwammig ist als Luthers eigener schwacher Versuch, dies mag seiner persönlichen Verzweiflung anzulasten sein, mit der er sich an die Augustinsche Lesart von Paulus klammerte. Bei Bluebird fehlt allerdings die Erwähnung von "sola gratia", diese spielt hier die entscheidende Rolle! Durch "sola gratia" verliert nicht das Tun selbst an Bedeutung, sondern der Lohn für das Tun. Ohne "sola gratia" würde "sola fide" nicht funktionieren. Die Idee ist: weil Strafe und Belohnung Gottes Willkür unterliegen, nicht durch menschliches Handeln manipulierbar sind und jeder Mensch Träger der Erbsünde ist und sich allein deshalb schuldig machen wird, bleibt ihm nichts anderes übrig als sich an den Glauben zu klammern. Wenn diese Unterwerfung authentisch ist, folgen daraus laut Luther gute Taten gewissermaßen automatisch. So argumentieren auch einige zeitgenössische Esoterikschulen. Trotzdem solle man sich nach Luther weiter kasteien, er versäumt es die Begründung ordentlich herauszuarbeiten. Intellektuell ist Luther eine Enttäuschung, ich gebe Goethe voll und ganz recht.

Antwort geändert am 27.01.2022 um 23:25 Uhr

 Bluebird meinte dazu am 28.01.22 um 22:39:
So weit ich das verstanden habe, wird von einem Christen keine Perfektion oder Vollkommenheit verlangt, sondern a) die Bereitschaft sich verändern zu lassen und b) eine dienende  Hingabe auf dem Weg der Nachfolge Jesu  ... aus eigener Erfahrung möchte ich sagen, das dies wenig mit Selbstkasteiung oder Leistungsdruck zu tun hat, sondern mit freundlicher Führung und Unterstützung:

Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar. (Psalm 23)

 Bluebird meinte dazu am 28.01.22 um 22:41:
Ja Ferdi,
ohne die Gnade  Gottes wird das nichts mit dem Glaubensleben

 Ferdi meinte dazu am 28.01.22 um 22:59:
Ich kenne "Der Herr ist mein Hirte auswendig", Bluebird, die Mühe hast du dir umsonst gemacht. Es ist mir wohl bewusst, dass unterschiedliche zeitgenössische Gemeinden den Protestantismus unterschiedlich auslegen und leben. Luther selbst schreibt in der Rechtfertigungslehre von Kasteiung, du kannst es gerne selber nachlesen. Luther war ein von der Angst durch eine angeblich nahende Apokalypse bestimmer Mensch, wie viele seiner Zeitgenossen. Der arme Mann. Hat ein Leben lang gelitten.

 Bluebird meinte dazu am 29.01.22 um 12:36:
Der Kommentar mit dem Psalm war eher an Graeculus gerichtet, werden ja aber möglicherweise auch von anderen noch gelesen.      
   Deshalb sind sie manchmal auch etwas ausführlicher, als es für die direkte Antwort nötig wäre.

 Palytarol (27.01.22, 19:04)
Neulich, bluebird, hat es an meiner Tür geschellt.
Ich tat auf und sprach also: "Oh!"
Und nach kurzem Stutzen fuhr ich fort:
"Ich glaube, ich hab was aufm Herd!"

Does it count?

P.

 Bluebird meinte dazu am 27.01.22 um 21:49:
Who knows?
Horst Essen (43)
(29.01.22, 12:42)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Bluebird meinte dazu am 29.01.22 um 20:03:
Genau, bei "richtigem" Glauben geht es immer um  für wahr halten und um Vertrauen in (Jesus) setzen . Was normalerweise auch dem Glauben entsprechenden Werken führt.
    Fehlt Letzteres oder ist sehr mangelhaft vorhanden, so ist die Echtheit des Glaubens zu bezweifeln. Ganz allgemein gesprochen ....
Horst Essen (286)
(05.02.22, 13:09)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram