Die Unzertrennlichen - Simone de Beauvoir

Kritik zum Thema Buch/ Lesen

von  Mondscheinsonate

Ja, ich lernte Französisch, damit ich Simone de Beauvoir im Original lesen konnte. Schon als junges Mädchen entzückte mich die Philosophin. 

Alles habe ich verschlungen und sie hat Ehrenplätze in meinem Regal, viele, unzählige Bücher, neben ihr Sartre.

Daher war es wie Weihnachten und Ostern zugleich für mich als ich erfuhr, dass Sylvie Le Bon de Beauvoir, die Adoptivtochter Simones, ein unveröffentlichtes Manuskript veröffentlichen ließ. 

Es ist ein Büchlein, schnell ausgelesen, geht um zwei Mädchen, Liebe und die Abkehr oder Zuwendung von und zu Gott, Familiendunst, Selbstverleugnung und Küsse. Ein Mädchenroman im himmelblauen Kleid einer Philosophin, natürlich autobiografisch, selbstentblößend wie alle ihre Romane. 

Wohlan, ich las es, seufzte, fand das Mädchen arm und das wäre es gewesen, abgehakt, eigentlich enttäuscht, zur Kenntnis nehmend, tausend Mal schon gelesen, dass die Zeit in den Familien - mit Verlaub - beschissen war, wenn nicht dieses unerträgliche Nachwort von Le Bon de Beauvoir zu ertragen sein musste, nein, ich ertrug diese Unsäglichkeit nicht. Die Dame begann plötzlich, die LeserInnen als Idioten hinzustellen und schwadronierte seitenlang (!) Erklärungen, wie etwas gemeint sei, entmündigte die Leser vollständig. Es hätte gereicht, die Personen in "echt" zu erklären, fertig, stattdessen erklärte sie Szene für Szene, stellte sich mit Simone auf ein Potest und eigentlich wollte ich nur noch kotzen, Zorn reichte.


Vielleicht habe ich momentan kein Gespür für Kleinmädchengesülze oder bin nicht empfänglich für diese Art der Literatur, dennoch dachte ich mir, dass die Beauvoir, nämlich DIE, nicht Sylvie, schon wusste, warum sie es nicht veröffentlichen wollte und ich bin immer skeptisch, wenn man alles rauszerrt aus den Schubladen. Dieses Frühwerk hat noch Flaum auf den Zeilen, das kleine Kücken war noch zu schmächtig für die große Frau, die ich noch immer liebe und verehre. 

Ich kann hier nichts verklärt schreiben, es ist reiner Mädchenkitsch. 

Angeblich hat sie es später geschrieben, aber anscheinend mit fehlender Distanz, was nicht zu ihr passt. Ihre Freundin, die tragisch verstarb, lag ihr auf ewig im Herzen. 


Daher, ich empfehle es, aber nur de Beauvoir-Fremden, aber nicht den Freunden. Lasst das Nachwort aus!


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