Butcher

Tweet zum Thema Gewalt

von  Terminator

Das Massaker von Butscha (ein doch wie passender Ortsname für Gräuelpropaganda in englischer Sprache) zeigt, dass von der eigenen Regierung betrogene, in die Irre geführte Soldaten schon in den ersten Kriegswochen zu Verbrechern werden können. Die Art, wie dieser Angriffskrieg begonnen, und den Russen, dem Ausland, dem Angegriffenen und den eigenen Soldaten vermittelt wurde, ist zynisch. Doch solche Massaker rufen, anders als antirussische Hetze im Westen erreichen will, eher die US-Kriegsverbrechen im Irak wieder ins Gedächtnis, als dass sie diese vergessen machen. Warum nochmal sitzt Manning im Gefängnis? Warum schielt schon die dritte US-Regierung mordlustig auf Assange?


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Kommentare zu diesem Text


 LotharAtzert (05.04.22, 10:00)
Butscha-Butcher hab ich auch sofort gedacht. ...
Und auch daran:

Das Massaker von Mỹ Lai (Son My) war ein  Kriegsverbrechen der USA während des  Vietnamkriegs, das am 16. März 1968 in dem Gemeindeteil Mỹ Lai des Dorfs Sơn Mỹ, genannt My Lai 4, begangen wurde. Das Massaker an 504  Zivilisten wurde von der US-Armee zunächst vertuscht. Erst durch Recherchen des  investigativen Journalisten  Seymour Hersh gelangte das Geschehen an die Öffentlichkeit, wobei die Veröffentlichung der Reportage zunächst für etwa ein Jahr von sämtlichen Medien abgelehnt worden war.

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 12:25:
Russische Kriegsverbrecher sollten in den Haag vor Gericht kommen. Vorausgesetzt, die USA unterwerfen sich der Gerichtsbarkeit, ansonsten ist den Haag eine Witzveranstaltung, in der die Vassallen der USA im Auftrag des Hegemons über den Rest der Welt zu Gericht sitzen.

 Regina (05.04.22, 10:11)
Wie einer es halt sehen will: amerikanische Kriegsverbrechen für antiamerikanische Hetze instrumentalisiert, russische für Anti-Russen-Propaganda. Viel wichtiger wäre, den tiefenpsychologischen Hintergrund zu eruieren: Was bewirkt im Krieg diese Enthemmung, die den Täter oft weit unter das Entwicklungsniveau des Tieres sinken lässt (Raubtiere töten aus Hunger, nicht aus perversem Spaß an Demütigung)?

 eiskimo antwortete darauf am 05.04.22 um 10:28:
Der moderne Krieg ist ein Krieg mit Bildern... und allen Fragen, die das Entstehen oder die (Nicht-)Verbreitung von Bildern aufwerfen....

 Terminator schrieb daraufhin am 05.04.22 um 12:23:
Im Zeitalter der Informationstechnologie hat halt alles schon am nächsten Tag eine Runde um die Welt gemacht, aber Putin lebt ja immer noch im 20. Jahrhundert.

 eiskimo äußerte darauf am 05.04.22 um 17:33:
Wer die krasseren Bilder hat, siegt... zumindest beim Voting der öffentlichen Meinung

 Graeculus ergänzte dazu am 05.04.22 um 22:43:
Für die Zeit, bis wir den tiefenpsychologischen Hintergrund eruiert haben, wünsche ich mir, daß die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen in Den Haag vor Gericht gestellt werden.
Und ja, ich stimme Selenskyj zu, der vor dem UN-Sicherheitsrat gesagt hat, Rußland mache aus seinem Vetorecht ein Recht zu morden.

Manchmal haben Kriege ja auch etwas Gutes ... und vielleicht (für dieses kleine Vielleicht reicht mein Optimismus gerade noch) führt dieser Krieg tatsächlich dazu, daß alle Staaten den Internationalen Gerichtshof anerkennen und daß im Sicherheitsrat alle Staaten auf ihr Vetorecht verzichten und so das Einstimmigkeits- durch das Mehrheitsprinzip ersetzt wird.

Natürlich hat diese Initiative nicht die geringste Chance, wenn die USA und China sich davon ausnehmen. Beide Staaten haben ja ihrerseits allerlei Verbrechen zu verantworten.

Es ist wirklich nur ein kleines Vielleicht, denn es läuft darauf hinaus, daß Verbrecher sich freiwillig (auf Druck der Weltöffentlichkeit?) einer höheren, über sie urteilenden Instanz unterstellen.
Von ihrer Natur her haben sie dazu nicht das geringste Motiv; aber wenn es jemals dazu kommen sollte, dann jetzt! Und das wäre dann in der Tat, etwas Gutes, was dieser Krieg bewirkt hat.

Daß allenfalls mal ein paar afrikanische und serbische Politverbrecher sich in Den Haag wiederfinden, ist empörend, ist ein Unding! Dann kann man - und wieder gebe ich Selenskyj recht - beide auch abschaffen: den Gerichtshof und den Sicherheitsrat.

 Graeculus meinte dazu am 05.04.22 um 22:47:
Ich schrieb: "Von ihrer Natur her haben sie dazu nicht das geringste Motiv ...".
Nun denke ich an Thomas Hobbes und konzediere, daß es ein solches Motiv geben mag, sobald jeder beteiligten Staat sich bewußt ist, daß der bestehende Zustand der Rechtlosigkeit ihn mehr gefährdet, als die Unterwerfung unter ein Rechtssystem es täte.

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 23:08:
Seit es Atomwaffen gibt, gibt es das Horror-Szenario, dass Terroristen sich Atomwaffen beschaffen, und drohen, sie einzusetzen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Jetzt haben wir diese Situation in ihrem größtmöglichen Maßstab: Putin droht wie ein Terrorist mit Atomkrieg, wenn er an der Ausmordung der Ukraine gehindert wird. Spätestens jetzt können wir Staaten nicht mehr als uneingeschränkt souverän betrachten, denn auch Staaten können zu terroristischen Akteuren werden bzw. von einzelnen Personen wie Flugzeuge entführt werden. Putin ist Osama mit 5000 nuklearen Sprengköpfen. Das verändert die politische Theorie grundlegend, an global governance führt kein Weg vorbei. Selbst wenn die USA dabei der globele Hegemon wären, wäre es besser als jetzt, wo Kriegsverbrechen an der Semiperipherie und Peripherie ungesühnt bleiben können. Wären aber Russland, Saudi-Arabien und die Türkei der US-Gerichtsbarkeit unterworfen, gälten für Tschetschenien, Jemen und Kurdistan dieselben Gesetze wie für Kalifornien. Mit dem Nuklearterroristen Putin sieht es so aus, dass die unter Verschwörungstheoretikern berüchtigten Globalisten eine bessere Weltregierung wären als das derzeitige Konglomerat von Schurkenstaaten im Hobbesschen Naturzustand.

 Graeculus meinte dazu am 05.04.22 um 23:23:
Für die Menschheit wäre selbst eine US-Hegemonie besser als der jetzige Zustand. Für die Idee des Rechts (statt Macht) wäre es jedoch unbefriedigend, und es bliebe die Frage des Motivs für die übrigen Atommächte, sich dem zu unterwerfen. Und da sehe ich als Motiv nur die Angst, daß auch sie unter den bestehenden Bedingungen in ihrer Existenz auf das höchste gefährdet werden (durch den terroristischen Einsatz von Atomwaffen).
Ein hobbes'sches Szenario im Grunde. Das wird mir jetzt erst deutlich bewußt. Wobei ich Hobbes' These, daß irgendein (Welt-)Souverän besser ist als gar keiner, skeptisch gegenüberstehe. Da bin ich Rousseauianer.

 Graeculus meinte dazu am 05.04.22 um 23:28:
Der chinesische Autor Liu Cixin geht in seiner Trisolaris-Trilogie übrigens davon aus, daß es so kommen wird - irgendwie. In seinen SF-Romanen setzt er das als gegeben voraus.

 Taina (05.04.22, 11:53)
die US-Kriegsverbrechen im Irak wieder ins Gedächtnis

Diese Verbrechen wurden und werden im westen verurteilt und vielfach thematisiert. Was man vom Umgang Russlands mit russischen Kriegsverbrechen nicht sagen kann. Russland LEUGNET ALLES was in seiner Verantwortung verbrecherisches passiert. Dass Russland seine Verbrechen aufarbeitet, das gab es noch nie. Sogar die Stalinzeit wird wieder verharmlost und verherrlicht.

Kommentar geändert am 05.04.2022 um 11:53 Uhr

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 12:21:
Russland ist eine Schamkultur, der Westen eine Schuldkultur. Die USA wollen ihre Kriegsverbrechen immer vertuschen, weil die westliche Gesellschaft sie verurteilen würde.

Russland leugnet, um nicht wie die Barbaren dazustehen, wird aber dieselben Kriegsverbrechen später sogar verherrlichen, wenn Zeit vergangen ist. Oder weiter leugnen, wie die Türkei den Genozid an den Armeniern.

 Taina meinte dazu am 05.04.22 um 12:29:
... und China leugnet + vertuscht. Diese vielen Geschichtsverfälschungen ebnen neuen Verbrechen die Wege.

Die eigene Geschichte mit allem was dazu gehört nicht wahr haben wollen, das ist die Schwäche der Diktaturen, eine gefährliche Schwäche.


Was den Umgang mit den Gräulen auch unterscheidet, ist die Reaktion der Bevölkerung. Bsp. es gab in den USA massive Antikriegsproteste gegen den Vietnamkrieg, eine breite Bewegung entstand. Es gab keine Jubeldemos für diesen Krieg, oder?
Der aktuelle russische Krieg wird bejubelt, in Russland (Stadion, Z-Demos), in Serbien, in Deutschland (Autokorsos von Deutschrussen mit Russlandfahnen).

Antwort geändert am 05.04.2022 um 12:37 Uhr

 LotharAtzert meinte dazu am 05.04.22 um 14:01:
Das ist auch wahr. In Amerika kannst du, ohne Sanktionen befürchten zu müssen sagen, der Präsident sei ein Arschloch, während in Russland mit einer solchen Äußerung eine langjährige Gefängnisstrafe droht, oder schlimmeres.

Zu meiner Zeit gabs, in Anlehnung daran, den Spruch: Hier darfst du alles sagen und niemanden interessierts; dort darfst du nichts sagen und es wird doch abgehört.

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 21:08:
In der Türkei wurden Zehntausende (!) wegen "Beleidigung des Präsidenten" angeklagt, seit Erdogan an der Macht ist, es gibt einen Extraparagraphen dafür. Wie grotesk Autokratien und Diktaturen im 21. Jahrhundert doch wirken.

 Taina meinte dazu am 05.04.22 um 21:27:
Ja, der Erdo ist auch so ein machtbesessener Führrrerrr mit Expansionsgelüsten.

 Dieter Wal (05.04.22, 18:04)
Warum nochmal sitzt Manning im Gefängnis?

Ist frei.

Whataboutism rechtfertigt keine Massenmorde an ukrainischen Zvilisten.


antirussische Hetze

Berichte über Putins Kriegsverbrechen auch an seinen eigenen Soldaten sind Berichte. Keine antirussische Hetze.

 Massaker in Butscha: Wie umgehen mit Fotos des Grauens? (Deutschlandfunk, Bericht)

Putin ist nicht Russland.

Kommentar geändert am 05.04.2022 um 18:12 Uhr

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 21:05:
Whataboutism rechtfertigt keine Massenmorde an ukrainischen Zvilisten.
Wenn du mir Whataboutism vorwerfen willst, kannst du von mir aus gern zur Hölle fahren.


Berichte über Putins Kriegsverbrechen auch an seinen eigenen Soldaten sind Berichte. Keine antirussische Hetze.
Wer zur Hölle hat denn etwas anderes behauptet?

Dein Kommentar ist wieder mal unterirdisch.

 Regina meinte dazu am 05.04.22 um 21:33:
Genau. Was reinzulesen, was da nicht steht, ist eigentlich unter DieterWals Niveau.

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 22:05:
Unter seinem intellektuellen Niveau auf jeden Fall: Dieter ist hochintelligent. Doch im Umgang mit Menschen ist seine Taktik so: Erst mache ich ein Monster aus dir, dann akzeptiere ich dich so wie du bist (so, wie ich dir eingeredet habe, dass du angeblich bist). Habe ich auch in der realen Welt so erlebt. Riecht nach narzisstischem Verhalten (narcissistic abuse).

 Dieter Wal meinte dazu am 05.04.22 um 22:23:
Nicht der Empfänger ist dafür verantwortlich, wie eine Sendung verstanden wird, sondern der Sender.

 Terminator meinte dazu am 05.04.22 um 22:31:
Hör auf zu klugscheißen, du weißt genau, was gemeint ist.

 Dieter Wal meinte dazu am 06.04.22 um 13:40:
Ich kommentiere den Text, Du den Kommentator. Rate, was einem Literaturforum entspricht.

 loslosch (06.04.22, 09:55)
das wortspiel gefällt!

am 4.4., 23:15h, schrieb ich bei harzgebirgler, "PUTIN als kind": "Putler wurde zum butcher bei Butscha."

keine kritik, nur eigenlob!

zu den kommis ergänzend: kriege lassen krieger verrohen. Cicero: inter arma silent leges.

"Was Krieg vermissen lässt" lautet der titel meines textes vom 20.9.11., der die gesetzlosigkeit paraphrasiert.

 Taina meinte dazu am 06.04.22 um 10:26:
Zum Thema Verrohung las ich heute morgen einen interressanten Bericht. Eine Überlebende Frau aus Butscha sagte, dass nicht die jungen russ. Soldaten das Massaker machten, sondern dass es erst 2 Wochen nach der Besetzung des Ortes stattfand. Für das Massakker wurden alte Soldaten älter als 40 J. geschickt, diese waren extrem brutal/roh und erschossen die Menschen einfach. Da wurden FSB-Agenten geschickt, um zu "säubern". Das war kein Blutrausch der kämpfenden Truppe sondern eine geplante befohlene Aktion.
Die Frau sprach auch von einigen guten "Kerlen" unter den russ. Soldaten, die ihr Lebensmittel brachten und sie warnten vor der Gewalt der FSB-Agenten (andere dh. schwarze Uniformen).

Antwort geändert am 06.04.2022 um 10:51 Uhr

 loslosch meinte dazu am 06.04.22 um 12:58:
würde passen. die alten hasen sind am meisten verroht.
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