Eine traurig schöne Geschichte

Text

von  Thal

Ja, ich hatte lange gehofft diese Glut spüren zu können, nicht nur im Traum, sondern auch in Wirklichkeit. Dieses warme Glutnest, das nach dem großen Brand übrig bleibt und das nur ab und an ein Stück Holz benötigt, um neu aufzuflammen und weiter Wärme zu spenden. Es hätte ewig glühen können, für dich und mich, aber ich laufe schon so lange über den kalten Friedhof, durch dunkle Nächte, in denen nur mein silberner Mond mit mir ist und sonst niemand. Und selbst der verschwindet regelmäßig. So, wie jetzt, alleine. Mein Silber ist so schwarz angelaufen, dass es sehr viel Mühe kostet es wieder blank und glänzend zu polieren. Und das ist das Einzige, was ich wirklich machen kann - die Arbeit an mir selbst, jemand anderen kann ich nicht verändern. Und ich brauchte Veränderung dringend, da ich nicht als lebender Toter noch weitere 12 Jahre zwischen Grabsteinen durch die Dunkelheit wandern kann, ohne selbst unter der Erde zu landen.

Niemanden kann ich verändern, nur mich, als Lernender, als Schaffender, und so höchstens als Beispiel dienen, als Inspiration, so wie ich auch von anderen inspiriert werde.

Der Saturn hat mir etwas sehr Wichtiges beigebracht, dass ich gegen meine Gefühle nichts tun kann, nichts zu tun brauche, nur erkennen und leben, mitteilen. Er steht wie ein Mahnmal über mir und lässt mich durch die Schichten meines Innenleben wandern. Immer und immer wieder und immer allein und immer mit nichts als ihn vor Augen, tief im Herzen. Oft hätte ich mir gewünscht, dass er von da oben verschwindet, zu mir herunter kommt, aber das wird er nicht, niemals.

Und ich gebrauche das, was ich in der Einsamkeit gefunden habe, für meine Zukunft. Für die Zukunft, in der die Venus aufgeht und gebettet in einen pinkfarbenen Himmel ruhig funkelt, wunderschön, verzaubernd, während der Mond aus dem nebligen Grün der Wiesen zu ihr steigt und aus ihnen Sterne der Hoffnung fallen und der Kraft und des Frieden, voller Freude.


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Kommentare zu diesem Text


 Regina (01.05.22, 15:56)
Schöne, ausdrucksstarke Kurzprosa.

 Thal meinte dazu am 02.05.22 um 06:08:
Well done? I like it! 
Dank dir

 Dieter_Rotmund antwortete darauf am 02.05.22 um 09:38:
Neee, sorry, aber das ist nur ein Metaphernsalat.

 Thal schrieb daraufhin am 02.05.22 um 10:12:
Regenbogen (58)
(01.05.22, 16:32)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Thal äußerte darauf am 02.05.22 um 06:12:
Fünkchen und Wellen..
Zahnpasta? Oder mit Salz in Alufolie, oder einfach öfter mal benutzen.. ; )
ok, c u

 Dieter_Rotmund ergänzte dazu am 02.05.22 um 09:38:
Neee, sorry, aber das ist nur ein Metaphernsalat. (Wdh.)

 Perry meinte dazu am 02.05.22 um 10:51:
Hallo Thal,
den Verlust eines lieben Menschen zu verarbeiten ist oft sehr schwer. Darüber zu schreiben kann eine Hilfe sein, um den Kopf wieder frei zu bekommen für einen hoffnungsvolleren Blick zu den Sternen.
LG
Manfred
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