Verbrechen wider Willen - der ultimative Heimatkrimi - 1. Kapitel - die Entführung

Erzählung zum Thema Aktuelles

von  pentz

Vorwort

1, Plötzlich ändert sich alles...

Weiße Blitze wie Supernova fläschten durchs rot-schwarze Nichts, was der erstaunte Betrachter seinem beginnenden, fulminanten Höhepunkt zuschob. Hingebungsvoll ruhte sein Kopf mit geschlossenen Augen auf der Sitzstütze. Kurz vor seinem absoluten Kick war zwar das Geräusch des langsamen Öffnen des Cabriolet-Verdeck wahrnehmbar, aber er hörte es einfach nicht (nachdem die Beifahrerin versehentlich an den Schalter auf der Mittelkonsole gekommen ist).
Das Verdeck öffnete sich in Zeitlupe, seine Partnerin musste versehentlich an den Knauf auf der Mittelkonsole gekommen sein, über den sie sich beugt, um seinen Schniegel zu bearbeiten - aber egal, dachte er, mit Gaffern ist kaum zu rechnen, am Abend jetzt. d er seinen Orgasmus vollkommen auskosten wollte, war der eine Grund, nicht zu handeln, der andere, es musste ohnehin abgewartet werden, bis das Verdeck richtig offen stand, bevor es wieder zugefahren werden konnte.
"Um so besser. Vielleicht können wir den Film als Porno ins Internet stellen! Gegen Geld, verstehst!" Stimmen, die er gar nicht richtig wahrnahm, da er noch hin und her gerissen wurde von den Verzückungen seines Orgasmus.
Weiterzu blitzte es, als er langsam runterkam. Das war irritierend. Schlagartig öffnete er die Augen und schaute in eine rotblinkende Kamera, welche ein Mann in der Hand hielt.
He, nicht aufhören. Kamera läuft!“, und ein dreckiges, lautes Lachen erfolgte.
Mit einem Camcorder wurden sie gefilmt, Menschlein, die sich frei und schamlos wie hinter vier Wänden verhielten, aber sich hier der Öffentlichkeit ausgesetzt sahen, besonders der Mann, dem sein Feigenblatt fehlte.
Dieser stößt die Frau abrupt weg und hebt daraufhin schnell den Schoß, um seinen Reißverschluss zuzubekommen. Die Frau reibt sich mit einem Taschentuch hastig den schleimigen Mund ab.
Der Kameramann filmt und filmt und lacht dabei freudig und dreht seinen Kopf immer wieder nach hinten, als ob dort jemand stünde. Oder? Ist da keiner?
Doch da musste einer sein, das Reden im Plural zum einen, zum anderen jetzt eine vermeintliche Bewegung im Dunkeln wiesen darauf hin. Tatsächlich, allmählich zeichnen sich dessen Konturen ab, je länger man hinschaute, wozu aber keine Zeit war. Der Kameramann ist blond und hochaufgeschoßen, wohingegen dieser andere deutlich dunkler und breiter ist. Zu dessen Bulligkeit und Dunkelheit, welche schon einmal bedrohlicher wirken und sagen: so amüsiert wie der Blonde bin ich nicht, selbst wenn sich dieser fast nicht mehr vor Lachen beruhigen kann, kommt eben erschwerend hinzu, dass dieser etliche Meter weiter hinten in der düsteren Dämmerung stand und nur aus dem Schwarz heraus funkelnde Augen eines lauernden, schlitzäugigen Blickes erkennen ließ.
Vielleicht Drogenabhängige?
In Blondys Mundwinkel steckt eine Zigarette.
Nahe hier unterhielt das große Bezirkskrankenhaus eine Abteilung für Drogenentzug und Rehabilitation. Hatten welche Ausgang? Waren sie aber gerade stiften gegangen, konnte es noch sehr unangenehm werden. Von einer Behörde, Drogenberatungsstelle zum Entzug hierher eingewiesen worden, brachen sie diesen ab und weil sie Repressalien erwarten mussten, griffen sie zu ungesetzlichen, rabiaten Mitteln, nur um fliehen zu können...
Und hier hatten sie eine gefundenes Fressen entdeckt.
Unwillkürlich griff der Arzt an seine leicht ausgebeulte vordere Jeanstasche, in der 1000 Euro steckten. Das hätte er nicht tun sollen! Das war unvorsichtig, gedankenlos, leichtsinnig. Er kriegte Panik.
Blondy und Blacky, wie Hunde, die sofort reagieren, sowie sie Adrenalin rochen, erkannten die Angst an dessen Verlegenheitsgeste. Reflexartig schnüffelte einer mit seiner Kokainnnase, dem anderen flatterten nervös die Lider wie eben Junkies, Kleinkriminelle, die sofort Unsicherheiten an einem Menschen bemerkten, steckten sie oft genug in Situationen, wo jede falsche Bewegung eine Todesurteil ist. Der Mann könnte ja zum Beispiel eine Pistole haben.
"Da ist doch etwas hinterm Busch!", stößt Blondy aus und sofort tritt der Bulle einen Schritt aus der schwarzen Wand hervor, wobei ihm sein silbernes, kleines Messerchen um die Brust hin- und herpendelt.
Blondy indes tigerte schon um den offenen Caprio wie eine Raubkatze um die erlegte Beute.
Der Arzt hatte zwar die Hände sofort wieder vom neuralgischen Punkt zurückgezogen und so zerstreut über den Jeansstoff gestrichen, als gelte es, nur Fuseln abzustreifen, aber zu spät, dieses Händegefuchtel machte ihn verdammt verdächtig. Der hat doch etwas zu verbergen.
Mittlerweile auf der Fahrerseite angekommen, fiel Blondys Blick auf eine leicht ausgebeulte Hosentasche des Mannes. Er pfiff durch die Zähne und stieß aus: "Verdächtig, verdächtig!" Insgeheim war er aber vor allem erleichtert, dass hier nicht eine Waffe im Spiel war. Diese Leute waren wohl ziemlich harmlos.
Dem Arzt fiel die Klappe herunter vor Angst. Steif und starr wartete er auf die Dinge, die da kommen mochten und glitzernde Angstperlen auf seiner Stirn verkündeten, dass er mit Allem rechnete. Bei der ausgebeulten Tasche handelte es sich um Schwarzgeld, dem Mietgeld seines illegal vermieteten Hauses. Es war zu verlockend, um es zu legalisieren und außerdem hundertprozentig dicht und sicher: der Mieter war ein griechischer Restaurantbetreiber, der seine Einnahmen auch leicht am Fiskus vorbei in Sicherheit bringen konnte.
Nun drohte sich dies für den Arzt zu rächen.

2. Arme wollen auch ihren Anteil...


In dem Mercedes-Benz-Cabrio hing ein Emblem mit dem Äskulap-Zeichen.
Mensch, schau mal hin, das ist ein Arzt. Und der Medizinmann verbirgt doch etwas!“
Und schon griff er dem Arzt an die Hose. Es war ganz klar, um was es sich da handelte, was er durch den leichten Jeansstoff spürte. Eine Geldbörse.
Männchen, rück mal mit die Piepen raus! Aber dalli!“
Dazu machte eine flache Hand. Der Arzt reichte ihm seinen Geldbeutel.
Schau'n ma mal, was Ärzte so verdienen!“
Und er fischte er einen umbrabraunen Euroschein mit spitzen Fingern heraus, was sein Erstaunen verdeutlichen sollte. Blondy warf sofort die Zigarette zur Seite, kam um die Karosserie getrippelt, ergriff sich den Schein und schrie auf: „Was ist denn das für ein Scheinchen, he? Wau.“
Mit der anderen Hand langte er sich an den Kopf, was seine Ungläubigkeit demonstrierte, wobei der die Blüte ion höchste Höhe hob und laut ausrief: „Schau Dir das mal an!“
Ein Tausend-Euro-Schein wedelte in seinen Händen.
Der andere rang sich längst kein Lächeln mehr ab, war er doch schon von etwas ganz anderem angezogen: Sein Blick fiel auf diese milchig-gelbe Hautfarbe im Beifahrersitz des Cabriolet, die eine Schulterpartie freigab, um die über die Achseln BH-Träger verliefen. Er leckte sich die Zunge über den Mund.
Davon bekam Blondy natürlich nichts mit, denn er war noch immer in Unruhe versetzt wegen des Fundes. Und zu recht. Das bewies er mathematisch-eindringlich: „Weißt Du, wie lange ich hierfür Flaschen sammeln muss?“ Gleichzeitig fiel ein drohender Blick auf dem unter ihm sitzenden Geldsack. Kurze Stille – zum Nachdenken – zum Nachrechnen. „Jahre, Jahre, kann ich Dir sagen, Jahre!“
Er drehte sich jetzt mit dem 1000 Euroschein um sich selbst, bis er abrupt innehielt und wieder drohend und bohrend auf den Arzt niederblickte und verkündete: „Das kommt mir jetzt gerade Recht. Nachdem ich ins Krankenhaus eingeliefert worden bin und pro Tag 10 Euro zu zahlen habe. Mann, ja, das habe ich! Trotz propagierten Sozialstaat. He, wo bleibt er, wenn man krank ist? Dann zeigt er seine Fratze, he: bezahlen musst Du fürs Kranksein, he! In ihrem verfickten Krankenhaus pro Tag 10 Euro! He!“
Der Chefarzt fühlte sich beschämt. Aber peinlich war ihm nicht dieser Umstand, dass es wahr war, sondern wegen des geringen Geldbetrages. Was sind schließlich schon 10 Euro, was sind 100 Euro? Bei 10 Tagen Aufenthalt. Und überhaupt!
So viel Armut war ihm hochnotpeinlich. Verlegen schaute er seine Partnerin an. Diese seine Mitgefangene, eine Krankenschwester seines Hauses, in dem er angestellt war, blickte nur starr drein: offenen Auges stand ihr das Entsetzen im Gesicht und in den Augen die vage Angst um ihr Leben.
Klar, bei der fand man außer guten, sterilen Sex keine anderen Gefühle, dachte er sich. So fühlte er sich hier als einziger angeklagt, als hoher Vertreter solcher Institutionen, die nicht davor zurückschreckten, selbst armen Kranken noch den letzten Heller und Pfennig aus der Tasche zu ziehen. Zur Peinlichkeit der Umstände, der Hilflosigkeit seiner Lage fühlte er sich nun zudem am Pranger stehen.
Na, los Daktari, sprich. Wie stehst Du dazu?“
Tja, ich weiß auch nicht!“
Er fand keine Worte. Geldnot kannte er nur vom Wort her.
Hört Euch den Daktari da an. Sahnt ab von den Kranken Gelder, was das Zeug hält, und wenn man ihn darauf anspricht, meint er:“ Blondy äfft den Arzt nach: „Ich weiß auch nicht!“
Blondy wurde jetzt richtig wild und schoß unerwartet schnell mit seinem Kopf über den Volant ins Coupé hinein, mit seiner Nase und seiner bedrohlichen Stirn kurz vor des Doktors Kopf verharrend. „He, Doktor, warum?“
Ich, ich bin auch nur ein kleines Rädchen im Getriebe.“
Dem Arzt rollten inzwischen die Schweißperlen von der Stirn.
Pah, das sagen sie alle!“
Blondy zog sich wieder zurück in aufrechte Körperhaltung und sagte zu Blacky: "Ganz schön platt der Arzt hier!"
Er steckte sich wieder eine Zigarette an.
Dann ratterte er aber sofort wieder weiter: „Und letzthin. Einweisung ins Klinikum. Krankenkasse hat mir die Fahrkosten zugesagt. Ich also ein Taxi genommen, dem Taxifahrer den Erlaubnisschein von der Krankenkasse gegeben und ab in die Klinik. Nun kommt heute ein Schreiben vom Taxiunternehmer, dass ich die volle Kosten der Fahrt von 40 Euro zu zahlen habe. Die Krankenkasse weigert sich, trotzdem sie eine Verordnung zur Fahrt herausgegeben hat. Das mich das nicht davon entbindet, wie sie sich ausgedrückt haben, auch für Taxifahrt-Kosten zu zahlen, haben sie mir natürlich nicht vorher mitgeteilt, diese Band. Da hast Du den Salat!“
Blacky nickt weise, wissend und betroffen mit den Kopf, noch immer von der lilienweißen Haut der Krankenschwester in den Bann geschlagen: „Mann, da bist Du nicht allein!“
Der Arzt weiß auch nichts dazu zu sagen, um Papierkram kümmert er sich so wenig wie möglich, denkt, dass der Patient gutgetan hätte, eine Kopie von der Krankenhaus-Verordnung anzufertigen zu lassen, um sie bei der Krankenkasse einzureichen, aber solche Leute haben a) keinen Kopierer und b) stehen sie derartig unter Druck und leiden meist derartig unter Geldnot, dass ihnen selbst die Kosten fürs Kopieren zu hoch sein dürften, bildeten sie sich wenigstens ein, so dass sie's sein lassen. Wenngleich sie ohnehin meist so vertrauensselig sind, dass sie nicht daran denken, sich durch eine Blaupause abzusichern. Sie rechnen nicht mit der Kleinlichkeit, Missgunst und Engstirnigkeit der Bürokraten. Viele von diesen zieren sich ja, als ginge es bei den zu vergebenden Zuwendungen, Unterstützungen und Leistungen um ihr eigen Hab und Gut. Als ob dies Erkenntnis nicht schon Allgemeingut geworden wäre und jeder darauf erpicht sein mußte, sich gegen Verwaltungs-Fallen vorzubeugen?
Er schüttelt ratlos-verhalten den Kopf. Beißt sich auf die Lippen. Wagt keine Antwort zu geben.
Und woher hast Du eigentlich die 1000 Euro, Mann!“
Der Arzt weiß, reden hat keinen Sinn.
Blondy merkt das und schleudert ihm die Antwort ins Gesicht: „Bakschisch, Mann, gib's schon zu! Du hast eine Sonderbehandlung eingelegt, beim einem Geldsack, he! Hast ihm vielleicht ein seltenes Herz, Niere oder Leber verpasst und der hat Dich für diese Extrabehandlung diese Schmiere zugesteckt, ist's nicht so?“
Der Arzt rührt keine Wimper, keine Lippe und kein Glied. Aber er spürt die salzigen Schweißperlen, wie sie über seine Lippen rinnen.
Mir brauchst Du nichts vorzumachen, mir ist klar, was mittlerweile falsch läuft im Staate Dänemark!“
Blacky: „Dänemark?“
Das sagt man halt so!“
Hä?“
Statt Deutschland sagt man Dänemark. Irgendetwas ist faul im Staate Dänemark, so sagt man!“
Wieso sagt man das, wenn wir hier im korrupten Deutschland leben, he! Willst Du mich verarschen?“ Er macht die Bewegung des Zu-allem-Bereit-Sein, nämlich selbst zu einer Handgreiflichkeit. Dabei bilden seine Hände Fäuste.
Ist ja egal!“
Mir aber nicht! Ich laß mich nicht verarschen. Also, warum?“
Mann, weiß ich auch nicht. Hab's halt irgendwo gehört.“
Achso, und Du weißt nichts besseres, als solch einen Blödsinn nachzuplappern!“
Du hast's erfaßt!“
Für so dumm hätt ich Dich aber nicht gehalten!“
Ja, ich mich auch nicht!“
Hä!“
Ist gut, Mann. Von mir aus: es ist etwas faul im Staate Deutschland! Gut so?“
Ja, das brauchst aber nicht extra zu betonen. Das weiß ja wohl mittlerweile ein jeder, Mann!“
Da hast Du verdammt recht, Mann!“
Na also, sag ich doch!“ Und Blacky begibt sich wieder in Entspannungs-Modus, macht einen tiefen Schluck aus der Aufputsch-Drink-Dose und schielt wieder auf den verlockenden Wildfang im Cabrio.
Blondy wendet sich indes erneut dem Arzt zu, versucht dessen Gedanken zu lesen, erkennt aber keine in dessen Gesichtsausdruck, allenfalls Angst und Panik. Das ist ja immerhin ein Zeichen dafür, daß die Mauer wacklig und brüchig geworden ist, gegen die er geprescht ist. Befriedigend, aber nicht genug. Er nuckelt an seinem Glimmstengel wie an einem Babylutscher, dann schnellt er mit seinem Kopf wieder vor - nah bis wenige Zentimeter vorm Arztkopf.
Seitdem wir mit sechzehn in der Scheißmaloche stecken, hat man uns gesagt: Sozialbeiträge fürs Alter entrichten. Hä! Wofür? Für den Sozialstaat. Wo ist er denn jetzt? Wo, wenn man ihn braucht? Dann, wenn man in der Scheiße sitzt? Ans Alter dürfen wir gar nicht denken. Werden es sowieso nicht! Steckst Du aber in der Scheiße, dann hilft Dir keine Sau. Bezahlen heißt es jetzt wieder. Blechen, dass man krank sein darf, dass man ärztlich versorgt wird, im Krankenhaus behandelt und operiert. Aber wehe, Du wirst krank, dann überlegst Du Dir es zweimal: lass ich mich einweisen oder nicht, oder besser, kann ich es mir noch leisten oder nicht? So sieht's aus!“
Wieder nuckelt er an seiner Zigarette, fischt sich aus seiner Tasche eine Schachtel mit Pillen und wirft sich ein paar ein.


3. Nichts ist zu hoch, wenn man ganz unten liegt...


Blacky flüstert Blondy etwas ins Ohr.
Bei dem ist mehr zu holen! Denk nur mal an die Fotos, äh, die Aufnahmen, die wir haben.“
Blondy denkt einige Sekunden angestrengt nach, bevor er bedächtig grinsend nicken kann.
Kapiert!“
Aber klar, diese Bilder sind Gold wert. Und klar, es ist kaum anzunehmen, dass diese geile Schwanzlutscherin seine Ehefrau ist. Wo gibt's das, dass Ehepaare in ihren piekfeinen Autos Sex miteinander machen? Dazu haben sie ihre großflächigen Schlafzimmer- oder lila-blaß-blauen Himmelbetten.
Die beiden Ertappten werden jetzt eiligst dazu aufgefordert, das Auto zu verlassen und die Geiselnehmer präsentieren sich bald deutlich gegenüber diesen.
Blondy hat dünne, strähnige Haare, die ihm ungekämmt in Stirn und Gesicht hängen, während er eine richtige große Tonsur hat, fast eine Platte - ungewöhnlich für so einen jungen Kerl. Sein wildes Erscheinungsbild ängstigt unversehens, könnte ein derartig ungewöhnlicher Haarausfall dort, wo das dafür zuständige Organ ruht, doch Zeichen eines Psychopathen sein.
Aufgrund des anderen Typen borstigen Dreitagebarts in einem kugelrunden, großen Schädel ist von diesem zunächst nur Augen und Stirn zu sehen, dann aber fällt die platte Nase mit zu großen Nasenlöchern auf und dessen Stiernackigkeit, da der Kopf übergangslos in die Schultern hineingeht, sprich kaum einen Nacken sehen lässt. Sein Anblick ist aggressiv, wütig und verhalten explosiv und Zuckungen an Händen und Armen offenbaren seine unterdrückte Nervosität und Angespanntheit.
Blondy fordert den Arzt als erster auf, auszusteigen und als geschehen, dreht er ihn um und biegt ihm die Hände nach hinten. Dieser schreit schmerzhaft auf. „Damit Du spürst, was auf Dich zukommen kann, wenn Du Muckser machst!“ „Ja, ja, keine Gefahr!“, stammelt der Leidtragende. „Dann ist gut, Doktorchen!“
Blacky nimmt sich die Frau vor.
Er öffnet den Verschlag, hilft der Dame jedoch nicht beim Aussteigen, sondern tritt einen Schritt zurück, um diese in ihrer ganzen blühenden Erscheinungsform besser taxieren zu können, als sie mit den Beinen zuerst aus den Auto steigen will und er noch befiehlt: "Hure, steig aus!" Erschrocken fährt diese wieder die Beine zurück, eine Geste, die besagt, dass sie das Gegenteil dessen, was ihr befohlen worden ist, machen will - so zumindest von Blacky interpretiert. Dass es aus einem Schreckmoment herausgeschehen ist, ist bar jeder Betrachtung für ihn, Grund genug liegt vor, nicht lange zu fackeln, auf sie zuzuspringen, sie an ihren Händen zu fassen und aus dem Auto zu zerren.
"Dir werd' ich's zeigen!"
Aus dem Fahrzeug heraussen schleudert er sie so stark weg, dass sie in den parkplatzbegrenzenden Sträuchern landet, ein Glück, denn damit fügt sie sich nur Schürfwunden zu und nicht härtere Blessuren etwa vom kruden Asphaltboden her.
Blondy kümmert sich inzwischen um das offene Verdeck: "Wo muss man hier drücken?", und er fuchtelt an der Konsole erfolgreich herum. Mit den Autoschlüsseln schließt er das gute Stück ab und behält diesen bei sich.
Blackys Finger schließen sich fest um ein Handgelenk der Krankenschwester und dreht ihr die Hand auf den Rücken. „Die andere auch!“ Sowie geschehen, bindet er ihr die Hände mit seinem Hosengürtel zusammen. „So, jetzt kann's losgehen!“ Und schon schubst er sie Richtung Weg nach Hause, sofort hinter ihr her. Er Arzt folgt daraufhin, den man nicht gefesselt hat und so marschieren alle vier im Gänsemarsch los.
Es geht quer durch den Wald, einen Weg entlang, der nach unten führt, bis kurz vor einem kleinen Tunnel, der unter den Bahngleisen hindurchführt.
Jetzt müssen wir uns die Hände geben, sonst könnte einer verlorengehen in den dunklen, schwarzen Schacht. Haha!“
Blondys ekliger Lacher fährt durch Mark und Bein.
Und nun wie die Gänse hintereinander aufgestellt! - Schön! - Im Gänsemarsch, los! - Macht Euch jetzt ein bißchen kleiner!“, ist die letzte Verkündigung, bevor sie das schwarze Loch verschluckt. Händereichen, Gänsemarsch und Kleinermachen sind hilfreich, ist es doch dortdrinnen eng, niedrig und stockdunkel.
Passt auf, dass ihr nicht auf der Kacke ausrutscht!“
Ist das ernst gemeint oder ein derber Scherz?
Nein, denn schon befinden sie sich inmitten eines bestialischen Urin- und Fäkaliengestanks, der beißend in die Nase greift. Weil nur wenig Platz herrscht, sind die schwarzen, kohle- und granitartigen feuchten Gesteinsbrocken richtig gefährlich, die außerhalb die Bahndämme und hierdrinnen den Boden belegen und da zudem die Wände tropffeucht sind, kann man leicht ausrutschen, weil nicht festhalten und sich ernsthaft verletzen. Der Gestank dringt einem scharf in die Nase, die man instinktiv zuhalten möchte, wenn sich die Beteiligten an den Händen und Schultgern wie ein Reigenkreis festhalten würde. Immerhin ist es düster, nicht stockdunkel, so dass mannoch etwas sieht und keiner ausrustscht und gegen die Wand kracht.
Die Abenddämmerung draußen schützt vor unliebsamen Fragen von Passanten, sollten sie welchen begegnen. Nicht der Fall wird es sein, ist doch Freitagabend, die Leute sitzen jetzt am Abendtisch, vor den Abendnachrichten und versuchen sich von der Arbeitswoche zu entspannen.
Folglich trefft die obskure Gänseschar auf niemanden.
Hinzu kommt, dass es schnell geht, liegt doch das Zielobjekt, ein Familienhaus aus den 40ern, fast direkt am Bahndamm und keine 50 Meter entfernt vom kleinem Tunnel. Eine ungepflegte, kaum geschnittene Hecke umgibt einen nicht minder vernachlässigten Garten, so dass das Haus vom Gehweg aus kaum einsehbar ist.
Im Eingang, einer Tür, worauf ein paar Treppen führen, verschwinden die vier im kleinen Familienhaus.
Idyllisch anzusehen ist dieses Refugium schon, sieht man zum Beispiel im Garten eine alte, scheppse Hundehütte, einen windschiefen, alten Geräteschuppen, ein verfallenes Treibhäuschen aus Plastik und verunkrautete, vernachlässigte, ungepflegte Beete.
Ein wahres Biotop!
Allerlei nicht entsorgtes Gerümpel, ausrangierte Möbel und undefinierbare Gegenstände liegen verstreut herum. Anders gesehen: Eine bleierne Stagnation hat über diesen Privatbesitz sein eisernes Mäntelchen gebreitet und im festen Griff.
Man geht nicht fehl, vom Außen aufs Innere zu schließen.
Dieses ist zwar gemütlich, nachgerade durch das Durcheinander von verschiedensten, nicht zusammenpassenden Möbelstücken, die zwar schäbig und auf ein geschmackvolles Auge beleidigend wirken, aber gewiß nicht steif, eckig und kahl. Wäre vielleicht nur nicht das verkrustete ungewaschene Geschirr, und die verbogenen, gebrauchten und muffelnden Pizzaschachteln und die bis über den Rand herausquellenden Eimer für Papier, Bioabfall und Sondermüll, hätte man es noch als idyllisch, gemütlich und romantisch betrachten können, so aber...
Sowie sie im Haus sind, wird der Gürtel von der Frau gelöst, die sich in den Augen Blackys ihr Handgelenk übertrieben reibt, wie er findet: „Zimperlieschen heult gleich oder was?“
Und schon packt er sie an der betreffenden Stelle am Handgelenk mit all seiner Kraft in seinen Händen. „Aua, Du tust mir weh!“
Ich tu Dir vielmehr, wenn Du willst!“
Sofort schweigt die Frau und unterlässt ihr zimperliches Reiben an den Handgelenken. Nur nicht unnötig provozieren erst mal...


4. Wer keine Wahl hat, hat die Qual


Blondy indessen ging nach Betreten der Wohnung stracks in die Küche zum Kühlschrank, fischte sich ein Sechser-Pack Bier heraus, riss die Plastikhülle ab, entlaschte eine Dose, spülte den Inhalt in einem Zug hinunter und griff sich die nächste. Die Dritte folgte sogleich und dann trat er mit dem Rest Bierdosen an den großen Tisch inmitten des Raums, um sie dort abzustellen. Er ließ er sich in einen Sessel plumpsen, die Füße auf den Tisch gelegt.
Sein Partner hatte unterdessen die Geiseln einfach in die enge Rumpelkammer, die in diesem Küchen- und Wohnraum eingelassen worden war, geschoben, verstaut und eingesperrt. Vorerst - das konnte nur ein Provisorium darstellen.
Nun überlegten beide beim Blechdosenbiertrinken das weitere Vorgehen.
Nur wurden sie dabei von den Gefangenen gestört, die mit ihrem neuen Asyl nicht zufrieden waren, da sie immer wieder an die Tür der Rumpelkammer stießen und maulten, dass es hier so düster und eng sei.
Der Arzt wünscht ein Fünf-Sterne-Hotel!“, sagte Blondy sarkastisch.
Ja, das kann er haben!“, und Blacky stand auf, ging zur Seitenkammer und schlug mit den Füßen gegen die windige Holztür.
Haltet Eure Fresse, ihr Blödmänner und, äh, -frauen. Sonst könnt ihr etwas erleben!“
Sofort war Ruhe.
Blacky zeigte kein bißchen Mitgefühl: „Die treten sich wohl auf die Füße?“
Na, wie sehr die auf vertrauten Fuß miteinander verkehren, ist das kein Unglück!“
Ohoho!“, stießen sie darüber mit den Blechdosen an.
Auf die fette Beute!“
Und die kommende Ausbeute!“
Danach verfielen sie ins Nachdenken.
Blondy kriegt jetzt Katzenjammer: "Scheiße, dass der Arzt soviel Pinke-Pinke in der Hosentasche mit sich herumschleppen muss. Da wird man ja zum Diebstahl gezwungen!"
Blacky gefällt das gar nicht.
"Wie meinst das?"
"Naja, ich weiß auch nicht."
"Willst nen Rückzieher machen, Blödmann! Denk mal an den Batzen Geld. Stell Dir vor, wie sich das anfühlt, wenn Du es in Händen hälst!"
"Ja Mann, das ist es eben!"
"Hä!"
Aber mit Blacky ließ sich schlecht philosophieren, wenn man so sagen darf. Die einzige Erkenntnis, der sie schließlich habhaft wurden, war: die Würfel waren gefallen. Punktum. Nun war guter Rat teuer!
Dann begannen sie sachte und verhalten die verschiedenen, vielfältigen Umstände, die mit so einer Entführung und der zwangsläufigen Erpressung zu bedenken waren, zu bedenken.
10 000?“
Hm!“
Diesen Betrag ließ sie erst einmal wirken.
Allmählich wurde ihnen klar, dass sie viel zu wenig forderten: „He, 10 000, was ist das schon? Für die Fuzzis da. Wir sollten 500 000 verlangen!“
Oha, das sollten wir!“
An wen sollten sie sich wenden, der ihnen das Geld beschaffen würde.
Sie verfielen darauf auf die Frau des Arztes. Selbst wenn sie zögerte, bei der Höhe der Knete war von auszugehen, dann würde ihr der Arzt schon Beine machen. „Schließlich, der hat bestimmt das Zepter in der Hand!“
Du sagt es!“
Anderes konnten sie sich nicht vorstellen. Eine Ehefrau, die das Sagen in der Ehe hatte – bei einer Arztehe – eh, da war doch wohl ganz klar der Arzt der King.
Und wenn die Frau aufmuckte, dann würde eben der Arzt schon wissen, wie er der Alten Beine machen konnte. Was blieb ihm schließlich übrig? Dass seine Gemahlin von der Nebenbuhlerin erfuhr?
Sie lachten bei dieser Vorstellung heftig: „Auwei!“ Nicht einmal Gewalt würden sie anwenden müssen. Man bedenke die Sprengkraft dieser Pics, dieser Bilder mit Sexszenen – eh, zu kompromittierend! Welcher Involvierte würde zu einer Veröffentlichung dazu gleichgültig stehen?
Bedenke man der Konsequenzen!
Die Öffentlichkeit!
So ein Arzt steht im Zentrum der Öffentlichkeit. Was gebe es da für ein Gerede und Getratsche. Nein!
Und seine Ehefrau erst! Scheidung wird sie wollen, ganz klar! Oder auf jeden Fall wird das weitere Eheleben eine Hölle werden. Nee, nee, eine daraufhin derartig gestörte Beziehung einer Ehe zu führen, wird auf Dauer zu schmerzhaft und stressig werden für ihn. Der wird parieren und alle Hebel in Bewegung setzen, um dieser Hölle zu entgehen: „Worauf Du Gift nehmen kannst!“
Prost!“
Sie stoßen auch deshalb immer wieder an, um Zeit zu gewinnen, weiterdenken zu können. Ganz so sicher sind sie sich doch nicht. Und das Denken fällt ihnen schwer. Wundert es in ihrer Lage? Die Kompetenzen für eine Erpressung mussten auch erst erworben, erarbeitet und erdacht werden. Die Fähigkeiten dazu würden niemanden in die Wiege gelegt.
Man plant, das Lösegeld in den leerstehenden Mercedes Benz Cabriolet deponieren zu lassen. Die Frau muss die halbe Mille Euro von der Bank abheben, das Geld zum Auto transportieren und in diesem ablegen, woraufhin sie verschwinden muss. Danach werden sie sich das Geld holen. Daraufhin werden Krankenschwester und Arzt freigelassen. Wenn der Arzt zur Polizei gehen wird, werden die Bilder überall, wo es sinnvoll und weniger sinnvoll erscheint, veröffentlicht. Der Arzt hat keine Chance, die Bilder zu löschen, unwiederbringlich zu löschen. Diese sind millionenfach kopierfähig. Keine Chance für diesen. Hält er ruhig, dann ist es nicht notwendig, die Pics zu verbreiten. Damit wären sie vor einer Polizistenverfolgung sicher.
Und das Geld. Das war doch schon eine ganz schöne Schaufel voll!
Der Arzt und seine Familie werden das Geld locker aufbringen können, mit Sicherheit. Die Beschaffung der hohen Summe stieß auf kein Bedenken, solch ein Arzt hat Kohle ohne Ende und sollte es nicht reichen, die Familie und Verwandtschaft wird schon ein bißchen nachhelfen, da kann man sich sicher sein..
Das waren die Konditionen, Bedingung, Umstände.
Nun kam der Zeitpunkt, dass er dazu angehalten werden musste, seiner besseren Ehehälfte den Auftrag zu erteilen, das Geld zu besorgen.
Angehalten“ ist ein bißchen zu sanfter Ausdruck. Deckt sich dieser nämlich damit, dass er jetzt rüde aus der Rumpelkammer gezogen wird, so, dass gleichzeitig ein Besen und der einfach kunterbunt zusammengewürfelte Inhalt samt eines Staubsauger mit herausfällt? Hinterher kommt die Krankenschwester herausgerutscht, die über diese Dinge rutscht und vor ihnen auf dem Boden landet.
Wer hat gesagt, dass Du rauskommen sollst?“, höhnen die Entführer gar noch.
Blondy ist über das Verhalten der Krankenschwester verärgert, zieht sie in seiner Wut nach oben und stößt sie in eine Ecke.
Bleib dort und halt still, Schlampe.“
Dann nehmen sie den Arzt ins Kreuzverhör.
Blacky schildert die Bedingungen der Erpressung.
Der Adressat hört sich die Konditionen stumm an und als ihm schließlich sein Telefon in die Hand gedrückt worden ist, tippt er gleich drauf los, eine Geste, ein Verhalten, so ohne Widerspruch,- vielleicht, eh, das ist aber zu viel Geld, was sie verlangen - stößt doch auf Mißtrauen.
Blacky entreißt ihm wieder das Gerät.
Weißt Du!“, sagt er zum Blonden. „Ich glaube, für den sind 500 000 ein Pappenstiel."
Der Blonde zieht die Augenbrauen hoch.
Laß uns einfach verdoppeln. Wir können, wenn's wirklich zu viel ist, immer noch heruntergehen. Immer mehr verlangen zunächst!“
Der Blonde verzieht den Mund um einen breiteren Grad.
Wie verdammt Recht Du hast! Erst Maximalforderung, dann wird man sehen.“
Der Arzt zeigt im Ansatz Gesten des Protests, verstummt aber sofort wieder, als er die Faust des Blonden vor seiner Nase sieht. Blondy gefällt seine Pose. Er lächelt über die unverhoffte Macht seiner Gestik.
Die Krankenschwester in der Ecke hat alles mitbekommen, verzieht ein verächtliches Gesicht und begeht den Leichtsinn, dass sie wegwerfend dazu schnaubt. Hat sie den Eindruck gehabt, man würde sie hier behandeln, als existiere sie nicht, zumindest spielte keine Rolle, was zwar insofern stimmte, als sie nicht das begehrenswerte Objekt der Erpressung war, so entging ihr, dass sie ständig sehr aufmerksam von jemanden beobachtet wurde.
Blacky geht zu ihr hin und scheuert ihr eine wortlos.
Blondy guckt erstaunt auf, will etwas sagen, kann sich aber seine Worte sparen, weil er kapiert.
Dem Arzt wird mit der neuen Forderung wieder das Gerät gereicht. Er tippt einige Zeit herum.
Hast Du endlich gemailt!“
Ja, ja!“
Worauf wartest Du dann noch. Gib das Gerät her!“
Aber wir müssen noch auf die Antwort meiner Ehefrau warten.“
Hm. Du hast Recht.“
Hast Du geschrieben, sie soll keine dummen Fragen stellen!“
Ja, hab ich.“
Na, dann dürfte es ja keinen Ärger geben. Du hast doch die Hosen an in der Ehe oder?“
Der Arzt war begriffsstutzig: „Wie bitte!“
Ich habe gefragt, wer bei Euch in der Familie die Hosen anhat: Du oder Deine Frau?“
Äh, das kann man so nicht beantworten...“, sagte er zunächst, bis er kapierte, mit wem er hier zu tun hatte. Beschränkte, einfach dumme Leute.
Ja, ich natürlich!“
Der Blonde lachte. „Na, also!“
Und schon kam ein Piepton.
Der Arzt, noch verdutzt über diesen Dialog, reagierte nicht sogleich, so dass ihn Blondy darauf hin stieß. „Schau schon nach, was Deine Alte geschrieben hat!“


5. Pornodarsteller haben's schwer...


Er las die Nachricht vor. Sie könne nicht so viel bezahlen, am Montag würde sie zur Bank gehen und schauen, was machbar ist.
Blondy schrie laut auf. „Der werden wir Beine machen. Geb mir Dein Smartphone her!“ Der Arzt wusste, was auf ihn zukam und schrie: „Nein!“
Blondy riss es ihm einfach aus den Händen: „Aber doch. Die wird Augen machen, wenn sie ihren Ehemann in einem Porno sieht! Haha!“
Der Arzt sank auf einen Stuhl, biss sich auf die Lippen, biss sich in die Finger, aber alles nützte nichts, da blieb ihm nur übrig, versteinert mitzuverfolgen, wie sein Schicksal, das des Ehebrechers, langsam aber sicher vorbereitet wurde und sich vollzog.
Blondy ging zu einem Schreibtisch, schaltete seinen Computer an und verkabelte das portable Gerät mit dem Rechner. Nicht einmal fünf Minuten brauchte er, bis er mit der Übertragung des Videos, der Bearbeitung mit einem Schnitt-Programm, der Hochladung auf eine Website für Videofilme und mit der Zurückspielung aufs Smart Phone fertig war.
Als er zurückkam, sagte er lapidar und bestätigte, was man vermutet hatte, dass er nämlich das Video vom Smartphone auf dem Computer bearbeitet, geschnitten, verkürzt, zum einen dann auf eine Plattform im Internet und zum anderen einen Teil auf des Arztes Handy geladen hat: „Das genügt erst einmal Deiner Etepetete-Ehefrau. So – und ab der Fisch!“
Dann überreichte er wieder dem Arzt sein Gerät mit den Worten: „Warten wir mal ab, was die geliebte Ehefrau dazu sagen wird.“
Dem Arzt war es ziemlich schwummlig zumute.
Blondy sagte, was Sache war: „Zum anderen ist dieser tolle Porno auf einem Plattform im Internet installiert. Jeder, der's wissen will oder muss, Zeitungen, Verwandte, Kollegen im Krankenhaus können so mit einem Link diesen tollen Spielfilm jederzeit überall anschauen. So, jetzt wird’s wirklich keine Probleme mehr geben, oder was hat der Chefarzt dazu zu sagen?“
Dieser nickte nur betrübt und stumm dazu.


100 Kilometer entfernt schauten sich die Ehefrau und ein zufällig bei ihr anwesender Neffe des Arztes, der übrigens Polizeibeamter war, das Video an.
Der Kopf eines Mannes ist zu sehen, der auf einer Autokopfstütze nach hinten mit geschloßenen Augen gelegt ist. Der Schädel desselben bewegt sich voller Lust von links nach rechts und zurück, während die Hände, nun durch ein Zurückfahren und Vergrößern des Bildausschnitts ersichtlich, einen blonden Frauenkopf berührt, ihn gleichsam hin- und herdirigierend. Da der Ausschnitt sich weiter vergrößert, werden beide, Mann und Frau, in einem geräumigen Automobil sehbar. Nun wird auch auch der Oberkörper der Frau sichtbar, Kopf und Rumpf, bis sie plötzlich blitzschnell aus dem Ausschnitt, ohne ihr Gesicht zu offenbaren, fährt, als habe sie gespürt, sie stehe im Fokus einer Linse. Das Bild eines aufgeplusterten, nahezu berstenden, hin und her pendelndem Schliegels ist etliche Sekunden zu sehen. Plötzlich jedoch dreht sich der Inhaber dieses beeindruckenden Gliedes nach hinten und nach oben, um ein erschrecktes Gesicht zu bieten. Mit diesem Schreckgesicht gefriert das Bild zu zehn Sekunden, so dass über die Identität dessen kein Zweifel mehr besteht: der Ehemann und Onkel.
Der Hobbyfilmer, das müsste man ihm lassen, verstand sein Handwerk. Das zehn Sekunden eingefrorene Bild bildete einen beeindruckenden Schlußpunkt. Die leicht fahrigen, unscharfen Bildauflösungen waren nur auf den billigen Camcorder zurückzuführen, ließen aber über die Identität der Person keinen Zweifel.
Es war eindeutig der geliebte Ehemann und bewunderte Verwandte.
Dieses Schwein!“, stieß die Ehefrau, die Hände vors Gesicht geschlagen, aus. Dabei meinte sie höchstwahrscheinlich ihren Ehemann.„Diese Saubande!“, ließ sich der Neffe vernehmen, nicht ohne Hauch von Beeindrucktsein. Dieser meinte wohl dabei die Filmemacher.
Was machen wir nun?“, brachte die Ehefrau, nach Luft schnappend, heraus.
Der Polizist wusste Rat. Er war schließlich Experte.
Natürlich kleinbei geben. Allein die Vorstellung, wer dies alles zu sehen bekommen könnte, war unausdenkbar. Der Ruf des Arztes, der Familie, ja der ganzen Sippschaft war in Gefahr. Letzteres drängte ihn dazu, auf die Ehefrau, der es nach Widerspruch, Nichtstun und Trotz zumute war, einzureden.
Die Ehefrau war eine gesetzestreue Bürgerin und schaute ihren Verwandten unmißverständlich skeptisch an: "Findest Du?"
Endlich hatte er sie soweit. Letzte Zweifeln musste er nur noch zerstreuen.
"Wir wissen nicht genau, ob es Profis oder Laien sind. 90 Prozent von Entführungen gehen auf Letztere zurück. Gelegenheitsgauner." Das war an den Haaren herbeigezogen, erfüllte aber seinen Zweck. Er war Verkehrspolizist, hatte keinerlei Erfahrungen, tat aber so, als wäre er in kriminalistischen Dingen bewandert.
Die Ehefrau gab nach. Trotz des schamlosen Verrats ihres Mann blieb sie Ehefrau. Damit blieb sie auch Gattin des Chefarzt. Zu sehr fühlte sie sich mit der Rolle als Chefarzt-Gattin, mit der Familie-Mutter, der Sippschaft-Schwägerin insgesamt verbandelt, verwoben und verschweißt, als dass sie hätte so handeln können, wonach ihr Herz drängte und rief.
"Die Lösegeldforderung wird erfüllt. Allerdings erst am Montag, spätestens Dienstag“, simste sie schießlich.
Als Antwort kam die Instruktion, das Geld in den Cabrio am Parkplatz nahe des Krankenhauses zu deponieren.
Als sie ihr Handy weglegte, stieß sie aus: "Das wird happig werden. Das ist eine Menge Geld!"
"Ja, da ist sofort der Familienrat gefragt. Am Ende werden wir alle zusammenlegen müssen, befürchte ich.
"Das wird für jeden schmerzlich werden!"
"Du sagst es!"


"Bis Dienstag!", grummelte er.
Blondy passte diese Vorstellung gar nicht. Das waren drei volle Tage. Aber was soll's, das müßte in Kauf genommen werden. "Da beißt die Maus keinen Faden ab!"
"Hä? Welche Maus? Meinst Du die Krankenschwester jetzt?“
Ahö!“
Warum sollte die einen Faden abbeißen? Hä?“
"Das sagt man halt so, wenn... in einem Fall...äh...wie diesem...wo...äh...“
Wie, wo eine Maus.. eine tatsächliche Maus..."
Nein, eine abstrakte...“
Eine abstrakte Maus. So so.“
Halt eine vorgestellte...“
Wie, die Maus stellt sich vor? Wie soll das gehen? Verarscht Du mich jetzt total!“
Nein!“
Also, dann red Deutsch mit mir!"
"Das ist Deutsch!"
"Hä!". Ein zorniger Blitz streifte Blondy.
"Ach, vergiß es!"
Plötzlich wurde er von Blacky am Kraken gepackt: "Wenn Du mich verarschen willst, dann.."
"Nein, nein!"
"Das hätte ich Dir auch nicht geraten!"
Blacky ließ wieder los.
"Ist ja gut, ist ja gut!"
Verärgert über Blackys Demütigung entriss Blondy dem Arzt das Smartphone und tippte etwas ein, wobei er gleichzeitig laut ausrief: "Dieses Video wird andernfalls in die ganze Welt versendet, das schwöre ich!“ Und Knöpfchen gedrückt – denn das, was er so laut geäußert hatte, war gleichzeitig der Inhalt der SMS-Nachricht gewesen.
Ihr wollt doch sicher sehen, was ich verschickt habe. Da seht es Euch an.“
Für Arzt und Krankenschwester gab es eine Sondervorführung ihrer pornographischen Leistung. Dazu hielt er das Gerät in die Höhe, damit es von allen gut sichtbar gesehen werden konnte und woran sich beide satt sehen konnten, sofern sie dazu Lust hatten.
Das letzte, gefrorene Bild, das Konterfei des Pornohelden, hielt er wie ein Spiegelbild dem Arzt kurz vor die Nase.
"Und das ist meine geniale Idee gewesen. Damit Ihr's wisst!"Er spielt auf das stehende Bild an.
Und noch ein paar Zentimeter näher rieb er den Protagonisten die Aufnahme unter die Nase.
"Und das sollt Ihr nicht vergessen, dieses Bild. Damit ihr wisst, was hier gespielt wird!"
Dann öffnete er wütend das Cassius des Händys, nahm die Telefonkarte heraus, zerdrückte sie und schmetterte das Gerät auf den Tisch, dass es in zig Einzelteile zerfiel.


6. Langeweile gebiert Ungeheuer...


Nunmehr blieb ihnen nichts anderes mehr übrig, als auf die Geldübergabe zu warten. Es könnte sich schon ein bißchen hinziehen. Eine halbe Million waren keine Peanuts. Sie hatten natürlich damit gerechnet, dass eine solche hohe Summe nicht einfach aus einem Geldautomaten zu ziehen war und also dazu ein Bankangestellter konsolidiert werden musste. Und wann war das möglich? Wahrscheinlich nicht bis vor Dienstag, wenn's gut lief. Genau, wie die Frau des Arztes gesagt hatte.
Alles war im grünen Bereich. Geduld war da angesagt. Geschlagene zwei, drei, vier Tage, Herumgesitze, Auf-die-Geiseln-Achtgeben. Lauter lästige Dinge! Dinge, zusammengefasst als Geduld, die die beiden am wenigsten hatten.
Mann, mir wird jetzt schon stinklangweilig, wenn ich an die drei, vier Tage denke, die auf uns zukommen!“
Die beiden stehen unschlüssig herum, sie müssen nun warten; aber es stellt sich die schwierige Frage, wie mit den Geiseln unterdessen zu verfahren sei.
Des Dunklen Blick fällt auf die Krankenschwester.
Diese ihre weiße Schulterblöße!?
Die Aussicht, einige Tage mit dieser hier verbringen zu müssen, irritiert ihn.
Über ihre Schulter zieht sich der Gummihalter des BH.
Er wird krebsrot und wendet den Blick ab. Die Krankenschwester zieht schnell die Bluse über die Blöße.
Der Dunkle schaut wieder hin, wird sich seiner Befangenheit gegenüber dieser legeren, weißhäutigen, locker bekleideten Frau bewusst, was ihn ungemein ärgert und erbost. Wie konnte so etwas Verworfenes eine so starke Macht und Ausstrahlung auf so einen integren, ehrlichen, sittenstrengen Menschen wie ihn haben?
Was machen wir mit der Hure? Die hat uns sowieso keinen Nutzen!“ Er hat diese Worte mit von verzerrten Unterlippen untermauerten Ton der gekränkten Verachtung ausgestoßen.
Der Blonde lachte: „Im Garten vergraben!“ Dies hieß, dieser konnte locker und ohne weiteres auf die Frau verzichten. Natürlich, sie war nicht des Geldes Unterpfand. Es bewies zudem, daß er sich im Gegensatz zu seinem Partner in keinster Weise von dieser attraktiven Frau sexuell angesprochen fühlte. Sie war ihm offensichtlich völlig egal. Das sollte sich ändern.
Das Objekt des Gesprächs bekommt jedes Wort mit. Entsetzt schaut sie ins Gesicht des Arztes und dieser, heilfroh seine eigene Haut retten zu können, wendet schnell den Blick ab und senkt ihn gen Boden. Nur kein unnötiges, belastendes Mitleid empfinden.
Dann richtete die Krankenschwester einen hilfesuchenden Blick durchs Fenster nach draußen. Nützte dies was? Wenn jetzt ein Passant, eine Person, ein Mensch am Gartenzaun vorbeigeht? Schreit sie laut um Hilfe, würde nicht ein Wort durch die Wände bis nach draußen auf dem Bürgersteig dringen. Vergebliche Mühe. Sie saß gefangen wie eine Maus im Käfig. Eine graue Maus. Eine kleine, graue Maus. Die man nur an eine Katze sinnvoll verfüttern konnte. Ansonsten vielleicht tot und verreckt auf dem Misthaufen werfen, wie dieser Blonde schon angedeutet hatte.
Ich schlage vor, wir verstauen den Arzt im Keller, Du weißt schon wohin...“
Dort, wo Du immer den Hund ankettest!“
Genau! Die Tussi kommt vorerst wieder in die Rumpelkammer! Dann überlegen wir in aller Ruhe, was wir mit dieser anfangen können.“
Das taten sie denn.
Der Arzt wurde im großen Kellerraum gesperrt, in dem an der Wand eine Hundekette mit eiserner Halskrause befestigt war. Diese Halskrause legte man um seinen Hals. Verschlossen wurde sie mit einem Schlüssel. Sicherheitshalber fesselte man noch seine Hände am Rücken mit einem Kabelband zusammen.
Die Krankenschwester wurde wieder in die Seitenkammer verfrachtet. Aber immerhin entfernte der Dunkle zum Beispiel den Staubsauger und auch einige Besen darin, so dass sie einigermaßen Platz hatte. Diese Rumpelkammer, mit einer selbstgezimmerten Tür versehen, bot immerhin Licht durch die Bretterschlitze und sie hatte dadurch auch etwas Sauerstoff. Vorteilhaft oder besser gesagt nachteilig wirkte sich nur aus, dass sie jedes gesprochene Wort in der Küche verstand.


Blondy kam eine Idee: „Du, die Tussi ist doch eine Krankenschwester!“
Eh! Na und?“
Na, wenn sie Krankenschwester ist, ist sie doch so etwas wie ein Pflegerin.“
Kann schon sein!“
Funkt es nicht?“
Nein!“
Der Dunkle schaute etwas despektierlich über den Inhalt ihres Gespräches und gleichzeitig in Richtung des Objektes selbst, welche zur Rumpelkammer wies.
Mann, wenn die so etwas kann wie Kranke pflegen, dann kann sie Dich doch auch pflegen oder halt waschen...“
Bin ich eine alte Krücke oder was?“
Mann, sei nicht empfindlich. Darum geht es doch nicht. Du bist natürlich nicht alt und gebrechlich, ein Greis!“ Dabei lachte er dreckig. „Nein, trotzdem! Warum sich nicht von so einer Professionellen verwöhnen lassen...“
Dem Dunklen ging allmählich ein Licht auf.
Genau, schnackelt's!“
Der andere schaute wieder Richtung Rumpelkammer. „Äha, ja, warum nicht...“
Blondy war schon auf dem Sprung, als er sagte: „Na also! Ich laß schon mal heißes Wasser in die Badewanne!“
Eh, Mann, mach das!“
Die Krankenschwester hatte alles Silbe für Silbe mitbekommen. Ihr wurde zunächst entsetzlich übel im Magen und umklammerte einen Schrupperstiel auf der Suche nach Halt. Sie begriff sofort, was auf sie zukam. Aber so eklig die Vorstellung war, kam sie allmählich zur Besinnung und zur Vernunft und dachte, es sei tausend Mal besser, als sich hier in der düsteren Rumpelkammer im beengten Raum zu verkrümmen, zu verkümmern und dahinzuvegetieren. Es eröffnete sich die Möglichkeit, hier herauszukommen und, wer weiß, zu entfliehen. Dann ließ sie den Stiel los, sie war also schon in zehn Sekunden bereit und wurde bereits am Arm gepackt und herausgezogen.
Ab ins Badezimmer in den ersten Stock.
Wohin gehen wir?“
Mädchen, spiel nicht die Ahnungslose! Du weißt genau, was auf Dich zukommt. Oder bist Du taub, he!“ Und er stieß sie unsanft in den Rücken, als sie die knarrende Bretterstiege und verschlissene Holztreppe hinaufstiegen.
Zunächst rechnete sie damit, es nun mit Blondy zu tun zu bekommen, welche Vorstellung ihr angenehmer war. Nur nicht jenen düster dreinblickenden Burschen. Blondy öffnete eine Tür, aus der ein heißer Dampf herausschlug. Ihr wurde im befehligendem Ton gesagt, durch diese Tür zu treten und sowie geschehen, schloß sich diese hinter ihr.
Sie befand sich in einem von dichten Wasserdunst erfüllten Raum. Unscharf erkannte sie eine Badewanne, aus der heiße Wassernebel dampften. Vorsichtig lief sie darauf zu. Was blieb ihr schließlich übrig?
Allmählich schälte sich eine Gestalt in der Wanne heraus, die ihr den Atem nahm. Mit dem anderen wäre es ihr leichter gefallen, wäre ihr weniger gegen den Strich gegangen, es ihr erträglicher gewesen, einen fremden Körper waschen zu müssen und was sonst noch alles Weitere, was sich wahrscheinlich nicht vermeiden ließ.
Ausgerechnet dieser mürrische, unberechenbare, zur Geilheit und zur Gewalt neigende Finsterling mußte es sein! Angewidert und vor Schrecken, als röche sie förmlich seine Geilheit, verzog sie ihr Gesicht.
Aber Augen zu und durch damit und schon ging sie weiter in diesen heißen, feuchten, düsteren Nebel hinein, erblickte über der Wanne oben an der Wand ein offenes Schrankbord, ergriff sich dort ein Stück Seife und einen Waschlappen, welchen sie im heißen Wasser anfeuchtete, um darin die Seife zu reiben. Glücklicherweise stand sie hinter dem geilen Typen und musste ihm nicht noch in die Augen schauen.
Na, mach schon, Hure!“
Mit diesem Ausdruck hatte sie nun nicht gerechnet und Empörung schoss wütig in ihren Kopf. Sie würde sich so etwas nicht gefallen lassen – dachte sie eine Zehntelsekunde – und machte sich rasch an die Arbeit. Auf die nach vorne gebeugte Schulter klatschte sie den Lappen, rieb damit die borstige Haut und ruppelte und scheuerte sie vor Wut und Angst, während der Bearbeitete versuchte Wohllaute zu unterdrücken.
Stärker doch, Schnalle!“
Sie rieb über seine Borsten, als würde sie über ein Reibeisen hin und her fahren.
Pass auf, dass Du mir nicht mein Halskettchen zerreißt.“ Genau, die dicke, goldene Kette am Hals, die war ja so wichtig. Am liebsten hätte sie ihn damit erwürgt!
Sie goss Wasser mit der Duschspritze über seine nach Gel, Parfüm und Sonstigem riechenden, harten und stoppeligen Borsten. Einen Schwall Haarshampoo in die flache Hand gespritzt und schon wusch sie ihm damit gehörig den Kopf.
Pass doch auf, Hure! Nicht zu hart!"
Folgende Worte lagen ihr auf der Zunge: „Was, ein bißchen Gefühl wäre nicht schlecht!?“ Ob er dies aber verstünde? Aber hierher passte dies ja sowieso und überhaupt nicht!
Danach spülte sie mit der Dusche die dreckige Soße aus seinen Haaren.
Als sie den Duscharm auf den Seitenhalter legte, also dicht über ihn gebeugt war, fasste er ihren Kopf mit einer großen Hand und hielt ihn starr fest umklammert. Langsam bewegte er ihn in Richtung seines Schoßes herunter.
Und jetzt zeig mal, was Du kannst, Weibsstück!“
Gleichzeitig entstöpselte er den Badewannen-Abfluß und mit dem langsamen Absinken des Wasseroberflächen-Spiegels tauchte sein schmieriger, ekliger, krummer Schliegel unaufhaltsam auf wie eine Moräne aus der Tiefe des Meeres oder sonstiges undefinierbares Monster...


7. Das Spiel noch einmal, nur schärfer...


Unterdessen langweilten sich Blondy und Black immer unerträglicher. Geiselnahme war vielleicht ein schweres Geduldspiel, Mensch!
Bereist am nächsten Tag war die nervliche Anspannung über die Ungewissheit des Ausgangs der Entführung zum Zerreißen. Die Frage, was dann tun mit den Geiseln, wenn man das Geld hat, war sowieso eine ungelöste Frage, lag jenseits ihre Denkvermögens, überstieg ihre Phantasie.
Was sollten sie da tun: die Freigelassenen wussten, wo die Geiselnehmer wohnten, wie sie aussahen, wie sie sprachen, dummerweise, sie hatten jede Vorsichtsmaßnahme vergessen zu ergreifen. Es würde keine Stunde dauern, bis die Polizei vor ihrer Wohnung stünde.
Voreilig und unüberlegt hatten sie gehandelt! Spätestens, als sie sie beim Cabriolet in die Zange nahmen, hätten sie den Geiseln ein Tuch vor die Augen binden müssen, zudem noch etwas in die Ohren stopfen sollen. Aber jetzt war es zu spät!
Freilich, sie könnten sich noch rechtzeitig davon machen, nach Übersee, nach Amerika, wahrscheinlich ist Lateinamerika am besten, oder ein paar Jahre am Strand von Goa in Indien verbringen oder in Thailand, alle Ecken der Welt standen ihnen ja mit dem Lösegeld offen – aber das musste eigentlich auch geplant werden, nicht wahr, so holter-di-polter abzuhauen, ging auch nicht, oder?
Und eben? Gab es nicht Interpol? Die sollen ja ziemlich fix sein, kein Wunder in der globalisierten Welt, in der wir lebten. Völlig ruhig und sicher würden sie es also nirgendwo haben.
Eins war zumindest klar: sie mussten so schnell wie möglich abhauen! Unverzüglich, und am besten auf dem geradesten Weg zum Flughafen, überhaupt keine Warte- und Überbrückungszeiten in Kauf nehmen, sondern so schnell wie möglich ab in den nächsten Flieger.
Wenn ohne Planung? Auch ohne eine solche. Wird schon werden!
Wie aber mit den Geiseln verfahren?
Es durften, wie hieß das noch einmal, keine Kollateralschäden entstehen, dass etwa die Gefangenen nicht rechtzeitig entdeckt würden, verhungerten und das ganze Haus mit ihrem Leichengestank ausräucherten, nur zum Beispiel.
War es da nicht besser, sie irgendwo anderswo frei zu lassen?
Für sie, die Geiselnehmer spielte das keine Rolle, ihre Identität würde so oder so ans Licht kommen, nur zu beachten war, sich neben der Entführung und Erpressung nicht noch einige Morde aufzuhalsen.
Entführung war kein leichtes Geschäft!
Auf ziemlich viel musste geachtet, Rücksicht genommen, überlegt werden - wer hätte das gedacht? Sie waren schließlich ja eigentlich Entführer wider Willen, waren in diese Rollen gewissermaßen hineingerutscht und hineingestoßen worden, völlig unvorbereitet in die Bredouille geraten.
Aber sie waren nicht die einzigen in diesem Haus, die Sorgen plagten.
Am schlimmsten hatte es jemanden getroffen, dem ein körperliches Manko plagte, über das zu reden ihr schon unter normalen Umständen schwerfiel und hier nun selbst die Vorstellung, dies anzusprechen, die Schamesröte ins Gesicht trieb. Das war schlimmer, glaubt man es oder nicht, als bedrückende Enge, aneckende Gegenstände oder permanente aufrechte Stellung, zu der sie gezwungen war in der Rumpelkammer: ihre Zähne.
Seit Jahren rächte sich die Vernachlässigung ihrer Zähnen, die in ihre Kindheit zurück reichte. Ihre Bauerns-Familie hatte gemeint, wozu Zahnvorsorge und also in Schönheit investieren, wenn Frau später nur gut zupacken und Kinder gebären kann? Außerdem, jedes Familienmitglied hatte Zahnprobleme, trug spätestens mit Vierzig ein teilweise künstliches Gebiß und warum sollte es ihr besser ergehen? Nur spielten gute, ebenmäßige, weiße Zähne in der Stadt eine andere Rolle als auf dem Land.
Nun, solch eine Zahnprothese mit künstlichen Zähnen, die sie besaß, bedarf der Pflege. Das mindeste war, diese jeden Abend in eine Schatulle mit Spezialmittelchen zum Reinigen über Nacht legen.
Wo sollte man dies hier herkriegen? In der Rumpelkammer? Konnte man dies den beschränkten, zur Gewalt neigenden Entführern anmelden, die selbst nichts auf die Reihe kriegten und keinerlei Ordnungssinn zu haben schienen?
Sie warf einen Blick durch die Ritzen der Bretter, die die Rumpelkammer begrenzte, auf den ungewaschene Geschirrturm, den übergequollenen Abfalleimern der Ecke und den hier und dort auf Boden, Tisch und Schrank herumliegenden Unrat und Müll.
Nein, die würden für Reinigung von künstlichen Zähnen kein Verständnis aufbringen.
Hoffentlich hatten sie mittlerweile genug von Sex. Oweh, stellte sie sich vor, dass die jetzt wieder an sie herantraten, jetzt, nachdem sie schon eine Nacht nicht ihre Zähne hatte reinigen können und sie – schnief, schnief – bereits eine leicht miefige Ausdünstung aus ihrem Mund glaubte riechen zu können...
Sie betete nur, dass die Brüder hoffentlich mittlerweile genug vom Sex hatten.
Das war eine Fehleinschätzung.
Blacky hatte mittlerweile Blut geleckt.
Komm, heute noch einmal!“
Hä!“
Die Hure!“
Die Hure?“
Du weißt!“
Von mir aus!“
Eine eigenartige Stimmung lag im Raum.
Endlich schnallte es Blondy.
Sofort?“
Blacky musste nicht einmal antworten. Blondy gab die plausible Erklärung zum Besten.
Na klar, eine Hure muss jeden Tag richtiggehend durchgefickt werden, sonst fühlt sie sich nicht wohl. Wird grantig, launisch und hysterisch! Wie bei einer Kuh, die muss auch jeden Tag gemolken werden, sonst fängt sie an rumzumuhen und zu brüllen.“
Stimmt, stimmt, stimmt. Wie recht Du hast!“
Was sein muss, muss sein!
Perverse Phantasievorstellungen plagten Blacky und hielten ihn schwer im Griff. Zuerst stellte er sich vor, er zwinge sie auf die Knie und ließe sich dann einen blasen. Und dann, ja dann... Klar, dann herumdrehen und von hinten ficken.
So sollte es kommen. Ach, aber wäre es nur dabei geblieben und wäre jener leicht scharf riechende Mundgeruch der Krankenschwester unentdeckt geblieben. Eine Menge Ärger, Verdruß und Mißhandlung hätte sie sich erspart.
Blacky, nachdem fertig, kickte mit seinen Knien sein Opfer derartig stark in den Hintern, dass es nach vorne auf die Hände fiel, sich zwar sofort am Boden herumdrehte, aber mit ihren gespreizten Beinen einen so verlockenden Anblick und Lockvogel bot, dass Blondy, der beim Zusehen schon ziemlich geil und fickrig geworden war, sich nicht mehr beherrschen konnte.
Er schob den schwer atmenden Dunklen rüde beiseite und quäkte: „Jetzt lass mich mal ran!“
Die Krankenschwester wollte schon wieder die Beine einklappen, aber Blondy warf sich rechtzeitig dazwischen und auf sie so, wir er sie erwischte, nämlich voll frontal. Seine Zähne gruben sich raubtiergemäß in ihren Hals, ihren Mund – oh, das hättest du sein lassen, Blondy – und er kriegte die versalzene Suppe voll in den Hals.
Er sprang auf und zurück, wischte sich angewidert den Mund und rief, als hätte er sich mit Säure verätzt: „Igittigitt, die stinkt ja aus dem Maul wie die Pest! Päh.“ Und er rannte hastig zum Bad, um schnellstens eine Mundspülung und Zähneputzungs-Aktion zu machen.
Der Krankenschwester war es nur hochnotpeinlich.
Ich muss meine Zähne eigentlich nachts pflegen. Ich habe künstliche Zähne. Die müssen jeden Tag gereinigt werden!“
Ihr war's so peinlich, dass sie vergaß die Peiniger mit gebührenden Worten zu bedenken, nämlich mit Beschimpfungen, die sie in Wahrheit verdient hatten, was den Grad ihrer Scham bemessen mag.
Und Du willst eine Hure sein?“, pöbelte Blacky sie an. „Wäscht und putzt Dich nicht gründlich, stinkst zehn Meilen gegen den Wind aus dem Mund! Pah!“
Und er schlug ihr eine ins Gesicht.
An der mach ich mir doch die nicht die Hände schmutzig!“, und wendete sich angewidert von ihr ab.
Ab jetzt durfte natürlich diese verseuchte Person nicht mehr innerhalb des Wohnzimmers weilen, in der Rumpelkammer, wer weiß, was für Krankheiten sie mit sich herumschleppte, wenn sie sich schon nicht die Zähne putzte - obwohl Krankenschwester, völlig irrig, unverständlich und paradox, doch besonders reinlich sein müßten - also gehörte sie weit, weit weg gesperrt und isoliert und in Quarantäne, so weit es eben ging und das hieß: auch in den Keller, wie ihr ängstlicher, feiger, reicher Stecher.
Zuerst versuchte man sie auf die sanfte Tour in den Keller zu bugsieren, nämlich relativ dezent stupsend. Sie verlor aber, Schlimmstes ahnend, die Nerven, zumal auch ein paar Schläge auf den Kopf über sich erdulden müssend und flippte völlig aus.
Ihr Blödmänner, ihr geilen Säcke, ihr Kanaillen! Ihr widerliches Pack, Abschaum, Gossenpisse...“
Was, Du Stinktier, wagst es, uns zu beschimpfen!“
Blacky machte jetzt Nägel mit Köpfen. Er packte sie grob am Arm, bog ihn zurück und forderte Blondy auf, zuzupacken. Die Krankenschwester strampelte hysterisch mit den Füßen, schlug mit den Händen um sich, so dass die zwei gestandenen Kerle Mühe hatten, sie richtig zu fassen zu kriegen und fortzuschleppen. So wurde sie mehr schleifend denn tragend die betonerne, kalte, düstre Kellertreppe hinuntergeschleppt. Das hinterließ natürlich körperliche Spuren, die schmerzhaft waren.
Im Keller befand sich eine unterteilte Zelle, die, ähnlich wie die Rumpelkammer, von einem Holzgitter abgegrenzt war und dahinein warf man die Renitente kurzerhand. Das Vorhängeschloß am Riegel schnappte ein; vergeblich rüttelte die Verrückte mit den Händen daran; sie rief ihren Peinigern noch etliche beeindruckende Flüche, Schimpfworte und Drohungen nach, deren eine Landpomeranze fähig war – und die waren imposant.
Die beiden Weggehenden blieben stehen.
Einer schaute in des anderen Gesicht.
Blondy pfiff anerkennend durch die Zähne und sagte: "Hör'der mal die an. Nicht schlecht, was!“
Was denkst Du? Hast Du etwas anderes von einer Hure erwartet?“
Blondy, verdutzt, erstaunt und beeindruckt von der Humor- und Witzlosigkeit seines Partners nickte bedächtig und zuckte mit den Schultern: „Ja. Du hast Recht. Lassen wir der Hure ihren Spaß!“
Sie drehten sich nicht einmal um, bevor sie gemeinsam die enge Treppe wieder hochstampften.
Die Krankenschwester warf sich auf ein Sofa in der hintersten Ecke der Zelle und heulte gotterbärmlich.


8. Die Krankenschwester packt aus...


Der Krankenschwester hatte man übel mitgespielt. Abgesehen von den unsichtbaren Blessuren der seelischen Tortour einer Vergewaltigung, waren die offensichtlichen körperlichen auch ganz schön beeindruckend. Beim Vom-Boden-Aufheben, In-den-Griffnehmen und den Keller-Hinunter-Schleppen hatten die zwei Kerle so fest zugegriffen, dass sie deutliche Schrammen, blaue Beulen und blutige Narben an Gesicht, Händen und Beinen hatte. Zudem tat ihr der Ellenbogen unmäßig weh, weil sie wohl an Ecken und Kanten gestoßen war.
Sie erhebt sich und kommt endlich hoch aus der äußersten Ecke dieses Raumes und begibt sich zum Gatter, zu den Holzlatten, die diesen Raum gestalten und umgreift wild wie ein Gorilla seine Käfigstäbe. Tränen rinnen ihr sturzbachartig aus den Augen und ihr Gesicht ist verzogen zu einer aggressiven Fratze. „Ich habe immer auf alles verzichten müssen. Mein Lebtag lang. Gegenüber meinem größeren Bruder, der alles geerbt hat, was wir hatten. Jetzt habe ich die Schnauze voll. Zurückstecken, nachgeben, verzichten und noch einmal verzichten, und jetzt ist mein Leben zu Ende.“
'Die kriegt sich jetzt nicht mehr!', befürchtete der Arzt verdutzt und bestürzt. 'Die lässt sich doch nicht einfach gehen!', befürchtet er und hofft inständig das Gegenteil.
Aber Tatsache, wie hart ihr Charakter, wie stark ihr Hang zum Schweigen und wie extrem verhalten sie bislang auch immer gewesen war, ihre Fassade bröckelt jetzt.
Nein, ich will nicht mehr, ich will nicht mehr! Ich will hier raus! Und Du, sag doch etwas! Mach doch etwas!“
Tatsächlich, die fängt jetzt an zu spinnen, durchzudrehen. Schnell etwas dagegen tun!
Warten wir's ab. Noch ist nicht aller Tage Abend!“, sind die Worte des Arztes, die hohler nicht klingen könnten, was selbst ihm bewusst ist.
Was soll man schon sonst sagen und tun? Keinen Plan!!!
Natürlich empfindet er etwas Mitleid. Er weiß einiges über ihre Biographie. dass sie es als Tochter in der Bauernfamilie schwer hatte. Der jüngere Bruder hatte den Löwenanteil an Hab und Gut geerbt, Hof, Ställe, Felder, Wiesen, Wälder und alles Drumherum. Sie wurde gerade mal mit einigen Tausend abgespeist, die nur zu einer Ausbildung reichte. Wennzwar zu einem helfenden Beruf, der in ländlich-religiösen Kreisen ein hohes Prestige innehatte, aber sie hätte Besseres verdient. Trotz ständiger Fürsprache des Lehrers, der felsenfest behauptete, sie bringe die Voraussetzung und Intelligenz fürs Gymnasium mit, durfte sie keine höhere Schule besuchen.
Am schlimmsten aber traf sie die Einstellung zur Zahnbehandlung seiten der Eltern. Die Fehlerkorrektur genetisch kariöser Zahnbildung prophylaktisch zu begegnen, hielt man nicht für notwendig. Schon in jungen Jahren mit einem künstlichen Gebiss litt ihre Eitelkeit schwer. Mit eigenen Kindern wurde es auch nichts, wurde sie von Kindesbeinen an dahingegen gehirngewaschen und geimpft, ja selbst keine eigenen in die Welt zu setzen, besaß sie schließlich keinen eigenen Besitz, wovon sollte sie da Kinder ernähren können? Es sei denn, dies verstand sich von selbst: „Du angelst Dir einen reichen Ehemann.“
Hatte sie im Arzt einen Kandidaten gesehen, ihren Zukünftigen trotz der anderen, der Ehefrau, der Gegnerin, des Pendant, schließlich konnte jene doch auch frühzeitig sterben? Leider aber, nachdem, was jetzt kommen würde, war gar die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sie als erstes an der Reihe war.
Und Du wirst mich jetzt nicht mehr heiraten können. Nein, wir werden nicht mehr zusammenkommen. Da kommen wir niemals heraus. Die sind zu brutal. Die bringen uns um.“
Da legst Dich nieder!“, flüsterte er. Vor Verlegenheit schaute er nach unten in eine Ecke. Solche Nähe hatte er noch nicht von ihr erfahren und diese an ihn herangetretene Emotion brachte ihn glatt ins Strudeln, zumindest machte sie ihn abgrundtief verlegen – was er schnell wegwischte.
Was übrig blieb für diese Frau war Mitleid. Aber ein verachtendes Mitgefühl für dieses Mauerblümchen. Zwar körperlich eine tolle Frau, entpuppte sie sich nun als geistiges Kretin. So hatte er sie noch nicht wahrgenommen, zumal nicht vermutet, dass solche Seiten in ihr steckten und um seine Verlegenheit darüber hinwegzuwischen, konnte er sich nur in Phrasen flüchten, die ihn schützen sollten.
'Was in so einer grauen Maus alles versteckt ist, schlägt schon dem Faß den Boden aus?! Da schlummern Welten in unscheinbarsten Menschen und du ahnst es nicht.'
Er schüttelte den Kopf.
Allein schon das vertrauliche Du.
Abstoßend! Das entbehrte jedem Grund.
Freilich duzten sie sich, aber so distanziert wie bei einem Sie. Da gab es keinen gefühlsmäßigen Unterschied. Geradezu impertinent erschien ihm dieses neue Du, setzte es doch eine Vertraulichkeit, Intimität und Nähe voraus, die überhaupt nicht gegeben war. Niemals vorhanden gewesen war. Niemals. Auch jetzt nicht. Was sie überhaupt verband, war letztlich und lediglich nur ein öffentliches Verhältnis.
Gerade jetzt!
Das war eindeutig unterqualifiziert, was sie da bot, dachte der Arzt. Niemals darf man die konträren gesellschaftlichen Rollen und Abstände zwischen einem Chefarzt und einer Krankenschwester, egal in welchem Dilemma sie steckten, vergessen! Ja, dieses Theater, Geschrei und seelischer Striptease brachte bei ihm nicht die das geringste Gefühl hervor, nur Abscheu angesichts ihr Vergessenheit gegenüber gesellschaftlicher Konvention.
Letztlich, nur der Zufall hatte quasi zwei fremde Personen zum Opfer einer Entführung gemacht, deren Wege unabhängig voneinander hierher geführt hatten - auf der Straße von Geiselnehmern gekascht oder von Flugzeugentführern in einem Flugzeug – und für ihn war nunmehr das einzig Verbindende ein quasi nur gesellschaftlich relevantes Ereignis, eine Entführung, dem sie sich beide stellen mussten und zwar jeder unabhängig voneinander, jeder musste dabei für sich schauen, wo er bliebe und vor allem Rücksicht auf seine eigenen familiären Bande legen.
'Mein Gott, ich habe Frau, vor allem Kinder, meine zwei jungen Hasen, Mensch, die brauchen einen Vater, ohne geht das nicht und dann bin ich eingebunden in ein weitverzweigtes Netzwerk, Bekannte, Verwandte, Berufskollegen undsoweiter – ha, und diese Person hat das nicht, vielleicht gerade mal ihre Herkunftsfamilie, mit der sie ohnehin entfremdet und auf distanziertem Fuß verkehrt.'
Das Schluchzen dieser drang ihm dennoch bis in Mark und Bein.
'Aber nein, diese Person ist in keinster Weise mit mir vergleichbar und gleichzustellen!'
Was heult die da vor mir? Was geht mir ihr Wehwehchen an? Ich muss meine eigene nackte Haut retten, koste es, was es wolle und egal, was aus der da wird. - Denk nur an deine Familie, verdammt! Familien brauchen Vater und ich bin ein Vater, hundsfotts!'
Wie nur kam er hier heraus – das war die einzige relevante Frage. Ein Gebot steckte darin!
Der Krankenschwester Flennen stieß wieder an sein Ohr.
'Was, heiraten, diese fremde, schwächliche Person dort? Unvorstellbar! So weit unter seiner sozialen Stellung und Stand mit einer bloß Krankenschwester verheiratet zu sein? Meine Damen und Herren, da ergäben sich hundert andere, bessere Möglichkeiten und Verbindungen.'
Er dachte an eine jüngst in die Familie Eingeheiratete, eine Evangelische. Ja, aber mit einem satten Besitz, Vermögen und besten Familienstamm – wenn nicht gleiche religiöse Zugehörigkeit, dann zumindest Geld!
Und noch höher und dicker wurde die Mauer, wie er empfand, zwischen sich und ihr, je mehr sie sich gehen ließ, schluchzte heulte und gegen die Bretterstangen schlug.
Seine versteckte Wut wechselt nun zum zerstörerischen Handeln und Reden: „Kannst Du nicht endlich Dein Maul halten!“, schreit er ins Gesicht.
Aber ich will Doch Deine Ehefrau werden!“
Du spinnst doch! Reiß Dich zusammen und überleg lieber, wie wir hier wieder rauskommen, verdammt und zugenäht!“
Die Krankenschwester wirft und lässt sich auf den Sessel in der dunklen Ecke fallen und verbirgt ihr Gesicht zwischen den Händen: „Was hab ich denn? Nichts. Gar nichts. Ganz und gar nichts!“
Heftiges Schluchzen schüttelt sie.
Was hab ich denn gehabt. Nichts, gar nichts! Keine Jugend, keine richtige Familie, nichts, gar nichts!“ Und dann wimmert sie nur noch, die Schultern schütteln sich dabei.
Der Arzt rümpft die Nase und zerrt an der Halskrause.


In dieser Nacht öffnete sich krächzend die Tür zum Keller und wurde sofort wieder sorgfältig geschlossen. Ein flackernder Lichtstrahl kam die Treppe sachte heruntergeflogen. Dieser Komet schwebte direkt auf den Arzt zu, der aus dem Schlaf geschreckt war, aber so geblendet wurde, dass er nichts und niemanden um die Stirnlampe herum erkennen konnte, die ihn nun direkt anstrahlte. Noch ein rotes Licht, wie bei einer Kamera, schaltete sich am Helm ein: eine Helmkamera. Der Mediziner erhielt einen Schlag ins Gesicht und wurde herumdreht, Gesicht gegen die kalte Betonwand. Arme um ihn wanden sich und nestelten vorne den Hosengürtel auf, dann den Reißverschluß des Hosenschlitzes, wonach Hose und darauf schließlich Slip heruntergezogen wurden. Mit einem öligen Finger wurde zuguterletzt in seinen Anus gebohrt. Danach drängte sich ein etwas größeres, geschmeidigeres, pulsierendes Ding hinein. Einige Rein-Raus-Bewegungen mit heftigen Reibungen verbunden und das fleischige Glied verharrte plötzlich, plusterte sich um ein weiteres auf und kontraktierte etliche Male, verbunden mit einem großen Schwall Flüssigkeit hineingequetscht in den Rektusbereich, welche sich dort eisig ausbreitete. Das schlangenartige Ding zog sich zurück, indem es aus der hinteren Öffnung des Vergewaltigten mit einem leichten Plopp-Geräusch herauskam und dessen Träger, Inhaber und Mensch entfernte sich wieder so und auf dem gleichen Weg, wie er gekommen war: der Lichtkegel bewegte sich die Treppe hinauf, hin- und herspringend wie ein Gummiball, als schwankte der Lampenträger heftig, wenn, dann aus Erschöpfung. Der Geschändete stand etliche Minuten starr in gleicher Pose wie er vergewaltigt und zurückgelassen worden war, nämlich mit dem Gesicht zur Wand, bis er sich, da ihm es ihn um die nackte Haut fror, wieder anzog. Danach konnte er lange Zeit nicht einschlafen.


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