Sommerloch

Text zum Thema Absurdes

von  Mondscheinsonate

Zwischen Lockdown vier und dem zukünftigen fünf klafft eine Lücke, eine Hasslücke, die weiß man nun mit Sensationsnachrichten aus dem Heard-Depp-Prozess zu füllen. Die Social-Media-Junkies saugen jede Bewegung von Amber auf und verurteilen sie bereits vor. Kein einziger Kommentar ist qualifiziert als ein normales durchzugehen. Besonders Frauen gehen wie Furien auf sie los, da der Depp, wahrlich, ihr Traum der schlaflosen Nächte ist. 

Dass sie sich in Widersprüche verstrickt, das ist ersichtlich, juristisch gesehen ist der Prozess allerdings extrem unspannend, denn die Vorverurteilung der Medien setzt jeden Richter unter Druck. Dies bestätigen auch einige Richter und Richterinnen in Podcasts oder Fachblättern. Daher, wie erwähnt, juristisch gesehen, langweilt der Prozess, das Thema allerdings ist nicht unspannend. 

Persönlich ist mir der Depp durch seinen Verfall schwer unsymphatisch und auch die Heard scheint nicht ganz dicht zu sein. Zumeist finden sich solche Konstellationen und zerstören sich gegenseitig. 

Aber, zurück zur Gesellschaft, so scheint es En Vogue zu sein, besonders seit der Flüchtlingswelle 2016, dass der Hass im Netz frei ausgelebt werden muss. Es gibt kaum ein Thema, das friedlich behandelt wird. Selbst harmlose oder eigentlich nette Meldungen, dass die Spanier den Frauen mit Regelschmerzen frei vom Dienst geben, löste eine Empörungswelle aus und interessanterweise schrieben auch Frauen, dass die, die sich frei nehmen, wahrlich Mimosen sind. Es gibt keine Solidarität mehr, keine Mitfreude, nur noch kollektiver Hass.

Klenk vom Falter organisierte ein Theaterstück über Kommentare von Boulevardmedienuser. Das war derart ekelhaft, angeblich waren es echte Kommentare und würde man nicht wissen, dass wir 2022 haben, könnte man denken, wir hätten 1938. Das Stück ist unten verlinkt.

Einige waren auch strafrechtlich relevant, das ist Usern egal, sie lassen sich mitreißen, argumentieren nur noch mit dem Bauch.

Auch die Millionen Juristen und Juristinnen verurteilen, pfeifen auf Rechtsordnungen, auf Mitgefühl und kotzen ihr Halbverdautes ins Netz. 

Früher las man zum Frühstück die Zeitung (mit den Nachrichten von Gestern) und am Abend sah man Nachrichten, nun wird man permanent überschwemmt und viele können nicht mehr filtern, sind komplett überfordert. 

Die Heard braucht nicht schuldig gesprochen werden, sie IST es, laut Medien und Pöbel, siehe Kachelmann, seine Unschuld war im Volk nicht von Relevanz.



Anmerkung von Mondscheinsonate:

 https://youtu.be/qkVLKci64bA

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Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (14.05.22, 09:14)
einziges -> einziger

 Regina (14.05.22, 19:31)
Die Regenbogenpresse lebt auch im Internet vom Voyeurismus, der sich in früheren Zeiten neugierig auf die Beziehungen von Nachbarn stürzte und bei Ratsch und Tratsch seine unqualifizierte Parteilichkeit zum Besten gab. Der Senf, den jede(r) zu einer Prominentenprivatsphäre dazugibt, ergießt sich nun in die sozialen Media und ist genauso langweilig wie der Prozess um Schlägereien im Schlafzimmer der Schauspieler. Aber die niederträchtige Wissbegierde goutiert diese Mitteilungen.

 Mondscheinsonate meinte dazu am 14.05.22 um 19:57:
Weißt du, früher meinte man stets: Das ist FB, nimm es nicht ernst! Aber jetzt sind fast alle drin und so viel Dummheit, Hass und Häme habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Manche lauern richtig auf Meldungen, wo sie alles rauskotzen können.Das ist so ekelhaft.

 Graeculus (15.05.22, 00:18)
Ist das mehr als die Klage älterer Leute vom "Verfall der Sitten"? Diese Klage gibt es ja schon seit Tausenden von Jahren.

Ja, in einem Punkte sind die Bedingungen objektiv ungünstiger geworden: die Möglichkeit, sich (1) weltweit und (2) anonym auszukotzen.
Das vermehrt nicht die Gehässigkeit, erleichtert aber ihre Äußerung.

Mir ist das so unangenehm wie Dir, aber jede Technik, die ich kenne, hat ihre Ambivalenz. Jetzt können wir uns in "Echtzeit" über alles informieren, schön, aber leider ist da auch jede Menge Müll bei.

Streichers "Der Stürmer" mußte man immerhin abonnieren.

Habe gerade gelesen, daß der Philosoph Moritz Schlick 1936 von einem verhetzten Studenten in Wien auf der "Philosophensteige" erschossen worden ist. Wir hätten wohl auch damals schon weitgehend das gleiche Lied singen können. Wie gesagt, nicht der Haß ist größer geworden, er kann sich nur leichter artikulieren.

 Mondscheinsonate antwortete darauf am 15.05.22 um 00:22:
Du hast RECHT! Und LeBons Psychologie der Massen ist aktueller denn je oder Freuds Gedanken daraus. Hetzt einer, hetzen alle. Und, das Schönste: es DARF gehetzt werden und gemeinschaftliches Hetzen macht besonders viel Freude.
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