Drunken Master 1.4

Epos zum Thema Magie

von  Terminator

"Lily, haben sie dir etwas getan? Wo sind die Kinder?" war Jake in Panik. Seine Frau war verängstigt, sie zeigte auf die Männer, die wenige Minuten vor Jake in seinem Haus angekommen waren und nun alles verfügbare Fleisch aus Kühlschrank und Tiefkühler in der Küche roh aufzehrten. "Damit ihre Wunden heilen", erklärte Jake. "Aber Jake, sie bluten nicht!" Jake nahm seine Frau fest in den Arm und ging dann zur Küche: "Ich habe Inamoto zum Flughafen gebracht, er hat nichts verstanden". "Das wollen wir hoffen", drohte der beste Schattenjäger, "denn lebende Zeugen haben uns gerade noch gefehlt". Jake ging in sein Arbeitszimmer und brachte etwas aus seinem Safe: "Hier, das da auf diesen Fotos, das ist wahrscheinlich Ghost". "Was? Ein Kugelblitz?" "Eher eine Glaskugel", korrigierte der Schattenjäger den Ausflügler. "Und was zum Teufel veranlasst dich dazu, uns zu erzählen, diese Kugel wäre Ghost?" wandte er sich an den Flüchtigen. "Die Kugel kam letzte Woche zu mir durch das offene Fenster. Sie wartete, bis Frau und Kinder im Bett waren, und führte mich dann ins Wohnzimmer an das Wandalphabet meines Sohnes. Und dann bewegte sie sich von einem Buchstaben zum anderen, bis ich anfing, ihre Botschaft aufzuschreiben... Bring me back to hell". "Moment... wenn sein Bewusstsein in dieser Kugel steckt, und er rumfliegt wie er lustig ist, warum kann er nicht selber zur Hölle zurückkehren?" "Weil er von jemandem, der sehr mächtig ist, kontrolliert wird", vermutete Jake. "Ghost war ein Sucher, kein Jäger", erinnerte sich der Schattenjäger, "dann ist er wohl jemandes Auge".


"Heilen die Wunden?" interessierte sich Jake. "Wird schon", zog der Ausflügler ein Hemd von Jake an, während der Schattenjäger an Löchern in seinem Torso noch rumdokterte. "Habt ihr eigentlich Sex?" fragte der Tote mit nacktem Oberkörper. Jake guckte verdutzt und stammelte: "Ich weiß ja nicht, was da so in meinem Körper... und dann spritze ich das in eine lebende Frau..." "Probier es erstmal mit einer Hure", empfahl der Ausflügler. "Dafür... hatte ich noch keine Zeit", antwortete Jake und sah nach Lily. Sie schloss das Kinderzimmer mit einem Schlüssel ab und kam zur Küche. "Kaffee?" fragte sie die Gäste. "Gern", nickte der Schattenjäger.


Der Kahle wieder. "Was!?" fragte der Jüngling, sich am Lavabach wärmend. "Die Zenobiten suchen dich". "Wenn sie mich schon in der Hölle nicht finden, wie können sie dann erwarten, dass ihre Suchhunde Höllenflüchtige aufspüren!?" wunderte er sich im gewohnt arrogantem Ton. Er stand auf und ging auf die Gruppe der Zenobiten zu. Der Älteste erklärte: "Der Teufel braucht deine Hilfe".


"Wohin gehst du?" störte wieder der Kahle. "Komm doch mit", zog der junge Mann einen dunkelgrauen Kapuzenpullover an und war bereit zum Aufstieg. "Nein, ich bleibe lieber in der Hölle", winkte der Kahle ängstlich ab. Der Jüngling erbarmte sich zu einer Samalltalkfrage: "Du, wo sind eigentlich die Frauen?" Der Kahle schaute verdutzt. "Kommen etwa nur Männer in die Hölle?" "Wir müssen gehen", eilte der älteste der Zenobiten und zog den jungen Selbstmörder am Arm.


Der Lift war einfach eine geländelose gusseiserne Plattform. "Setz dich, das wird dauern", sagte ein braun-langhaariger Zenobit Anfang 30, der dem Jüngling der Weg aus der Hölle zeigte. Sie saßen und schwiegen, lange, dann fing der Zenobit an zu klagen: "Die schicken schon Ausflügler zum Suchen. Die haben keine Schattenjäger mehr. Willst du einer werden?" "Egal. Oder habe ich hier Besseres zu tun?" "Hast du keine Angst?" "Was passiert denn mit den Schattenjägern, wenn sie scheitern?" "Aha. Angst hast du doch, und zwar vor dem Scheitern". "Du solltest Psychologe werden... ach, was, du warst Psychologe?" "Das war ich". "Und nun hier?" "Hab keinen Sinn mehr im Leben gesehen".


Die Toten tranken und lobten die Einrichtung der Küche. Jake sah nach den Kindern und machte den Männern dann klar, dass er ihren Abschied in aller Bälde erwartete. Doch Lily sagte: "Geh doch schonmal ins Büro, die werden uns nichts tun". "Bist du sicher?" erschrak Jake über die allmähliche aber doch ziemlich schnelle Veränderung seiner Frau, die schon immer eine ängstliche Maus war. "Zwei Tote sind in unserem Haus. Sie haben unser ganzes Fleisch gegessen und trinken unseren Kaffee. Wenn du mich und die Kinder nicht davor beschützen konntest, dass sie hier sind, was wirst du schon ausrichten können, wenn sie Gewalt anwenden?" Jake ging gesenkten Hauptes aus dem Haus und fing ein vorbeifahrendes Taxi.


Lily setzte sich in den Sessel gegenüber der Couch, auf der die Gäste saßen. "Hat er deshalb unsere Katze weggegeben?" fragte sie. Sie sahen sie fragend an. "Weil er tot ist!?" "Ach". "Achso". "Ja, Tiere spüren sowas". "Genau". "Und?" unterbrach die zierliche Frau das Gestammel, "...ist Jake also tot? So wie ihr?" "Ja", bestätigte der Schattenjäger.


Jake rannte die Treppen hoch, die Fahrstühle im Wolkenkratzer waren auf einmal alle defekt. Als er in seinem Büro ankam, saß Inamoto auf dem Chefsessel und sprach: "Mach die Tür zu", und als die Tür zu war: "Was auch immer da läuft, ich will dabei sein".


"Hast du alles verstanden?" fragte der langhaarige Zenobit. Die Plattform war auf einer Fläche unter einem Höhlengewölbe angekommen, aus dem es einen Ausgang zu einem Meeresstrand gab. "Wenn ich etwas vergessen habe, dann werde ich halt improvisieren", lächelte der Jüngling und sah, wie der Zenobit auf der Plattform unter dem Steinboden verschwand.


Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

Kommentare zu diesem Text


 Augustus (31.05.22, 09:36)
Spannend. Verfilmt oder animiert kann ich mir das Skript gut vorstellen. Der Inhalt ist sehr dynamisch, man könnte meinen, die Figuren ruhen nie. Sie sind ständig in Bewegung oder in Handlungen. 

Übrigens vermischen sich viele Genres von Filmen im Text. Ost und West. 

Interessant, dass Du die Yakuza ausgewählt hast und weniger beispielsweise die italienische Maifa oder die mexikanischen Drogenbosse.

 Terminator meinte dazu am 31.05.22 um 12:25:
Seit 1997 ist das in der Tat ein Film in meinem Kopf.
Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram