Kiewer Nächte

Essay zum Thema Frauen/ Männer

von  Regina

Prostitution erfährt immer dann einen Aufschwung, wenn die Existenz von Frauen und Familien gefährdet ist. Im Nachkriegsdeutschland, als Artillerie und Bomben schwiegen, begann der Nahkampf mit Lippenstift und Stöckelschuh. Die heutige deutsche Sichtweise, von einer Dienstleistung zu sprechen, als sei sie eine Art Handwerk, wirkt zwar gegen die Stigmatisierung dieser Frauen, wird aber den gewalttätigen Verhältnissen nicht gerecht, von der allein Aussteigerinnen berichten.

In der Ukraine wurde die Prostitution 1987 nach amerikanischem Vorbild verboten, wirksam bekämpft wurde sie allerdings nie. Wo Barkeeper, Polizisten, Vermieter und Taxifahrer an Vermittlertätigkeit und Zudrücken der Augen mitverdienen, besteht keine Chance auf Eindämmung. Das Gewerbe hat sich lediglich in den privaten Bereich verlagert. Die Ukraine hat es nach dem Zerfall der Sowjetunion trotz Reichtum an Bodenschätzen und günstigen Bedingungen für die Landwirtschaft bis heute nicht geschafft, sich zu einer Marktwirtschaft zu wandeln, die ihrer Bevölkerung ein Auskommen verschafft. Der sozialistischen folgte keine sozial verantwortliche Gestaltung der Gesellschaft. Massenarbeitslosigkeit und Niedriglöhne nötigen hier selbst Lehrerinnen, auf dem Straßenstrich Nebeneinkünfte zu erzielen, mehr als in allen anderen osteuropäischen Ländern. Auch Minderjährige sind in großer Zahl mit von der Partie. Wikipeda weiß ferner, dass 80% des weltweiten Frauen- und Kinderhandels über die Ukraine oder unter Beteiligung von Ukrainern abgewickelt werden. An HIV- und Aidsinfekten besteht die höchste Rate in Europa. (Verhältnisse vor Putins "militärischer Spezialoperation")

Freier berichteten schon lange (etwa in "gutefrage.net") über die Verhältnisse in Kiew, einer bevorzugten Destination türkischer, arabischer und europäischer Kunden inoffizieller Bordelle. In Kiew, so hieß es, müsse der am käuflichen Sex Interessierte nichts weiter unternehmen als in einem Café oder einer Bar aufzutauchen, die Frauen würden ihn ansprechen. Anal- und Oralverkehr seien kein Problem und offensichtlich auch der kondomfreie Sex nicht.

In den Zielländern der geflüchteten Frauen freuen sich heute Rotlichtkunden nicht nur auf die "geilen ukrainischen Weiber" als Frischfleisch, sondern auch auf den voraussichtlichen Preisverfall. Flyer, die im Berliner Bahnhof vor Zwangsprostitution warnen, machen Sinn, muten aber an wie Eulen, die nach Athen getragen werden, denn die Damen und die Herren kennen sich in vielen Fällen vermutlich aus der Heimat. Nicht alle werden gezwungen.

Da ist es sicherlich nicht angesagt, der misslichen Lage der Geflüchteten empathielos gegenüberzustehen. Aber Illusionen sind auch nicht zu nähren. Die ehemalige Sowjetunion beehrt Deutschland nach Kasachstandeutschen und anderen Genies der unkonventionellen Existenzsicherung abermals mit schwierigen, traumatisierten Migrantinnen, die, gefährdet und gefährlich, nicht allzu leicht integrierbar sein werden.



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Kommentare zu diesem Text


 harzgebirgler (06.05.22, 19:12)
in sachen prostitution: russische offiziere sollen ihre 'frischen' rekruten schon vor jahren für sex verkauft haben - kein wunder, dass diese arschgefickte gurkentruppe jetzt in der ukraine nicht nur männer sondern auch jungen und kinder vor den augen ihrer eltern vergewaltigt!
 https://www.queer.de/detail.php?article_id=6403

 https://www.theguardian.com/world/2007/feb/14/russia.lukeharding

 Regina meinte dazu am 06.05.22 um 20:22:
Ich habe mich hier auf die Ukraine beschränkt, die beim Menschenhandel Russland sogar übertrifft, um dem allgemeinen von den Medien lancierten Ukraine-Hype eine etwas kritischere Herangehensweise entgegenzusetzen. Auch die Ukraine gehörte dereinst zur Sowjetunion mit ihren für uns heute unvorstellbaren Zuständen.

 harzgebirgler antwortete darauf am 07.05.22 um 11:45:
den ukraine-hype kritisch zu sehen
ist durchaus ratsam denn leicht übergehen
wir sonst was dort im argen liegt und lag -
begrüßenswert find' ich drum den beitrag! :)

 Agnete (06.05.22, 20:28)
interessante und berührende Ausführung, liebe Regina.LG von Agnete

 Regina schrieb daraufhin am 06.05.22 um 20:31:
Danke, Agnete.

 Terminator (18.05.22, 05:37)
Kasachstan- und Kirgisistandeutsche haben sich doch gut integiert. Vor einer Woche habe ich eine Rundreise durch Deutschland gemacht: Köln, Ruhrgebiet, Heidelberg, Oberstdorf, München, Würzburg, Stralsund, und überall Ukrainerinnen in den Zügen, Bahnhöfen und Städten. Alle sprechen Russisch, só und am Telefon, und zwar mit anderen Ukrainer*innen, und eben nicht, um sich mit Russlanddeutschen bzw. deutschen Russischkennern zu verständigen. Ukrainisch habe ich kaum gehört, das hat mich schón überrascht.

Von Horizontalgeschäften war nie die Rede, ich habe auch nie Prostituierte bzw. sich Prostituierende wahrgenommen. Als Nicht-Kunde dieser Branche habe ich vielleicht kein Auge dafür. Dass die Ukraine schon seit ihrer Unabhängigkeit vor 30 Jahren ein Reservoir für deutsche Bordelle ist, ist aber bekannt. Das wird jetzt bei vielen Geflüchteten leider wohl auch eine Option sein, bei einigen auch unfreiwillig.

 Regina äußerte darauf am 18.05.22 um 06:28:
Soso, haben die Spätaussiedler sich so gut integriert? Das behaupten sie nicht einmal selber.
Die ukrainische Sprache ähnelt dem Polnischen und wird von Polen einigermaßen verstanden, weshalb es da die Tendenz gibt, in Polen zu bleiben, um sich die Sprachbarriere zu ersparen.
Das Rotlichtmilieu in Kiew hat sich in Privatwohnungen verzogen, weil es offiziell verboten ist, und nicht unbedingt in deutsche Bordelle. Und es gibt Straßenstrich, auch für Jugendliche. Dass sich jmd. nicht gleich nach der Ankunft am Bahnhof anbietet, ist nachvollziehbar. Aber dass ganze Busse voll Frauen es ablehnen, in einem stadtnahen Ort vorübergehend zu übernachten, weil sie in die Großstadt wollen, das ist schon ein Indiz für die Aspiration von Nachtleben. 
Es ist sicherlich kein Spaß in dieser Zeit, Ukrainer oder Ukrainerin zu sein. Aber die Anspruchshaltung, angefangen beim Botschafter mit unhöflich vorgetragenen Forderungen an den Bundeskanzler bis hin zu ukrainischen Müttern, die glauben, das deutsche Schulsystem mache jetzt ihren Kindern zuliebe sofort Kopfstände, macht sie mir doch leicht unsympathisch.
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