Eingeholt

Absurdes Theaterstück zum Thema Lüge(n)

von  Terminator

Heute wurde der Westen eingeholt. Die Arroganz der letzten Jahrzehnte rächt sich. Putin ist in diesem Strafakt der Geschichte nicht der Gute, denn er greift nicht die USA an, sondern die Ukraine. Die Ukraine hat keinen völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien, Irak, Libyen und Syrien geführt, sie hatte nur das Unglück, sich geographisch zwischen Russland und dem Westen zu befinden. Russland hatte als autoritär regierte durch und durch korrupte Kleptokratie der Ukraine kein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell anzubieten, also entschied sich das ukrainische Volk für die westliche Lebensart.


Seit ca. 1,5 Jahren verliert Putin den Bezug zur Realität, und das russische Volk hat keine Möglichkeit, ihn abzuwählen. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Russland werden seit 2000 vorsichtig manipuliert, die letzten Wahlergebnisse sind fast komplett willkürlich ausgedacht. Russland ist Geisel eines Wahnsinnigen (und seiner Clique aus kriminellen "Oligarchen"), die Ukraine ist Objekt des Machtkampfs mit der NATO. Der Westen verdient eine harte Antwort für seine Politik der letzten Jahrzehnte, doch der Angriff auf die Ukraine ist die falsche Antwort. Das Geschrei von einem "Krieg in Europa, erstmals wieder seit 1945" ist verlogen, denn die NATO führte bereits 1999 einen Krieg in Europa.


Der Westen ist moralisch bankrott. Seine Politik seit 1991 trägt große Mitschuld daran, dass sich Autokraten wie Putin und Erdogan auf der Weltbühne behaupten konnten, im Windschatten US-amerikanischer Aggressionen, die Zerstörung und Chaos hinterließen. Nun endlich selbst mit Gewalt konfrontiert zu sein, geschieht dem Westen recht, der Ukraine nicht. Auch Russland kann nach Putins einsamer Entscheidung nur verlieren. Kurzfristig werden die USA als Energielieferant Europas profitieren, mittelfristig China, das die Situation genau beobachtet, und die Schwäche des Westens ausnutzen wird.


Die USA werden Europa nicht verteidigen. Mit Glück werden sie in den nächsten Jahren das eigene Land vor Bürgerkrieg retten können. Wer nach Putin Russland regieren wird, muss bei der Ukraine viel wiedergutmachen. Möge er morgen damit anfangen, falls Putin über Nacht zur Vernunft kommt und zurücktritt (oder im Interesse Russlands gestürzt wird).


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Kommentare zu diesem Text


 Graeculus (24.02.22, 23:56)
Für mich (subjektiv) ist es noch zu früh für ein klares Urteil. Nur einige unsystematische Gedanken:
- Geostrategisch eine günstige Gelegenheit für China, Taiwan heim ins Reich zu holen?
- Putin hat niemanden mehr, der ihm ungeschminkt etwas Kritisches sagt; traditionell führt das bei Tyrannen zum Realitätsverlust. Ist das auch bei ihm so, oder kann er noch kühl die Folgen kalkulieren?
- Zweites traditionelles Problem bei Tyrannen: die Frage der Nachfolge. Da baut er niemanden auf, d.h. er wird höchstwahrscheinlich keinen geordneten Übergang vorbereiten.
- Hitler hatte 1937/39 das Gefühl: Wenn ich als der größte Deutsche in die Geschichte eingehen will, muß ich mich beeilen, denn ich bin schon 50 Jahre alt. Putin ist 69, und dies wird ihm als seine letzte Chance erscheinen. Ein ehrgeiziger, aber alter Mann mit viel Macht - welch eine Konstellation!

 Graeculus meinte dazu am 24.02.22 um 23:57:
P.S.: Ich danke Dir für Deine Ausführungen, die mehr Hintergrundwissen haben, als ich aufzubringen vermag.

 Terminator antwortete darauf am 25.02.22 um 02:09:
Geostrategisch eine günstige Gelegenheit für China, Taiwan heim ins Reich zu holen?
Putins Anschluss der Ukraine ist eine Blaupause dafür. China wartet ab, welche tatsächlichen Konsequenzen dieser Schritt für Russland hat, und wenn es nicht so schlimm wird, wie der Westen droht, wird Taiwan geholt.

Putin hat niemanden mehr, der ihm ungeschminkt etwas Kritisches sagt; traditionell führt das bei Tyrannen zum Realitätsverlust. Ist das auch bei ihm so, oder kann er noch kühl die Folgen kalkulieren?
Das ist ein großes Problem, das mir schon vor Jahren bewusst wurde. Es hat sich Jahr für Jahr verschlimmert. Gegen Kritik von außen (von allen möglichen Leuten, die nicht seine Vertraute sind) hat er sich immunisiert. Er denkt gar nicht mehr nach, wenn er Kritik hört, sondern überlegt sich sofort, was er erwidern kann.

Zweites traditionelles Problem bei Tyrannen: die Frage der Nachfolge. Da baut er niemanden auf, d.h. er wird höchstwahrscheinlich keinen geordneten Übergang vorbereiten.
Als ab 2010/11 abzusehen war, dass Medwedew kein Nachfolger, sondern nur ein Platzhalter ist, kam mir der Verdacht, dass Putin, anstatt einen Nachfolger vorzubereiten, eher verhindern wird, dass mögliche Nachfolger die Bühne betreten. Kohls und Merkels Machtspiel schadet einem demokratischen Land nicht so stark wie einem Land ohne demokratische Institutionen. Merkel hat ein paar fähige Nachfolger verhindert, konnte aber dadurch nicht immer mehr Macht ansammeln; ihre Macht blieb durch das Amt klar begrenzt.

Hitler hatte 1937/39 das Gefühl: Wenn ich als der größte Deutsche in die Geschichte eingehen will, muß ich mich beeilen, denn ich bin schon 50 Jahre alt. Putin ist 69, und dies wird ihm als seine letzte Chance erscheinen.
Politisch hat Putin nicht mehr Gemeinsamkeiten mit Hitler als George W. Bush, aber psychologisch gesehen sieht es immer düsterer aus. Nach Jungs weiterentwickelter Typologie ist er wahrscheinlich ein ISTP, introvertierter konkreter (nicht abstrakter, INTP, wie Thanos) Denker, d. h. er hält sich für den Klügsten und fühlt sich bei Widerspruch persönlich angegriffen im Sinne von intellektuell in Frage gestellt/getäuscht/betrogen; seit der Nawalny-Geschichte vom Herbst 2020 hat seine Psyche wahrscheinlich zunehmend durch Fi demon (introvertiertes Fühlen; als destruktive Funktion negative Emotionalität und Beleidigtsein) ins INFP superego gewechselt, d. h. er ist ein unberechenbarer launischer Tyrann, der seine historische Mission zunehmend idealistisch betrachtet, und sich selbst als Bringer der Gerechtigkeit sieht. Er sollte schleunigst unschädlich gemacht werden, Außenminister Lawrow sollte ihn idealerweise durch einen Coup stürzen, ansonsten haben wir einen altersverbitterten Kim Jong Un mit Atomwaffen.

Antwort geändert am 25.02.2022 um 02:12 Uhr
Clara (37) schrieb daraufhin am 25.02.22 um 09:01:
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 Terminator äußerte darauf am 26.02.22 um 08:44:
Es gibt nach der Typologie zwei Varianten, wie es weitergeht:

1. Putin ist ISTP. Fi demon, kurzer Ausbruch beleidigter Gefühle, die sich aufgestaut haben (24.2., frühmorgens); den Ausbruch rechtfertigt Si critic (24.2., abends), dann legt sich die Aufregung, und er versucht, die Eskalation ohne Gesichtsverlust zurückzunehmen (25.2., abends, gegen Mittag ein Gesprächsangebot des ukrainischen Präsidenten abgelehnt, später am Tag zugestimmt).

2. Putin ist INTJ. Si demon, totale Zerstörung. Dann wäre aber längst der Atomkrieg ausgebrochen.

Hitler war INFJ. Hitler ist wie Danenerys in der Serie "Game of Thrones" (mit Vorbehalten, aber grob dargestellt, passt es).
Clara (37) ergänzte dazu am 26.02.22 um 08:58:
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 Terminator meinte dazu am 26.02.22 um 09:12:
Sensibilität für die kleinsten Beleidigungen und Rachsucht fallen mir schon seit 2006 auf. Kontrollzwang ist eher sekundär, ansonsten hätte er längst alle Oligarchen vertrieben oder beseitigt, nicht nur die regierungskritischen. Putin hat mehr Macht als Kontrolle, damit ist er vermutlich kein IJ (intuitiver IJ bedeutet Si demon, d. h. Gute Nacht). Der spezielle Humor könnte an Ne trickster liegen (keine extravertierte Intuition: kein Plan, was andere wirklich wollen).
Clara (37) meinte dazu am 26.02.22 um 10:27:
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 Terminator meinte dazu am 26.02.22 um 12:27:
Langfristige Planung könnte Ti hero geschuldet sein, er lebt in seinem mind temple und hält sich für den Klügsten. Er plant außerdem taktisch, nicht strategisch. Für den Fall, dass der Blitzkrieg scheitert, hat er keinen Plan.
Clara (37) meinte dazu am 27.02.22 um 06:55:
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 Fridolin (25.02.22, 08:44)
Die USA werden Europa nicht verteidigen.
würde ich bezweifeln, dafür ist Europa ein zu großer Absatzmarkt. Ob uns das guttun würde, ist eine andere Frage.


Seit ca. 1,5 Jahren verliert Putin den Bezug zur Realität,
Gemeint sind sicher 15 Jahre? Wie auch immer, sollte man von psychiatrischen Diagnosen Abstand nehmen. Putins Handeln ist  nicht irrealer als der Glaube an Sanktionen im allgemeinen; es ist nicht mehr als die logische Fortführung.

Man hat Russland abgesprochen, sich von der NATO bedroht zu fühlen (obwohl schon allein der Vergleich der jeweiligen Rüstungsausgaben mehr als deutlich belegt, dass es durchaus Grund dafür gibt), man hat sich aber auch geweigert, über vertragliche Garantien auch nur  zu verhandeln, Warum?
Warum hat man sich darauf beschränkt, sich gegenseitig Drohungen an den Kopf zu werfen?
Was wir jetzt erleben, ist ein großer Triumph der Rüstungsindustrie, und Putin ist nicht mehr als deren gläubiger Erfüllungsgehilfe, der über das Stöckchen springt, das man ihm hingehalten hat. Nicht besonders intelligent, aber als Realitätsverlust würde ich das nicht ansehen. Eine systemimmanente Logik ist durchaus gegeben.
Ich misstraue aber in dieser Lage allen Politikern, die von einer "alleinigen Verantwortung" Russlands sprechen. In jedem Konflikt gibt es mindestens zwei Parteien, die verantwortungsvoll handeln können. Davon sollte sich niemand freisprechen, und schon gar nicht ein Diplomat. Da scheint mir dann doch ein Ausbildungsdefizit vorzuliegen. Und gute Diplomaten brauchen wir jetzt mehr denn je, denn ein Krieg kann die Diplomatie zwar auf Zeit aussetzen, aber nicht ersetzen, wenn er nicht in völliger Zerstörung enden soll.

Kommentar geändert am 25.02.2022 um 09:00 Uhr
Browiak (67) meinte dazu am 25.02.22 um 09:52:
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 Terminator meinte dazu am 26.02.22 um 08:49:
Wenn ein Wahnsinniger zu viel Macht hat, wird seine "psychiatrische Diagnose" zum Subjekt der Geschichte. Stalins Paranoia hat die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt. Trumps krankhafter Narzissmus und Bidens Senilität spielen dagegen keine Rolle, weil deren Macht institutionell begrenzt ist. Putin kann aber tun, was er will.
Browiak (67) meinte dazu am 26.02.22 um 10:06:
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 Terminator meinte dazu am 26.02.22 um 12:30:
Ich bin kein Psychiater, ich kann nur spekulieren. Aber dann darf nur, wer Politik studiert hat (z. B. ich), sich zur politischen Lage äußern.

 Fridolin meinte dazu am 26.02.22 um 16:17:
Du stellst bei Putin Realitätsverlust fest, was ich schlicht und einfach als nicht zutreffend empfinde. Mir scheint viel naheliegender, von Realitätsverleugnung auf westlicher Seite zu sprechen. Nato und EU haben ihre Einflusszonen in den letzten Jahrzehnten ausgeweitet, entgegen anderslautenden Bekundungen anlässlich der Wiedervereinigung, und da die Nato keine pazifistische Organisation ist, kann ich nachvollziehen, dass man sich auf russischer Seite bedroht fühlt. Mit dieser Einschätzung stehe ich auch nicht alleine, der mediale Gegenwind ist aber ganz enorm, man hat sogar einen eigenen Kampfbegriff namens "Putinversteher"  erfunden, um solche Gedanken lächerlich zu machen.
Ich kann mich gut erinnern, mit welcher Erleichterung ich damals zur Kenntnis genommen habe, dass man erwäge, Russland in die Nato aufzunehmen. Das hat man, soweit ich sehe, auf Geheiß von Bush Senior aber bald begraben. Man hat der Erschließung neuer Märkte den Vorzug gegeben vor einer friedlicheren Welt. Einen anderen Grund für die Verweigerung vertraglicher Garantien für Russland sehe ich nicht. Also wenn schon Wahnsinn, dann bitte den des unbegrenzten Wirtschaftswachstums der westlichen Hemisphäre.

 Terminator meinte dazu am 27.02.22 um 18:45:
Es gibt Kanaillen, die sogar mich einen "Putinversteher" nennen, selbst nachdem ich den Text "Putins Realitätsverlust" geschrieben habe. Der Westen trägt eine große Mitschuld am Kriegsausbruch, aber die Hauptschuld trägt m. E. Putin, der die Ukraine angegriffen hat. Dieser Krieg ist sein Verbrechen. Der Westen wird von seinen zahlreichen Kriegsverbrechen dadurch aber nicht reingewaschen.

 Augustus (25.02.22, 16:14)
Putin rast wie ein eifersüchtiger abgewiesener Liebhaber. Putin ist bereit - im Bilde zu bleiben - mit Gewalt die Frau zu killen, ohne gleichzeitig den Nebenbuhler zu töten. Damit ist die Hauptschuld in der Frau zu suchen und damit in der Ukraine. Die Nebenschuld trägt die NATO. 

Aus dieser Perspektive betrachtet, will Putin die Geliebte der NATO töten, wie denn extrem eifersüchtige Männer ihre Liebsten töten, wenn diese fremdgehen. 

Im Spiel ist Eifersucht - und genau diese Eifersucht führt zu irrationalen Handlungen. 

Die Lust Putins liegt in der Bestrafung der ukrainischen pro westlichen Regierung. 

Die Regierung gleicht einem Willen, die den Staat lenkt. 

Mit Gewalt will er die ukrainische Regierung stürzen. 

Der Körper der Liebsten wird geschlagen und gedemütigt für ihr Fremdgehen. 

Er will sie sich untertan und gefügig machen und somit will er sie nicht vollständig töten bzw. zerstören. 

Viel mehr wird er eine pro-russische Regierung installieren. Dies wird über Jahre hinweg in Ukraine zu großen Umwerfungen innerhalb des Volkes führen.

Die geschlagenen Wunden werden nicht vergessen werden. 

Symbolisch aber könnte die russische Aggression die weltweit führende Einstellung in Menschen ersetzen, dass nicht ausschließlich Nazi-Deutschland und damit Deutschland im Besonderen, DER Aggressor in der Weltgeschichte ist. 

Russland könnte der Aggressor des 21 Jahrhunderts werden und damit Nazi-Deutschland verdrängen.

 Terminator meinte dazu am 26.02.22 um 08:51:
In der Tat verhält sich Putin gegenüber der Ukraine wie ein eifersüchtiger Liebhaber, schon seit der Orangenen Revolution 2004/05. Das war die erste große Kränkung, die er durch den Westen erfuhr.

 Fridolin meinte dazu am 26.02.22 um 16:35:
Das ist keineswegs die erste Kränkung gewesen, siehe oben.
Clara (37) meinte dazu am 27.02.22 um 18:55:
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Clara (37)
(01.03.22, 14:30)
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 Terminator meinte dazu am 02.03.22 um 01:21:
Putin hat die Kurden auch verraten. Im Spätsommer 2015 hat er sich für den Islamofaschisten Erdogan und gegen die Freiheitskämpfer in Rojava entschieden. Bis Juli 2016 hatte ich noch gehofft, er würde den Kurden helfen, dann war klar, dass er auf der Seite des anderen Diktators steht.
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