Dichter, maulverkorbt

Text

von  corso

Dichter, maulverkorbt

 

Als Ringelnatz in Mannheim war,

ließ er danach kein gutes Haar

an der rabiaten Obrigkeit,

die eingreift, wenn ein Dichter schreit.

 

Im Laufstall dürfen Kinder schrein,

laut fluchend sogar Papagein.

Der Mob schreit vor dem Schwurgericht.

Der darf das, nur ein Dichter nicht.

 

Gar manche schrein als Therapie,

am Ende einer Symphonie

oder wenn sie Tüten falten.

Nur Dichter habens Maul zu halten.

 

Es schreien, wie der Dichter weiß,

Seelöwen auf dem Südpoleis,

doch kennt er nicht den wahren Grund:

ihr Arsch ist von der Kälte wund.

 

Ein Dichter, der aus Fröhlichkeit

in Mannheim auf der Straße schreit,

zeigt Freiheitsdrang und Übermut,

was ein Kurpfälzer selten tut.

 

Drum meide die Quadratestadt,

wer einen Sinn für Dichtkunst hat,

denn will man schreier Künstler sein,

greift stets ein Schutzmannheimer ein.



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Kommentare zu diesem Text


 Tula (20.05.22, 20:17)
Hallo corso
Es gab ja vor ein paar Monaten diesen Wettbewerb vom Ringelnatz-Verein. Ich vermute, du warst auch dabei. Auf jeden Fall ein schönes Ringel-Gedicht  :)

LG
Tula

 corso meinte dazu am 20.05.22 um 23:47:
Klar doch, es war ein "Kringel á la Ringel", für einen gebürtigen Mannheimer Ehrensache - und eine der selteneren Gelegenheiten, wieder mal zu reimen - aber auch, hier mal wieder an den großartigen Natz zu erinnern.

 Oggy (21.05.22, 10:51)
Fernab vom stillen Mannheim - konkret am Kattegat - wäre man von diesem Gedicht hellauf begeistert!

LG,
Oggy
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